VonAndreas Steppanschließen
Die Zahl der Anmeldungen übertrifft schon jetzt die Erwartungen: Experten werden kommende Woche zum brennenden Thema Wohnungsnot debattieren. Nur von einer Seite war die Rückmeldung für die Initiatoren enttäuschend.
Bad Tölz – Die Wohnungsnot ist eines der drängendsten Probleme unserer Zeit. Das Thema steht am Dienstag, 12. März, im Mittelpunkt einer Fachtagung für die Planungsregion 17 (Kreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach, Weilheim-Schongau, Landsberg am Lech und Garmisch-Partenkirchen), zu der der „Arbeitskreis Wohnen+“ unter Federführung der Arbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe München und Oberbayern ins Tölzer Landratsamt einlädt. Das Interesse übertrifft schon jetzt die Erwartungen.
„Mit den bisher angemeldeten 120 Personen werden wir den großen Sitzungssaal auf alle Fälle voll machen“, freut sich Jörn Scheuermann, Geschäftsführer der Wohnungslosenhilfe. Wenn es nach ihm geht, dürfen aber ruhig noch mehr kommen. „Wenn bei so einer Veranstaltung Menschen stehen müssen, wäre das ein dringender Hinweis an die Politik, dass sich die Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau ändern müssen.“
Scheuermann betont, dass die Krise auf dem Wohnungsmarkt laut Experten die größte ihrer Art seit 1949 sei – „vor allem vor dem Hintergrund der dramatisch steigenden Zahlen wohnungsloser Menschen“, wie er sagt. Der Mietwohnungsmarkt der Metropolregion München stehe repräsentativ für die strukturstarken Regionen Deutschlands. Die Stadt München selbst sei dabei nicht zu trennen von der Region zwischen Augsburg und Rosenheim, Ingolstadt und Garmisch-Partenkirchen.
Nur von Seiten der Landespolitik gab‘s wenig Resonanz auf Tagung „Leistbaren Wohnraum schaffen“
Deswegen freut es Scheuermann besonders, dass sich etliche Bürgermeister und zuständige Mitarbeiter der kommunalen Verwaltungen aus dem ganzen Oberland angekündigt haben. Weniger Zuspruch gab es laut Scheuermann von Seiten der Landespolitik. Das bayerische Bauministerium lasse sich durch die Regierung von Oberbayern vertreten, und von den eingeladenen Landtagsfraktionen habe – bei auf eine einzelne FW-Abgeordnete, die absagte – überhaupt nur die CSU reagiert und sei nun mit dem Stimmkreisabgeordneten Martin Bachhuber aus Bad Heilbrunn vertreten.
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Landrat Josef Niedermaier, Bezirkstagspräsident Josef Mederle und Geretsrieds Bürgermeister Michael Müller werden Grußworte sprechen. Danach gibt es Vorträge mit Praxisbeispielen, wie es privaten und öffentlich-rechtlichen Bauträgern gelungen ist, bezahlbare Wohnungen zu errichten. Am Nachmittag steht dann eine Podiumsdiskussion auf dem Programm.
„Auf der einen Seite soll von der Veranstaltung ein Impuls ausgehen, welche gesetzlichen Rahmenbedingungen sich verändern müssen“, sagt Scheuermann und nennt dabei die Stichworte „Vereinfachung und Entbürokratisierung des Baurechts“. Zum anderen wäre ihm wichtig, dass die Politik der „Spekulation mit Grund und Boden“ entgegenwirkt. „Im Grundgesetz steht nicht, dass die Renditeerwartung unantastbar ist, sondern die Menschenwürde“, sagt er. Dazu gehöre, dass sich Menschen ein Dach über dem Kopf leisten können – auch wenn sie im großen Niedriglohnsektor arbeiten, den es hierzulande gibt.
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Die Kommunen brauchen Schiermanns Überzeugung nach einen größeren „Instrumentenkasten“, um je nach örtlichen Gegebenheiten Anstöße zur Schaffung günstiger Wohnungen zu geben. Mit der Grundstückbesteuerung hätten Städte und Gemeinden die Möglichkeit, an einem „großen Rädchen“ zu drehen, um Einfluss auf die Mietpreise zu nehmen.
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Vor allem aber sei ein Umdenken hin zu mehr Miteinander nötig. „Um Umland gibt es oft noch die Position: ,Wir bauen nicht, denn sonst kommen die ganzen Münchner zu uns‘“, so Scheuermann. Doch die Interessen von Stadt und Land seien nicht zu trennen.
Die Fachtagung
„Leistbaren Wohnraum schaffen“ am Dienstag, 12. März, im Tölzer Landratsamt beginnt um 10 Uhr (9 Uhr: Ankommen und Frühstück) und dauert bis 14 Uhr. Anmeldung per E-Mail an reiter@wohnungslosenhilfe-muenchen.de. Die Teilnahme ist kostenlos, Spenden werden gerne entgegengenommen.
