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Wer sich in und um München umhört, merkt es schon: Immer weniger Menschen reden bairisch. Ein Experte warnt nun vorm Aussterben der bairischen Sprache.
Feldkirchen – Den zunehmenden Verlust des bairischen Dialekts, vor allem in München sowie im gesamten S-Bahn-Bereich, beklagt Peter von Cube vom „Förderverein bairische Sprache und Dialekte“. Großeltern, aber vor allem auch Eltern, müssten dem bei ihren Kindern durch intensives „boarisches Gschmatz“ begegnen. Bei den Landfrauen des Landkreises, die ihn in Feldkirchen begrüßten, traf er damit auf offene Ohren und viel Zustimmung.
Peter von Cube begrüßte die Frauen mit „Jetzt war i do“. Dies sei ein höflicher Hinweis, dass er nun anwesend sei, Zeit habe, wenn man ihn brauche, stünde er bereit. Der Förderverein bairische Sprache wurde 1989 gegründet, er selbst, so von Cube, habe die Mitgliedsnummer 1000. „Heute sind wir fast 3000 und unser Ziel ist der Erhalt der bairischen Sprache, die leider keine Amtssprache ist, im Gegensatz etwa zum Plattdeutschen oder Letzebuergisch in Luxemburg.“ Das Problem sei vor allem im Großraum München, dass es so viele „Zuagroaste“ gibt, nur noch die Großeltern sprechen mit ihren Enkeln Bairisch, „aber sobald die in den Kindergarten oder spätestens in die Schule kommen, ist‘s damit vorbei. Lehrer und Erzieher bestehen auf Hochdeutsch.“
Experte warnt vorm Aussterben der bairischen Sprache: „In der Schule lernen sie es nicht“
Zur Identität jeder Volksgruppe gehöre aber deren Sprache. „Daher dürfen wir Bayern unseren bairischen Dialekt nicht aussterben lassen“, forderte von Cube. Hoch- oder Schriftdeutsch seien ebenso wichtig wie Fremdsprachen, zumal ja auch das Bairisch etwa mit französischen Worten durchsetzt sei: Bonbon, Blamage, kommod, malad oder Merci. „Doch wer Bairisch nicht bis zum zwölften Lebensjahr gelernt hat, der lernt es nie mehr. Daher müssen Großeltern und Eltern mit den kleinen Kindern boarisch schmatz’n – in der Schule lernen sie es nicht“, sagte von Cube.
Bairisch sei so schön und vielfältig: Angefangen von der fehlenden einfachen Vergangenheit „I bin kemma“ statt „ich kam“, den Gegensätzen wie „der is gscheid bled“ oder „der is schee greislich“, mehrfache Verneinungen in einem Satz, etwa bei „der hot no nie net koa Bier trunga“ oder nicht ins Hochdeutsche zu übersetzenden Begriffen, zum Beispiel „auf d’Nocht“ oder „so genga die Geng“. „Redet’s mit euren Kindern und Enkeln zu Hause bairisch! Und dann heißt das „Griaß di“ und nicht „Guten Tag“, die Farbe ist dann gackerlgelb und grosgrea. Nur so überlebt unser Dialekt“, appelliert er an die Landfrauen, meinte aber eigentlich alle in und um München.
Landfrauen-Aktionen
Kreisbäuerin Sonja Dirl machte in Feldkirchen auf Herausforderungen aufmerksam, mit denen sich die Landwirtschaft konfrontiert sieht. „In den Augen von vielen Gruppierungen sind ja sowieso wir Landwirte für den Klimawandel verantwortlich.“ Dabei müssten doch gerade die Landwirte selber extrem darunter leiden: Lange Trockenphasen, dann wieder extreme Niederschläge. „Wir in der Schotterebene hatten mit den Kiesböden noch Glück, aber es gab Kollegen, die konnten ihre Kartoffeln im Dezember ernten, weil vorher die Böden zu nass waren“, sagte Dirl. Doch sie wollte den Landfrauen auch Positives mitteilen: So gebe es auch heuer wieder die Aktion „Frühstück auf dem Bauernhof“, sie könne nur dazu aufrufen, mitzumachen, die Gespräche und Kontakte seien einfach toll. „Und erstmals seit 14 Jahren werden wir am 4. April in Unterföhring wieder einen Landfrauentag veranstalten. Das Programm kann sich wirklich sehen lassen“, so Dirl.
