VonEva Straußschließen
Mundschutz mit Bärchen und Blümchen: Eine Maisacherin fertigt seit einigen Tagen Mundschutzmasken in Handarbeit. Unterstützt wird sie von ihrer Familie und zahlreichen Hobbynäherinnen. Die Nachfrage von Arztpraxen, Nachbarschaftshilfen, Pflegediensten, Firmen und Risiko-Patienten ist enorm – auch außerhalb des Landkreises.
Maisach – Schlafen, essen, nähen, schlafen – und zwischendurch Schulaufgaben mit der großen Tochter machen: So sieht gerade der Alltag von Nicole Kölnsperger aus. Gemeinsam mit ihrer Familie produziert die 32-Jährige Mundschutzmasken am laufenden Band. Unterstützt wird sie dabei von Hobbynäherinnen im ganzen Landkreis. „Seit Sonntag haben wir über 800 Masken gemacht“, berichtet Nicole Kölnsperger.
Eigentlich näht die Maisacherin Mützen, Hosen, Taschen und vieles mehr. Diese individuellen Sachen verkauft sie dann in ihrem Laden, dem „Rotblonden Faden“ in Maisach. Doch das war vor Corona. Jetzt sitzt sie mit ihren Töchtern am Esstisch und näht die allerorten dringend benötigten Masken. Und das geht so: Nicole Kölnsperger und Romina (9) sind an der Nähmaschine, Elena (5) schneidet die Gummibänder zurecht – und abends, nach der Arbeit, hilft auch noch Papa Markus mit. Er schneidet Stoff zu.
Riesige Nachfrage
Doch die Nachfrage in Zeiten von Corona ist riesig. „Wir haben Anfragen von Arztpraxen, Nachbarschaftshilfe, Pflegediensten und Apotheken“, berichtet Nicole Kölnsperger. Darüber hinaus seien die Masken auch bei Krebspatienten begehrt. „Die müssen ja weiterhin raus, wenn sie zur Chemo müssen.“ Produziert wird auch für das Münchner Klinikum Dritter Orden sowie Seniorenheime. Und Firmen sind ebenfalls auf den Mundschutz aufmerksam geworden. Unter anderem haben Optik Walter und der Containerdienst Huber welche für ihre Mitarbeiter bestellt.
Um die große Nachfrage bewältigen zu können, hat sich die Maisacherin Hilfe via Facebook und Whatsapp gesucht. Dass sich aber so viele Leute melden würden, das hätte sie nicht gedacht. „Es ist überwältigend. Wir sind total platt.“
Mittlerweile stehen vor dem „Rotblonden Faden“ drei Kisten: eine mit Stoffen, eine mit Nähgarn und eine mit Gummibändern sowie Schrägband (das braucht man zum Binden des Mundschutzes). Nicole Kölnsperger befüllt sie, die Näherinnen holen sich das Material. Etliche legen auch Stoffe hinein „Viele haben alte Bettwäsche, Tischdecken oder Vorhänge zuhause“, sagt die 32-Jährige. Wählerisch kann man in diesen Tagen nicht sein: Aus so gut wie allen Baumwollstoffen werden Masken gemacht.
Die Idee, Mundschutz zu nähen, kam der Maisacherin aus der Not heraus. Auch ihr sind viele Aufträge weggebrochen. „Und bevor wir gar nichts tun, helfen wir“, sagt die 32-Jährige. Zudem seien sie und ihre Familie selbst in Quarantäne gewesen. „Da haben wir so unglaublich viel Hilfe erfahren. Wir wollen nun etwas zurückgeben.“
Gesagt, getan. Über Facebook und YouTube haben sie sich Anleitungen angeschaut – und am Samstag vor einer Woche wurden die ersten Prototypen genäht. Am Sonntag stieg man in die Serienproduktion ein. Mittlerweile verschickt die Familie Kölnsperger die Masken im ganzen Landkreis.
Klar, die genähten Masken sind natürlich kein Schutz nach medizinischen Standards, das weiß die Maisacherin. „Aber sie sind besser als nichts.“ Das habe auch eine befreundete Krankenschwester gesagt, die welche getestet habe.
Schöner Nebeneffekt
Und die Masken haben auch einen netten Nebeneffekt: Sie sehen deutlich schöner aus als die normalen weißen. Schließlich zieren sie Blümchen, Streifen, Bärchen und vieles mehr. „Ich habe gerade sogar eine bayerische genäht“, erzählt Nicole Kölnsperger und lacht.
Verdienen mit dem Mundschutz tut die Maisacherin nichts – und das will sie auch überhaupt nicht. Trotzdem geben die Menschen Geld, und auch die Firmen. Das wird aber gleich wieder in Material investiert, das in die Kisten kommt.
Zudem liegen auch immer etliche Masken drin, die sich die Leute einfach mitnehmen können. Und auch hier ist der Ansturm gewaltig. „Am Montag haben wir um 9.45 Uhr 60 Stück reingelegt, zehn Minuten waren alle weg“, erzählt Nicole Kölnsperger. Um dem Hamstern entgegenzuwirken, will sie nun weniger Masken in die Kiste legen.
Weniger produziert wird in der nächsten Zeit aber natürlich nicht. „Wir haben Spaß an der Arbeit, und wir sind beschäftigt. Wir machen auf jeden Fall weiter.“
So kann man helfen
Wer mithelfen möchte – sei es nähen oder auch nur zuschneiden –, kann sich an Nicole Kölnsperger über die Facebook-Seite des „Rotblonden Fadens“ wenden. Das ist auch der Weg für diejenigen, die Mundschutz benötigen. Material wird immer gesucht. „Zwar nicht unbedingt Stoff, aber Gummibänder und Schrägbänder“, so die Maisacherin. Die seien überall ausverkauft. Wer etwas spenden möchte, kann es in die Kisten legen. Diese stehen jeden Tag von 9 bis 20 Uhr vor dem „Rotblonden Faden“ an Estinger Straße 2 in Maisach.
