Künstlerin aus Böbing

„Kenne fast jeden im Publikum“: Film über Andrea Kreipe in der Heimat gezeigt

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Fast 50 Interessierte waren zur Premiere des neuen Films über Andrea Kreipe im Pfaffenwinkel gekommen. Die Künstlerin (stehend, 3.v.l.) freute sich mit ihren Mitstreitern über das Interesse der Zuschauer.

Zum zweiten Mal kam der Film über die Böbinger Künstlerin Andrea Kreipe auf die Kinoleinwand. Nun aber erstmals im heimatlichen Pfaffenwinkel.

Weilheim/Böbing – Weil die Preview in Münchner „Arena“ kaum jemand auf lokaler Ebene mitbekommen hatte, fühlten sich die beiden Heimat-Aufführungen im „Starlight Kino“ wie eine Premiere an. Fast 50 Interessierte füllten allein am Freitagabend die Sitzreihen, und sogar Protagonistin Andrea Kreipe bekannte sich in der Vorab-Begrüßung zu ihrer Nervosität: „Weil ich heute fast jeden im Publikum kenne“, sagte sie mit ihrem gewohnten Mix aus Zurückhaltung und guter Laune.

Beide Charakterzüge kommen auch im Film gut zur Geltung, denn in den Werkstattszenen, die rund ein Drittel des Films ausmachen, spricht Kreipe kurze, sympathisch bescheidene Sätze über das, was sie gerade gestaltet. Oft spricht sie in Richtung der Kamera auch mit „Du“, was daran liegt, dass ihre langjährige Freundin Isabel von Ahlefeld-Fink die meisten Partien drehte.

Auf den langsamen Takt einlassen

Der Effekt der Vertrautheit überträgt sich wunderbarerweise auch auf die Zuseher, die immer mehr das Gefühl bekommen, in die inneren Gestaltungs-Impulse von Andrea Kreipe einbezogen zu sein. Und dies sogar ohne Wortreichtum, denn die Künstlerin arbeitet meist still, sodass rund ein Viertel des Films nahezu meditativ daherkommt: Ein Versunkensein ins kreative Tun, was die Psychologie als „Flow“ bezeichnet, und was auch schon beim bloßen Anschauen sanfte Freude macht, sofern man sich auf den langsamen Takt des Films einlässt.

Doch obwohl eine gemessene Schlagzahl der Bilder zugrunde liegt, hat der Film einen geschickten rhythmischen Aufbau. Erste Abschnitte fokussieren die Rostdruck-Monotypien, spätere die Bronze-Skulpturen, deren Oberflächen durch Nahaufnahmen fast greifbar werden. Wechselnd mit der Werkstattarbeit zeigen sich Szenen bei Ausstellungen, bei der Landwirtschaft oder beim Guss von Bronzefiguren.

Kreipe im Heu oder bei Schafen

Hier eröffnen sich Überraschungsmomente: Eine bäuerlich geerdete Andrea Kreipe im Heu oder bei ihren Schafen, das kennt nicht jeder. Und den bebenden Herzschlag beim Guss einer Großbronze – den kennt wohl niemand. Dramaturgisch geschickt wechselt der Film beim Eingießen des orange glühenden Metalls zu unbewegten Bildern: Fotos im Diaschau-Modus, die den konzentrierten Blick auf die heiklen Momente fokussieren, alles gesteigert durch die perkussive Grundierung von Lucia Licht aus Peiting.

Die Auswahl der begleitenden Klänge ist der einzige Bereich, bei dem Kreipe – 65-Jährige gebürtige Hannoveranerin, die in München studierte und seit 1990 in Böbing arbeitet – selber etwas Einfluss nahm. Durch die Abwechslung, besonders durch das integrierte „Suspense Movie“ rund um den Bronzeguss einer lebensgroßen Figur für das „Frauenmuseum Bonn“, geht letztlich auch die Länge von rund 80 Minuten in Ordnung.

Durch Corona wurde aus dem Kurz- ein Langfilm

„Eigentlich hätte es ein Kurzfilm werden sollen“, verriet Michael Barth, „aber nachdem durch Corona eine Aufführung unmöglich wurde, haben wir einfach immer weiter gedreht.“ Der Steingadener hatte zuvor bereits einige Filmbeiträge im Bildungs- und Werbebereich auf den Weg gebracht. Beim Film über Andrea Kreipe hat er die Post Production gestaltet, vor allem den Feinschnitt.

Künstlerisch kamen die meisten Ideen von der freien Kamerafrau Isabel von Ahlefeld-Fink, die auch den Rohschnitt besorgte. Als „Regisseurin“ möchte sie sich aber nicht sehen, sagt sie. Eher sei sie einfach Kreipes Rhythmus und dem Entstehungsprozess ihrer Werke gefolgt. Gleichermaßen mit Barth sehe sie sich als Autoren- und Producer-Team der Film-Plattform „laufenderMeter.eu“, welche eng an der von Michael Barth und Carsten Stolz gemanagten Schongauer IT-Agentur „agilogik“ hängt.

Film über weiteren Künstler geplant

Die fast ohne Finanzmittel entstandene Dokumentation „Verdichtung und Auflösung“ führte jedenfalls zu neuen Impulsen: „Wir haben eine weitere Doku über einen Künstler der Region in Vorbereitung“, verriet Barth. Und auch Andrea Kreipe hat neue Ideen in der Pipeline.

Am 19. Januar wird ihr Beitrag für ein Weilheimer Kunstprojekt bekannt gegeben. Bis Mitte Januar sind zudem noch ausgewählte Objekte Kreipes im „ZwischenRaum“ zu sehen (mittwochs bis freitags 11 bis 15 Uhr, samstags 11 bis 14 Uhr, Finissage am 16. Januar). Weitere Termine zur Filmaufführung stehen noch nicht fest.

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