VonSilke Reinbold-Jandretzkischließen
Murnaus Politik droht eine etablierte Kraft der bürgerlichen Mitte zu verlieren: Vieles deutet darauf hin, dass die Gruppierung Mehr Bewegen bei den Kommunalwahlen im März 2026 nicht mehr antreten wird. Phillip Zoepf, Kopf von Fraktion und Verein, kündigt an, sich komplett aus der Politik zurückzuziehen.
Murnau – Er zählt zu den prägenden Mitgliedern dieses Gemeinderats – und zu jenen, die das Vertrauen großer Teile der Bevölkerung genießen. Das zeigte sich bei der Wahl 2020. Phillip Zoepf (Mehr Bewegen) holte die drittmeisten Stimmen des gesamten Gremiums. Und als einer von fünf Bewerbern um den Posten des Murnauer Bürgermeisters schaffte er es in die Stichwahl. Für den ganz großen Wurf reichte es damals nicht, wohl aber für einen Achtungserfolg: Mit rund 43 Prozent der Stimmen unterlag er Amtsinhaber Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), nahm das Ergebnis hin und setzte seine Arbeit im Gemeinderat ohne Gram fort.
Murnauer Gemeinderat: Zoepf will sich „aus der Politik zurückziehen“
Am 8. März 2026 wird in Murnau wie im Rest Bayerns wieder ein Bürgermeister gewählt. Zoepf will dann nicht mehr als die Rolle des interessierten Beobachters einnehmen. Der 52-Jährige, seit 2014 im Gemeinderat, macht komplett Schluss: „Ich werde mich aus der Politik zurückziehen“, sagt Zoepf am Montag im Tagblatt-Gespräch; die Fraktionskollegen wissen seit längerem Bescheid.
Kommunalwahlen ohne Mehr Bewegen stehen im Raum
Ein Schritt, der weitreichende Konsequenzen haben könnte für seine Gruppierung. Zoepf ist ihr Spiritus Rector: Kopf und treibende Kraft von Mehr Bewegen. Es werde interne Gespräche geben, sagt Zoepf, „aber es liegt im Bereich des Möglichen, dass Mehr Bewegen zu den Kommunalwahlen nicht mehr antritt“. Die Gruppierung, die sich auf die Fahnen geschrieben hatte, „verkrustete Strukturen aufzubrechen“ und sich in ihrer Anfangszeit unter anderem für eine Umgestaltung der Murnauer Bucht starkmachte, hatte Wahlen stets mit einem Tandem an der Spitze bestritten. 2014 waren Zoepf und Alexander Weinhart, zwei Funktionäre des TSV Murnau, die 2013 die parteifreie Bürgerliste aufgegleist hatten, als Zugpferde angetreten und hatten mit ihrer Gruppierung drei Mandate errungen. Weinhart zog sich 2017 aus beruflichen und familiären Gründen aus dem Gemeinderat zurück, Zoepf übernahm den Fraktionsvorsitz. 2020 ging er an der Seite von Franz Fischer in die Wahl, der sein Mandat 2021 niederlegen musste, weil ein Umzug anstand. Zoepf vertritt die Meinung: „Wenn nicht zwei vorneweg gehen und die anderen mitreißen, wird es unheimlich schwer. Allein ist das ein Himmelfahrtskommando. Man muss sehen, ob es tatsächlich noch mal so ein Tandem gibt.“ Leise Zweifel sind nicht zu überhören.
Fraktion mit vier Mitgliedern im Gemeinderat vertreten
Zoepf, ein kluger Kopf, der für durchdachte, bodenständige und an den Realitäten orientierte Politik steht, bildet aktuell mit Wolfgang Köglmayr, Dr. Elisabeth Tworek und Reiner Oppelt eine vierköpfige, bürgerlich-konservative Fraktion der Mitte. „Murnau verträgt auch eine parteifreie Bürgerliste“, sagt Zoepf. Nun aber könnte durch den Abgang des Kapitäns das ganze Projekt infrage stehen. Der Vereins- und Fraktions-Chef findet, dass für ihn der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Zwölf Jahre seien ein langer Abschnitt, meint Zoepf. Es sei nicht so, dass er ausgebrannt oder irgendwie unzufrieden ist. „Aber Politik lebt vom Wandel. Ich habe mich entschieden, nicht mehr anzutreten, und ich gehe nicht im Groll.“ Er blicke auf „super Jahre“ zurück, die intensiv gewesen seien, aus denen er unfassbar viel mitgenommen habe.
Phillip Zoepf wird nach der Politik „vielleicht etwas anderes machen“
Ein gutes Jahr im Gemeinderat liegt noch vor Phillip Zoepf. Im Mai 2026 endet die Wahlperiode und mit ihr erst einmal seine politische Laufbahn. „Vielleicht“, sagt der Familienvater, „werde ich dann etwas anderes machen.“
