Um den Erholungsdruck an der Isar und die damit einhergehenden Probleme ging es bei einer Exkursion.
Lenggries/Bad Tölz – Zu einem Gespräch in der Natur über die Natur haben sich am Wochenende Aktive des Tölzer Alpenvereins, der Kreisgruppe des Bund Naturschutz, der Bergwacht und der Naturschutzwacht bei einer Exkursion an der Isar südlich von Wegscheid getroffen. Vorausgegangen war am Vorabend ein gut besuchter Fachvortrag mit Diskussion in Bad Tölz über die Probleme an der Isar: den Erholungsdruck generell und das Betreten der von Bodenbrütern bewohnten Kiesbänke und die Verbuschungs-Problematik im Besonderen.
„Der Mensch nimmt der Isar sehr viel weg“, stellte Referentin Isabelle Auer fest– und dafür bekam man am Zusammenfluss von Jachen und Isar sogleich den besten Anschauungsunterricht: Man traf auf Feuerstellen – und auf zwei Fischer, die ihren Hund unangeleint laufen ließen, obwohl jeder wissen sollte, dass stöbernde Hunde den Fortbestand von stark bedrohten Bodenbrütern wie Flussuferläufern und Regenpfeifern existentiell bedrohen.
„Die Natur wird konsumiert, aber nicht verstanden“
„Die Natur wird konsumiert, aber nicht verstanden“, sagte zu so viel Respektlosigkeit ein Teilnehmer. Dabei war sich die Runde der 15 Interessierten absolut einig, dass man die Menschen nicht aus der Natur aussperren sollte. Vielmehr gelte es, auf ihr Verständnis zu setzen und ihr Wissen über die Natur zu verbessern.
Um dieses Ziel zu erreichen, setzt Isabelle Auer auf mehr Information anstelle von Verboten und Strafen. Richard Hoch (Naturschutzwacht) ist das zu wenig: Er sprach sich dafür aus, „weite Bereiche an der Isar für Erholungssuchende zugänglich zu lassen, aber besonders schützenswerte Bereiche rigoros zu sperren, notfalls auch mit Einzäunungen“. Gravierende Verstöße müssten außerdem strenger und wirksamer geahndet werden, forderte Hoch: „In Amerika werden dafür sogar Autos beschlagnahmt, und es drohen Haftstrafen.“
Gefordert wurde eine intelligentere Besucherlenkung: Weil Erholungssuchende meistens nur dort auftauchen, wo es bis zum nächsten Parkplatz nicht weit ist, schlug Richard Hoch vor, einige Parkplätze an der oberen Isar zu schließen, wo die Natur besonders wertvoll und bedroht ist. Norbert Weinhuber (Bergwacht) brachte eine uralte Idee neu ins Gespräch, größere Parkplätze einzurichten, von denen aus man nur mit Shuttle-Bussen weiter in die Natur vordringen könne. Solche Überlegungen gab es einmal für die Eng, die jedoch von Lenggrieser Seite abgeblockt wurden.
Der größte Teil der früheren Hochwasser-Schwemmgebiete an der Isar ist nach dem Bau des Sylvensteinspeichers von der Landkarte verschwunden: Aus den riesigen Kiesbänken von einst sind zunächst Schneeheiden geworden, aus diesen in der Folge Wald und landwirtschaftlich genutzte Flächen.
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Franz Mettal (Naturschutzreferent der Tölzer Alpenvereins-Sektion) wies bei der Exkursion auf die verschiedenen Stadien dieses Prozesses hin, der von einem Artenschwund begleitet wird und unumkehrbar sei: „Ohne ihr Geschiebe gräbt sich die Isar immer tiefer in den Untergrund. Dadurch sackt der Grundwasserspiegel immer weiter ab.“ Dieses und der Nährstoffmangel entzögen vielen Pflanzen ihre Lebensgrundlage, weil der neue Wald an der Isar „kein Auwald, sondern ein Landwald mit wenig Licht am Boden“ sei.
Wie lässt sich retten, was noch zu retten ist? Isabelle Auer ermutigte die im Naturschutz aktiven Gruppen dazu, noch viel stärker in die Öffentlichkeit zu gehen und die Menschen über die Presse zu informieren.
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