VonJulian Baumeisterschließen
Termine bei Fachärzten sind heiß begehrt, die Wartezeiten oftmals ewig lang. Während es in einigen Regionen auch daran liegt, dass es zu wenig Ärzte gibt, scheint es dieses Problem in Rosenheim nicht zu geben. Wie viele Ärzte es pro Fachrichtung im Landkreis gibt – und warum bald Sorgen drohen.
Rosenheim – Auf den Anruf bei einem Facharzt folgt schon mal die Ernüchterung. Wer mit Knieschmerzen zum Orthopäden muss, sein Muttermal von einem Hautarzt überprüfen lassen will oder psychologische Hilfe braucht, der muss manchmal wochenlang auf einen Termin warten. An der Anzahl der im Landkreis Rosenheim niedergelassenen Ärzte scheinen die zum Teil langen Wartezeiten allerdings nicht zu liegen.
Landkreis Rosenheim momentan gut versorgt mit Fachärzten
Denn niedergelassene Ärzte – unabhängig von ihrem Spezialgebiet – gibt es in der Region genug. Das verraten zumindest die Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB). Diese veröffentlicht regelmäßig im „Versorgungsatlas“ die Lage bei den Fachärzten.
Das Ergebnis für Rosenheim: In allen verglichenen Fachbereichen liegt der Versorgungsgrad – Verhältnis der benötigten Anzahl an Ärzten gemessen an der Einwohnerzahl – über 100 Prozent. Ab dieser Zahl gilt der Bedarf an Ärzten pro Fachrichtung als gedeckt. Ab 110 Prozent zählt die Region sogar als überversorgt. Und bei vielen Spezialisten befindet sich der Landkreis Rosenheim deutlich über dieser Marke.
Beste Quote bei den Orthopäden und Chirurgen
Spitzenreiter beim Versorgungsgrad sind die Orthopäden und Chirurgen mit 194 Prozent. Oder anders gesagt: 69 Mediziner dieser Fachrichtung – 23 Chirurgen, 46 Orthopäden – haben sich im Landkreis niedergelassen. Die meisten davon direkt in Rosenheim, gefolgt von Bad Aibling und Prien sowie Aschau. Der Großteil der Orthopäden und Chirurgen ist zudem männlich – 58 Ärzte und elf Ärztinnen.
Ähnlich gut aufgestellt ist die Region bei den Hautärzten. Auf die rund 333.000 Einwohner kommen 16 Mediziner. Was zunächst nicht nach viel klingt, soll der KVB zufolge allerdings ausreichen. Schließlich ergebe das einen Versorgungsgrad von rund 170 Prozent. Dicht dahinter folgen die Psychotherapeuten mit knapp 167 Prozent. Die 171 Mediziner im Landkreis verteilen sich auf ärztliche, psychologische sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Auffällig ist: Vergleichsweise viele Psychotherapeuten haben sich auch in kleineren Gemeinden niedergelassen. Im Gegensatz zu den Hautärzten ist der Großteil der Psychotherapeuten zudem weiblich – 126 Ärztinnen und 45 Ärzte.
Manchmal längere Anfahrtswege zu den Spezialisten
Auch bei den Nervenärzten – unter anderem Neurologen und Psychiater – liegt der Versorgungsgrad bei fast 160 Prozent. Insgesamt 31 Mediziner sind im Landkreis Rosenheim für die Fachrichtung zu finden. Dahinter folgen die Urologen – 16 Ärzte und 155 Prozent –, die HNO-Ärzte – 17 und 146 Prozent – und 45 Frauenärzte mit einem Versorgungsgrad von 131 Prozent. Am „niedrigsten“ ist der Versorgungsgrad bei den 31 Augenärzten mit 117 Prozent und bei den 39 Kinder- und Jugendärzten mit 114 Prozent. Dennoch: Auch hier ist der Versorgungslage im Landkreis Rosenheim überdurchschnittlich gut. Zudem gibt es in der Region 53 Internisten – zum Beispiel Kardiologen, Nephrologen oder Pneumologen – und 18 Radiologen.
Trotz der guten Versorgungslage gibt es auch ein kleines Aber: Die Verteilung der Mediziner auf den Landkreis und die damit verbunden Anfahrtswege. Der Großteil der Fachärzte hat seine Praxis in Rosenheim – oder in den größeren Städten des Landkreises wie Bad Aibling, Wasserburg oder Prien am Chiemsee. So fallen 14 der 16 Hautärzte auf diese Orte, allein die Hälfte arbeitet in Rosenheim.
Altersdurchschnitt trübt das gute Bild
Ähnlich ist es bei den HNO-Ärzten, bei denen neun von 17 Mediziner in der Stadt zu finden sind. Nur zwei der Ärzte haben ihre Praxis hingegen in kleineren Gemeinden. Heißt auch: Wer in Kiefersfelden wohnt und nicht gerade beim HNO-Arzt in Raubling einen Termin bekommt, muss mindestens bis nach Rosenheim für die Untersuchung der Mandelentzündung fahren. Auch bei den Frauenärzten müssen zum Teil weitere Wege in Kauf genommen werden, rund die Hälfte befindet sich in Rosenheim. Bei den Kinder- und Jugendärzten ist die Verteilung hingegen gleichmäßiger – nur 14 von 39 sind in Rosenheim, der Rest verteilt sich über den Landkreis.
Ein weiterer Punkt, der die momentane gute Versorgungslage trübt: der Altersdurchschnitt der Mediziner in vielen Fachrichtungen. Auch das geht aus den Daten der KVB hervor. So ist zum Beispiel über die Hälfte aller Nervenärzte in der Region über 55 Jahre alt, rund 32 Prozent hat das 60. Lebensjahr überschritten. Unter zehn Prozent der überwiegend männlichen Ärzte sind jünger als 45 Jahre.
Augenärzte und Frauenärzte mit am „jüngsten“
Nachwuchssorgen gibt es auch bei Psychotherapeuten. 40 Prozent der Mediziner ist älter als 60 Jahre, im Durchschnitt sind die Ärzte in diesem Fachbereich im Landkreis Rosenheim 55,3 Jahre alt. Rund 20 Prozent sind dabei jünger als 45 Jahre. Bei den Kinder- und Jugendärzten sind sogar nur 15 Prozent in dieser Altersklasse. 14 der 39 Mediziner sind wiederum 60 Jahre oder älter.
Die Mediziner der anderen Fachrichtungen wie Orthopäden, Haut- und HNO-Ärzte oder auch Frauenärzte haben der KVB zufolge einen Altersdurchschnitt von 53 Jahren. Bei den Gynäkologen sind allerdings auch rund 27 Prozent jünger als 45 – die prozentual gesehen am stärksten vertretene Altersklasse. Auch bei den Augenärzten, die mit einem Durchschnittsalter von 50,5 Jahren zu den „jüngsten“ zählen, sind die unter 45-Jährigen in der Überzahl. Nur sechs Ärzte sind bei den Augenspezialisten älter als 60 Jahre.
Versorgungslage könnte sich verändern
Dennoch lässt sich aus der Altersstruktur der Fachärzte in der Region herauslesen: Wenn die geburtenstarken Jahrgänge in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen, könnte sich die Versorgungslage im Landkreis verändern. Und womöglich schlechter werden – sofern kein Nachwuchs nachkommt.


