VonAndreas Seilerschließen
Ein Familienausflug mit dem Tretboot auf dem Eibsee endete am Samstag (5. Juli) in einem Unglück: Ein sechsjähriger Bub fiel ins Wasser, sein 33-jähriger Vater sprang hinterher – beide tauchten nicht mehr auf. Eine großangelegte Suchaktion mit Hubschraubern, Tauchern und speziellem Sonar blieb bisher ohne Erfolg.
Es sollte am Samstag ein harmloser Ausflug mit dem Tretboot auf dem Eibsee werden. Doch die Fahrt endete für eine vierköpfige Familie aus dem Landkreis Haßberge in Unterfranken in einer Tragödie. Wie das Polizeipräsidium Oberbayern Süd berichtet, fiel ein sechsjähriger Bub in den See. Sein 33-jähriger Vater sprang hinterher, um ihn zu retten. Beide gingen unter und tauchten nicht mehr auf. Eine großangelegte und aufwändige Suchaktion, bei der mehrere Hubschrauber und etliche Taucher zum Einsatz kamen, blieb bislang erfolglos. Rettungskräfte gehen davon aus, dass Vater und Sohn nicht mehr leben. Mit im Boot waren die 34-jährige Mutter und die vierjährige Tochter, die hilflos zusehen mussten. Beide werden medizinisch betreut.
Es müssen dramatische Szenen gewesen sein, die sich am Samstag bei hochsommerlichen Temperaturen gegen 11 Uhr in der Mitte des beliebten Badesees am Fuße des Zugspitzmassivs abspielten. Wie es genau zu dem Unglück kam, ist nicht klar. Die Kripo Weilheim hat die Ermittlungen übernommen. Ein Fremdverschulden wird derzeit ausgeschlossen. Der Fall wirft viele Fragen auf – und bietet Raum für Spekulationen. War der Mann möglicherweise ein Nichtschwimmer? Zogen ihn die nassen Kleidungsstücke nach unten? Oder spielten Panik oder gesundheitliche Probleme eine Rolle?
Suchaktion mit Hubschraubern und Tauchern
Fest steht: Die Rettungskette funktionierte perfekt. Bereits drei Minuten nach der Alarmierung – Zeugen hatten offenbar die Geschehnisse an dem Tretboot beobachtet – waren bereits die ersten Kräfte der Wasserwacht Grainau mit einem Taucher an der Unglücksstelle. Es folgte eine stundenlange Suchaktion bis in den Abend, an der sich ein Großaufgebot an Helfern beteiligte, darunter allein rund 50 Kräfte der Wasserwachten aus dem Landkreis und Umgebung. Gezählt wurden unter anderem vier Hubschrauber, die die Wasseroberfläche absuchten, und 13 Taucher verschiedener Organisationen, die nach einem koordinierten Schema vorgingen. Hinzu kamen weitere Kräfte der Polizei, der Feuerwehr, des Rettungsdienstes und des Kriseninterventionsdienstes. Auch wurde technisches Spezialgerät eingesetzt, etwa Sonar. Am Sonntag ging die Aktion weiter. Doch bislang fehlt von den Vermissten jede Spur. Es muss davon ausgegangen werden, dass sie ertrunken sind. Die Überlebenschancen unter Wasser sind bereits nach wenigen Minuten gering. Und es gab auch keine Beobachtungen, dass sie sich ans Ufer retten konnten.
Vater und Sohn gerieten, wie zu erfahren war, an der tiefsten Stelle des Eibsees unter Wasser – gut hundert Meter vom Ufer entfernt. Dort sind es um die 33 Meter bis zum Grund. Die Sicht für Taucher gilt in dem klaren Wasser zwar als recht gut, reicht etwa drei bis fünf Meter weit. Allerdings können Strömungen einen Körper sehr schnell forttragen. „Man sucht die Nadel im Heuhaufen“, sagt Jörg Jovy, Pressesprecher des BRK-Kreisverbandes. „Das ist schwierig.“
Zweiter Badeunfall in kurzer Zeit
Es ist der zweite tragische Badeunfall, der sich innerhalb kürzester Zeit im Landkreis zugetragen hat. Wie berichtet, schaffte es vor rund zwei Wochen auf dem Staffelsee ein 79-jähriger Münchner nicht mehr zurück ins Tretboot und ging unter – vor den Augen seiner Frau, die vergeblich versucht hatte, ihn zu halten.

