VonAndreas Steppanschließen
Am Walchensee wird gerne gedreht. Wer künftig dort filmen will, muss aber ab jetzt bezahlen.
Jachenau – Eine schönere Kulisse als der Walchensee lässt sich kaum denken – dementsprechend viele Filmteams rücken dort an. Unter anderem wurden dort auch die Wickie-Filme gedreht. Im Jachenauer Gemeinderat berichtete Rathaus-Mitarbeiterin Rosmarie Fischer, dass fast täglich Anfragen für Drehgenehmigungen eingingen. Neben dem Walchensee seien auch andere Plätze im Gemeindegebiet gefragt. Der Gemeinderat beschloss, für die Erlaubnis eine Gebühr von 100 Euro pro Drehtag zu erheben.
Für die Verwaltung seien die Anfragen mit einem „Riesenaufwand“ verbunden, sagte Bürgermeister Georg Riesch. So gelte es, sich mit den Staatsforsten und der Naturschutzbehörde abzustimmen. Der Rathauschef verwies darauf, dass die Filmaufnahmen in der Regel kommerziellen Zwecken dienten und es keinen Grund gebe, den Service gratis zu leisten.
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Der Gemeinderat stimmte noch einer Reihe weiterer Erhöhungen von Verwaltungsgebühren zu. Vieles, so Riesch, habe die Gemeinde bislang kostenlos oder gegen niedrige Gebühren erledigt, auch wenn es viel Zeit in Anspruch nehme und die Kommunen gesetzlich angehalten seien, ihre Einnahmemöglichkeiten auszuschöpfen.
Gemeinde Jachenau passt Gebühren an
20 Euro sollen ab jetzt verlangt werden, wenn das Rathaus eine Ausnahmegenehmigung für das Befahren gesperrter Straßen erteilt. Das ist vor allem am Walchensee relevant, wo die Teilnehmer diverser Jugendlager mit dem Bus an- und abreisen. „Mindestens zehnmal im Monat“ sei das der Fall, so Fischer.
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Die Kosten für eine Gewerbeanmeldung oder -abmeldung steigen von 25 auf 30 Euro. 20 Euro will die Gemeinde für die Genehmigung von Veranstaltungen verlangen, wie etwa öffentliche Garten- oder Vereinsfeste. Auch da seien die Formalitäten nicht mehr so einfach wie früher, begründete Riesch. Nur sein Stellvertreter Klaus Rauchenberger stimmte gegen diese Gebühr. Seine Begründung: Betroffen seien davon vor allem Vereine, die die Gemeinde auf der anderen Seite wieder finanziell bezuschusse.
Einstimmig festgelegt hat der Gemeinderat Kosten für den Einsatz von Bauhofgerätschaften. So stellt die Gemeinde den Einsatz des Kommunalschleppers mit 15 Euro pro Stunde in Rechnung, für Aufbaugeräte wie Schneefräse oder Kehrmaschine kommen fünf Euro dazu. Für Personalkosten werden 38 Euro in der Stunde berechnet. „Das heißt aber nicht, dass wir ein Hausmeisterservice sind“, stellte Gemeinderätin Eugenie Grünwald klar. Die Regelung gilt für andere Fälle: Kürzlich habe zum Beispiel ein Heizölfahrer eine Öllache verursacht, die Mitarbeiter des Bauhofs brachten Ölbinder aus, kehrten zusammen und reinigten die Straße, nannte Riesch ein aktuelles Beispiel. Oft komme die Versicherung für so etwas auf.
Weiter kostenlos bleibt dagegen das Aufhängen von Wahlplakaten. „Das ist schließlich ein Beitrag zur Demokratie“, argumentierte Jost Gudelius. „Es wäre aber gut, wenn man die Wahlplakate an bestimmten Stellen bündelt.“ Das fände auch Riesch „eine gute Sache“. Kosten werden den Parteien nur entstehen, wenn sie ihre Plakate nachher nicht wieder selbst entfernen. Dann übernimmt die Gemeinde die kostenpflichtige Entsorgung.
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