VonPeter Schiebelschließen
130 Filme aus 36 Ländern, 70 namhafte Gäste und zwölf Leinwände: Kinochef und Festivalgründer Matthias Helwig hat das Programm für das Fünf-Seen-Filmfestival (FSFF) vorgestellt. Es beginnt am kommenden Dienstag, 22. August, und dauert neun Tage.
Starnberg – Manchmal braucht es einen langen Atem. Vor zehn Jahren habe er zum ersten Mal eine E-Mail an Margarethe von Trotta geschrieben und sie zum Fünf-Seen-Filmfestival (FSFF) eingeladen. Nun habe die 81 Jahre alte Regisseurin („Rosa Luxemburg“, „Das Versprechen“) endlich Zeit, um als Ehrengast nach Starnberg zu kommen, schilderte der Gründer und Leiter des Festivals, Matthias Helwig, als er das Programm für die 17. Auflage vorstellte und dabei auch aus dem Nähkästchen plauderte. „Es steckt ganz, ganz lange Vorarbeit in dem Festival“, sagte er. Und manchmal auch ein bisschen Forschheit. Den österreichischen Autor, Regisseur und Produzent Ulrich Seidl (70, „Rimini“, „Sparta“) beispielsweise habe er beim Frühstücksbuffet im Hotel angesprochen. Nun präsentiert der vielfach ausgezeichnete Wiener persönlich die Deutschlandpremiere seines neuen Films „Böse Spiele“ beim FSFF, das am kommenden Dienstag, 22. August, beginnt und bis 30. August dauert.
130 Filme aus 36 Ländern sind während des Festivals in den Breitwand-Kinos in Starnberg, Gauting und Seefeld sowie am Pfarrstadel in Weßling zu sehen. Mit dabei ist als Festivalort diesmal nach der erfolgreichen Sanierung auch wieder die Starnberger Schlossberghalle. Insgesamt stehen damit zwölf Leinwände zur Verfügung, wie FSFF-Sprecher Dr. Dominik Petzold am Mittwoch sagte. Viele „der besten Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme aus Mitteleuropa“ feierten auf dem Festival ihre Premiere, seien in Bayern ausschließlich dort zu sehen oder würden viele Wochen vor dem Kinostart gezeigt, betonte Petzold.
Dazu gehört der Eröffnungsfilm: „Ingeborg Bachmann – Reise in die Wüste“ von Margarethe von Trotta mit Vicky Krieps und Ronald Zehrfeld in den Hauptrollen läuft erst zwei Monate später in den Kinos an. Helwig sprach von „einem unserer besten Eröffnungsfilme, die wir je hatten“. Das Thema, dessen Hintergrund, die filmische Umsetzung, all das passe „in vielerlei Hinsicht“ zum FSFF.
Festivalleiter bewundert seinen Stargast
Von Trotta, zu der Helwig „voller Bewunderung“ aufschaut, wird zur Aufführung am 22. August im Starnberger Seebad erwartet. Es ist, wie bereits angekündigt, gleichzeitig die letzte Open-air-Vorstellung dort in diesem Jahr. Die große Leinwand zieht anschließend nach Weßling um, wo in den vergangenen Jahren Filme auf dem Cinemamobile von Wolf Gaudlitz zu sehen waren. Das ist heuer nicht beim FSFF.
Mit Ulrich Seidl und der Schauspielerin Maria Schrader (57) erwartet Helwig in den Tagen darauf weitere Ehrengäste. Schrader zum Beispiel diskutiert am 27. August, in der Politischen Akademie in Tutzing beim „Filmgespräch am See“ mit Regisseurin Julia von Heinz über die Frage: „Hat Film ein Geschlecht?“ Und vielleicht ist die Schauspielerin am Tag darauf auch bei der Dampferfahrt dabei, das jedenfalls ist Helwigs Hoffnung.
Mit den Ehrengästen erreiche das Festival bereits eine „sehr hohe Qualitätsstufe“, sagte er voll Vorfreude. Das sollte sich auch bei anderen Programmhöhepunkten fortsetzen. So erhält Paula Beer am 29. August den Hannelore-Elsner-Preis – trotz ihrer erst 28 Jahre ist die Schauspielerin bereits vielfach preisgekrönt. Sie habe „noch viel Großes“ vor sich, ist Helwig überzeugt. Und dann kommt auch noch Filmschwergewicht Charly Hübner zum Festival, wie der Leiter erklärte. Der 50-Jährige präsentiert am 27. August in der Schlossberghalle sein Spielfilm-Regiedebüt „Sophia, der Tod und ich“ nach dem Roman von Thees Uhlmann.
Nicht nur ein musikalischer Höhepunkt verspricht die Aufführung von „Jazzfieber“ zu werden. Darin lassen die Produzenten Reinhard Kungel, der auch Regie geführt hat, und Andreas Heinrich 90 Jahre Jazz-Geschichte in Deutschland Revue passieren – mit O-Tönen der Jazz-Legenden Klaus Doldinger, Max Greger, Hugo Strasser, Paul Kuhn und Coco Schumann. 2012 habe er angefangen, den Film zu drehen, sagte Kungel. Allein das Interviewmaterial umfasse 15 Stunden.
Kinderfilme rücken in den Mittelpunkt
Beim FSFF bislang eher ein Nischenangebot, so rücken diesmal auch Kinderfilme in den Mittelpunkt, vor allem die deutsch-österreichische Coproduktion „Neue Geschichten vom Franz“. Es ist der zweite Teil der Verfilmung der Kinderbücher von Christine Nöstlinger, der „österreichischen Astrid Lindgren“, wie Coproduzent Ingo Fliess erklärte.
Und so schickt sich die 17. Auflage des FSFF an, ein Festival der Höhepunkte zu werden – mit Preisverleihungen, unter anderem an Kameramann Frank Griebe („Babylon Berlin“), mit Wettbewerben, mit einem Fokus auf dem Thema Frauen und Film, mit Spiel-, Kurz- und Dokumentarfilmen und, und, und.
Das ganze Programm und Tickets gibt es auf fsff.de.
