Die Besucherzahl im Gautinger Sommerbad lag dieses Jahr fast auf dem Niveau der Vor-Corona-Zeit. Die Gemeinde muss aber ins Bad investieren.
Gauting – „Das gute Wetter spielte uns in die Hände“: Der für das Gautinger Sommerbad zuständige Rathausmitarbeiter Christian Ruhdorfer präsentierte im Haupt- und Finanzausschuss am Dienstagabend die Bilanz zum Saison-Ergebnis 2022. So ist die Besucherzahl gestiegen. Allerdings seien auch die Ausgaben für Betriebsmittel gestiegen, auf mehr als eine Viertelmillion Euro, rechnete Ruhdorfer vor. Zudem seien Investitionen fällig: 130 000 Euro koste allein die Sanierung des lecken Bitumen-Flachdachs über der Warmumkleide. Positiv sei, dass der Stromvertrag „bis 2023 fix ist“.
Mehr Öffnungstage, persönliche Ansprechpartner an der Kasse, aber auch das trockene Sonnenwetter bescherten dem Freibad mehr Besucher. Nach 45 000 Besuchern im Vorjahr waren es heuer 53 448 Badegäste – im Corona-Jahr 2020 waren es nur knapp 17 000 gewesen, im Jahr davor rund 58 200. Die Schwimmkurse mit Monika Bezdek vom Eltern-Kind-Programm, von Antje Feser, Abteilungsleiterin des Gautinger Sportclubs, und von Trainer Steffen Pilz waren komplett ausgebucht, freute sich der Rathausmitarbeiter über 845 Teilnehmer. Die Ausgaben, etwa für knappe Betriebsmittel wie Chlorzusatz und den heuer für 33 000 Euro neu eingebauten Lift, schnellten von rund 209 000 auf 252 000 Euro hoch.
Hohe Investitionen im Gautinger Sommerbad
Rund 19 000 Euro kostet die Energie fürs Freibad. Gas schlage mit 15 000 Euro zu Buche – und sei bereits abgedreht. Neben der notwendigen Sanierung des Bitumen-Flachdachs über der Warmumkleide – dort regne es hinein –, sei auch die Gasheizung, „die heuer noch gelaufen ist“, am Ende, erklärte Ruhdorfer. Deren Erneuerung sei schon früher mit 60 000 Euro beziffert worden. Eine Fotovoltaikanlage für die Stromerzeugung koste weitere 120 000 Euro, erläuterte der Fachmann. Ein Architekt habe nach einem Ortstermin vorgeschlagen, Kollektoren direkt auf der Flachdach-Terrasse zu installieren. Dieser Bereich, in dem Eiswagen und Schachspiel stehen, sei durchweg sonnig und werde nur von wenigen Badegästen frequentiert. Ein Komplettumbau der Terrasse mit ausgebauter Wärmepumpe und beseitigter Gasheizung nebst Aufgrabungen schätze der Architekt auf 400 000 Euro.
„Mit wem planen Sie die Heizungssituation und warum kommt Solarthermie nicht in Frage?“, hakte Jens Rindermann (Grüne) nach. Eigentlich sei das Sommerbad dafür ja „prädestiniert“. Er wolle keine Namen nennen, erklärte Ruhdorfer, aber der Architekt von einer Fachfirma habe von Sonnenkollektoren für Heizung und Warmwasser abgeraten, „weil die im Winter Wärme erzeugen, die wir nicht brauchen“. Diese Argumentation konnte Rindermann nicht nachvollziehen, „denn ich nutze selber Solarthermie“. Der Grünen-Gemeinderat forderte deshalb, dass die Energieversorgung des Freibads mit Varianten zur CO2-Einsparung nebst Preisen und einem Experten-Vortrag auf die Tagesordnung kommt. „Das machen wir gern“, versicherte Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger.
Christine Cless-Wesle