Milliardenschwere Investitionen der neuen Bundesregierung

Kirchliche Feiertage auf dem Prüfstand: Tradition gegen Wirtschaftlichkeit

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Um die milliardenschweren Investitionen der neuen Bundesregierung zu finanzieren, schlagen Ökonomen vor, einen Feiertag zu streichen. Im Landkreis gehen die Meinungen dazu auseinander.

„Ich bin gegen die Abschaffung eines Feiertags“, sagt der Gaißacher Bürgermeister Stefan Fadinger, zugleich Sprecher der Bürgermeister im Landkreis. Feiertage seien Bestandteil der christlichen Kultur und hätten eine lange Tradition. „Dass noch heute der Wegfall von früheren Feiertagen vermisst wird, zeigt sich zum Beispiel immer wieder an Josefi“, sagt er und kommt dann auf den ebenfalls abgeschafften Buß- und Bettag zu sprechen. An diesem Tag ist in Bayern schulfrei. „Diese Variante hat sich überhaupt nicht bewährt, weil die Eltern ein Betreuungsproblem haben.“ Solch eine „Lösung“ dürfe es nicht mehr geben, meint Fadinger. Generell hätten sich die Bundespolitiker „vorher überlegen sollen, wie sie das Sondervermögen finanzieren“.

„Tradition schafft Identifikation“

In kirchlichen Kreisen sind die Befragten unisono gegen die Streichung eines Feiertags. „Das ist im Grunde eine Arbeitszeitverlängerung, die Ärger hervorruft und damit den wirtschaftlichen Vorteil eher infrage stellt“, sagt die Ordensfrau Schwester Josefa Thusbaß, Provinzökonomin der Missionsdominikanerinnen in Schlehdorf. „Die kirchlichen Feiertage haben ihren Ursprung in den besonderen Ereignissen, in denen sich Gott dem Menschen immer wieder zuwendet. Sie sind ein Sinnbild dafür, dass der Mensch ein Beschenkter ist und dass er in Freude leben soll.“ Man dürfe nicht vergessen, dass „Freude wirtschaftlich ein ganz erheblich positiver Faktor ist“.

Feiertage bieten uns die Gelegenheit, innezuhalten“

Diese Meinung teilt auch die evangelische Pfarrerin Cristina Burkert aus Kochel: „Würde man einen Feiertag streichen, so streicht man auch die Traditionen, die mit ihm einhergehen. Gemeinsame Traditionen verbinden aber die Menschen und schaffen Identifikation“, sagt sie. „Feiertage bieten uns außerdem die Gelegenheit, innezuhalten. Sie bieten die Chance, sich zu besinnen auf das, was mir wichtig ist im Leben. In einer immer schnelllebiger werdenden Zeit ist das extrem wichtig.“

Dejan für Diskussion über Tag der Deutschen Einheit

Ähnlich äußert sich der katholische Dekan Thomas Neuberger. Auch er verweist auf die „religiöse und gesellschaftliche Identität“: „Die Streichung stellt für mich nicht nur eine kalendarische Änderung dar, sondern einen symbolischen Akt, der die Möglichkeit nimmt, Werte zu leben und zu feiern, gerade in einer Zeit, in der wir regelmäßig über die Wichtigkeit von Werten reden.“ Und wenn schon ein Feiertag gestrichen werden sollte: „Niemand hat gesagt, dass es ein kirchlicher Tag sein muss. Wir haben ja noch den Tag der Deutschen Einheit.“

„Bedeutung der Kirche gesunken“

Auf Tradition und kulturelle Identität kommt auch der Schlehdorfer Schulleiter Manfred Ilitz zu sprechen. Die Realschule St. Immaculata wird vom Erzbistum getragen. „Die Abschaffung eines Feiertags würde uns die Möglichkeit nehmen, über diese Werte, die uns als Gemeinschaft verbinden, nachzudenken“, argumentiert Ilitz. Zudem würden sie die Gelegenheit einschränken, Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen. Soziale Bindungen tragen „maßgeblich zur Stabilität und Wohlbefinden unserer Gesellschaft bei“, sagt Ilitz.

Hohe Anzahl an kirchlichen Feiertage in Bayern

Karl Haider, Studiendirektor am Gymnasium in Icking, findet es hingegen legitim, aufgrund der hohen Anzahl der kirchlichen Feiertage in Bayern über eine Streichung zu diskutieren. „Die Bedeutung der Kirche in unserer Gesellschaft ist gesunken. Und unsere Volkswirtschaft muss ja finanziert werden.“ Aus Sicht der Schüler fände er eine Streichung aber problematisch, denn: „Feiertage sind Inseln.“

„Wirkung würde verpuffen“

Die Stimmen aus der Wirtschaft klingen etwas anders: „Wirtschaftlich würde die Streichung eines Feiertags schon Sinn machen“, sagt Andreas Strobl aus Münsing, neuer Obermeister der Schreiner㈠innung. Vermutlich würde die Wirkung aber verpuffen. Strobl kritisiert, dass bei Tarifverhandlungen oft gefordert werde, die Wochenarbeitszeit zu verkürzen und die Urlaubstage zu erhöhen. „Da sollte man mal ansetzen.“ Nicht festlegen möchte sich Renate Waßmer in ihrer Funktion als Vizepräsidentin der IHK. „Grundsätzlich kann man natürlich über eine mögliche Abschaffung eines Feiertags diskutieren“, sagt sie. „Aus unserer Sicht ist aber viel wichtiger, dass die Politik grundlegende und strukturelle Reformen beim Steuer-, Abgaben- und Transfersystem sowie bei der Staatsverwaltung und insbesondere bei der Bürokratie angeht.“

Milliardenschwere Investitionen plant die neue Bundesregierung. Diskutiert wird, ob deshalb ein Feiertag abgeschafft werden soll.

Rubriklistenbild: © Martin Schutt

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