Bayerns größte Baustelle

Mega-Stau am Riesen-Bau: Neues Justizzentrum wird einfach nicht fertig – mehr als 400 Millionen Euro Kosten

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Das neue Strafjustizzentrum in München wird frühestens Ende 2025 bezugsfertig.
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Das neue Strafjustizzentrum am Leonrodplatz ist Bayerns größte Hochbaumaßnahme. Rund 400 Millionen Euro hat der Landtag dafür bewilligt – doch schon jetzt ist die Fertigstellung um Jahre verspätet, was zu einer Kostenexplosion führt.

München - Es wird immer später – und immer teurer: Der Neubau des neuen Strafjustizzentrums am Leonrodplatz verzögert sich erneut! Bayerns größte Hochbaustelle mit 40 000 Quadratmetern Fläche sollte eigentlich längst abgeschlossen sein. Doch wann vor Ort Gerichtsprozesse stattfinden werden, ist nach aktuellem Stand noch unklar.

München: Neues Strafjustizzentrum wird frühestens Ende 2025 bezugsfertig

Zur Fertigstellung sagt das Bauministerium lediglich: „Ziel ist weiterhin, dass das neue Strafjustizzentrum noch im Jahr 2025 bezugsfertig ist.“ Ob das klappt, ist aber unsicher. Denn: Nach tz-Informationen soll der Neubau zwar bis Ende 2024 oder spätestens Anfang 2025 abgeschlossen sein. Doch danach folgt noch ein umfangreicher Inbetriebnahmeprozess, bei dem die Technik im Gebäude eingespielt wird. Das wird mindestens ein Jahr lang dauern, wie aus Projektkreisen zu erfahren ist. Und das bedeutet: Prozessiert wird vor Ort wohl erst im Jahr 2026. Zumal vorher auch noch der Umzug von 1300 Mitarbeitern gewuppt werden muss.

Lieferengpässe, Rohstoffmangel und Munitionsreste führten zu Bau-Stau

Pikant: Ursprünglich sollte das Gebäude bereits 2020 fertig werden. Doch auf dem Gelände wurden Munitionsreste im Boden gefunden, die aufwendig entsorgt werden mussten. Zudem hatte der Rechtsstreit mit Baubeteiligten das Projekt verzögert. Ende 2023 sollte das Justizzentrum dann planmäßig fertiggestellt werden. Doch Lieferengpässe sowie Bau- und Rohstoffknappheit sorgten für weitere Verzögerungen, dazu kamen technische Probleme. Die Konsequenz: eine Kostenexplosion.

So sah die Großbaustelle im April 2020 aus

Justizzentrum in München: Verzögerung führt zu mehr als 100 Millionen Euro an Mehrkosten

Wurde im Jahr 2018 noch mit 305 Millionen Euro geplant, stieg die Summe zwei Jahre später schon auf 330 Millionen Euro und weiter auf 370 Millionen. 2023 veranschlagte der Bayerische Landtag dann bereits 397,15 Millionen Euro Baukosten – allerdings für die Fertigstellung bis Mitte 2024, die sich nun erneut um mindestens ein weiteres Jahr verzögern wird. Die Folge: Weitere Mehrkosten in Millionenhöhe, die am Ende der Steuerzahler berappen muss.

„Wahnsinnig zäh“: An viele Stellen des Neubaus muss laut Architekt noch nachgearbeitet werden

„Die letzten Meter sind wahnsinnig zäh“, sagt Architekt Markus Frick. An vielen Stellen müsse nachgearbeitet werden, zudem sind mehr als 50 Firmen am Bau beteiligt. Nach tz-Infos wurde jetzt sogar eine Projektgruppe gegründet, die die Bauarbeiten vorantreiben soll.

Verantwortlich für den 400-Millionen-Neubau: Bayerns Bauminister Christian Bernreiter

Was passiert noch auf der Baustelle? Die nach außen sichtbaren Arbeiten wie Rohbau und Fassade seien „bis auf einige Restarbeiten und die Gestaltung der Außenanlagen weitestgehend fertiggestellt“, teilt das Baumisterium mit. Aufgrund der Größe und der Komplexität des Gebäudes mit modernster Technik seien die Ausbauarbeiten „sehr umfangreich“. Konkret werden 57 000 Quadratmeter Bodenbelag verlegt und die Oberflächen behandelt, 3400 Türen montiert, 8000 Quadratmeter Wandvertäfelungsfläche in den Sitzungssälen eingebaut, 16 000 Lampen installiert, 3 600 Brandmelder eingebaut und getestet sowie 6700 Laufmeter Rollregalanlagen in den Archiven installiert.

Der Ausbau in den Obergeschossen sei „in großen Teilen fertiggestellt“ und schreite in den unteren Geschossen weiter voran. „Schreinerarbeiten, Bodenbelagsarbeiten und die Feininstallation sind hier zu großen Teilen abgeschlossen.“ Nach der baulichen Fertigstellung folge die Feinreinigung. „Diese Arbeiten werden in den weiteren Stockwerken fortgeführt.“ Parallel wird die technische Ausstattung fertiggestellt, danach die Außenanlagen gestaltet.

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