Festrednerin Sabine Schindler beim Landfrauentag im Tölzer Kurhaus

„Die Kunst des Dialogs ist das Zuhören“

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Festrednerin Sabine Schindler (Mi.) bekam für ihren Vortrag großen Applaus. Kreisbäuerin Uschi Fiechtner (re.) und ihre Stellvertreterin Maria Urban (li.) freuten sich sehr über den Besuch ihrer Amtskollegin. Die Tölzerin hat es in die Oberpfalz verschlagen.
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Bäuerinnen aus dem ganzen Landkreis trafen sich am Mittwoch im Tölzer Kurhaus zum Landfrauentag. Gekommen waren auch zahlreiche Bürgermeister und Vertreter von Fachverbänden. Festrednerin war Sabine Schindler. Die Tölzerin ist Kreisbäuerin in Schwandorf in der Oberpfalz. Sie sprach darüber, wie das Zusammenleben der Generationen auf einem Hof gelingen kann.

Bad Tölz – Es war das erste Mal, dass die Veranstaltung im Südlandkreis nach der Schließung des Gaißacher „Jägerwirts“ im Tölzer Kurhaus stattfand. Und zum ersten Mal konnten sich Frauen mit Verkaufsständen beruflich präsentieren, im Angebot waren zum Beispiel selbstgemachter Schmuck, Taschen, Strickwaren, Schnaps und Liköre. Das kam gut an.

Der Landfrauentag stand heuer unter dem Motto „Im Dialog bleiben“. Kreisbäuerin Uschi Fiechtner spannte in ihrem Grußwort einen weiten Bogen und prangerte unter anderem die Verschwendung von Lebensmitteln an. Zudem kritisierte sie den Billig-Wahn der Verbraucher. Sie erinnerte aber auch daran, wie sich Frauen vor 100 Jahren das Wahlrecht erkämpft hatten, wie die Nazis das Rollenbild der Frau herabwürdigten und Frauen nach dem Krieg wieder engagiert begannen, für ihre Rechte und ihre Gleichstellung zu kämpfen.

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Mit Spannung und großer Aufmerksamkeit verfolgten die rund 200 Landfrauen anschließend die Rede von Sabine Schindler. Die 35-Jährige berichtete anfangs, wie es dazu kam, dass sie als Tölzerin ohne Bezug zur Landwirtschaft auf einen Bauernhof in der Oberpfalz einheiratete. „Ich habe Martin geheiratet – und seine Mama“, sagte sie zur allgemeinen Erheiterung, um damit auch gleich zum Veranstaltungsmotto „Im Dialog bleiben“ über zu gehen.

Hier ging Schindler, die in Benediktbeuern Sozialpädagogik studiert hat, dann fachmännisch und zugleich unterhaltend auf Kommunikationsmuster ein. Durch ihre offene und unbefangene Art wirkte sie auf der Bühne sehr sympathisch, und es war mucksmäuschenstill, als sie von persönlichen Erfahrungen auf ihrem Hof in Oed (Gemeinde Nittenau) berichtete. Als „Zuagroaste“ und „Neigschmeckte“ habe sie es im bäuerlichen Milieu nicht immer leicht gehabt, gestand die Tölzerin: „Ich musste oft mutig sein.“ Im Laufe der Jahre sei sie aber mit der Schwiegermutter „zu einem echten Dreamteam“ herangewachsen – weil beide Frauen gelernt hätten, sich gegenseitig zu respektieren. Dazu gehöre auch, die Lebensgeschichte der jeweils anderen wahrzunehmen, sagte Schindler. Ihre Schwiegermutter musste schon als 15-Jährige den Hof führen, bekam später drei Kinder und wurde früh Witwe. „Es war sie, die diesen Hof immer am Leben erhalten hat.“

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Schindler sprach auch darüber, wie wichtig Zeiteinteilung ist. Hier wurden in ihrer Familie „Rituale“ eingeführt, berichtete die zweifache Mutter: Zeitfenster jeden Morgen und jeden Abend, die Freiraum geben, den Tag zu planen, Arbeitsaufgaben zu besprechen oder die Kinder ins Bett zu bringen. Die Schindlers versuchen, so oft wie möglich abends eine Stunde Zeit gemeinsam als Ehepaar zu haben.

Zum Schluss ihrer Festrede kam sie auf Dialogformen zu sprechen. „Die große Kunst des Dialogs ist das Zuhören“, sagte die Sozialpädagogin und gestand: „Auch bei uns ist nicht immer alles friedlich, harmonisch und butterweich.“ Jeder Mensch habe „ein Packerl zu tragen – an Geschichten, Erfahrungen und natürlich auch genetisch“. Den anderen „gelten zu lassen“ sowie eine offene, wertschätzende und friedliche Atmosphäre seien die Basis für einen guten Dialog. Und: „Ein Dialog ist nur nützlich, wenn man offen und ehrlich miteinander redet.“

Für ihre Festrede gab’s anschließend großen Applaus und einen farbenfrohen Blumenstrauß von Kreisbäuerin Uschi Fiechtner: „Das war ein Vortrag für die Seele.“

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