Konzept steht und stößt auf Anklang

Licht am Ende des Stollens: So könnte das Bergewerk-Museum aussehen

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Vergammelt und verrammelt. So sieht es am Stolleneingang aktuell aus.
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Der Durchbruch zum Schaustollen ist geschafft. Es gibt ein Konzept zum Bergwerkstunnel in Deisenried. Wenn auch die Leader-Gremien zusagen, steht dem Museumstunnel nichts mehr im weg.

Fischbachau – Einen Bergwerksstollen gräbt man nicht von heute auf morgen. Drei Jahre lang hatten die Arbeiter geschuftet, bis sie 1956 den Durchbruch des Deisenrieder Wetterstollens zum Haushamer Bergwerk feiern konnten. 62 Jahre später ertönte erneut ein freudiges „Glück Auf“ – diesmal allerdings im Sitzungssaal des Fischbachauer Rathauses. Martin Schmid, Vorsitzender des Bergmannsvereins St. Barbara Hausham, bedankte sich bei den Gemeinderäten für ihre Zustimmung zum Konzept für die touristische Nutzung des Tunnels als Schaustollen. „Ich lade euch schon jetzt zur Eröffnung ein“, sagte Schmid erleichtert.

15 Jahre sind seit der Stollen-Idee vergangen - gegraben wurde deutlich schneller

Denn der Weg zum Schaustollen war noch deutlich länger als der bis zum Durchbruch 1956. Ganze 15 Jahre sind seit der ersten Idee einer Wiedereröffnung der 1977 verfüllten Röhre vergangen, berichtete Bürgermeister Josef Lechner (CSU). Als aus der ursprünglich geplanten Interreg-Förderung nichts wurde, sattelte man auf ein Leader-Kooperationsprojekt mit der Nachbargemeinde Bad Feilnbach um. Voraussetzung für den Zuschuss in Höhe von 60 Prozent sei eine touristische Nutzung des Stollens für mindestens zwölf Jahre, erklärte Lechner.

Übrigens: Bevor die Planungen losgehen durften, musste das Schauberkwerk erstmal deutlich schrumpfen. Früher sollte es über 150 Meter in die Erde gehen und sogar Platz für die Naturkäserei Kreuth und ihren Lagerkäse geben. Doch der Eigentümer machte Fischbachau damals einen dicken Strich durch die Rechnung.

Ein entsprechendes Konzept habe das Designbüro Koop nun erarbeitet. Dessen Chef Andreas Koop gab sich im Gemeinderat selbst als Bergwerks-Laie aus. In unzähligen Gesprächen mit den Experten vom Bergmannsverein habe er sich aber in die Materie eingearbeitet. „Wenn ich es verstanden habe, verstehen es die Besucher auch“, meinte Koop schmunzelnd.

150 Meter-Rundgang mit Ausstellung

Letztere sollen den Stollen über einen 150 Meter langen Rundgang durch den Haupt- und Nebenast erleben können. Zahlreiche Infotafeln mit Ausstellungsgegenständen sollen über die Geschichte des Bergwerks, die Funktionsweise des Wetterstollens sowie den Arbeitsalltag der Bergleute aufklären. Obwohl der Tunnel in Deisenried nur der Belüftung diente, wird auch der Kohleabbau veranschaulicht. Dank vieler Tastobjekte und der Schienen im Boden sei der Stollen zudem auch ein attraktives Angebot für Blinde und Sehbehinderte, stellten Koop und Leader-Managerin Stephanie Stiller heraus. Obendrein sei das komplette Areal barrierefrei.

Der Eingang erfolgt über den früheren Maschinenraum. Hier soll die Kasse stehen sowie ein kleines Kino, in dem die Besucher einen einführenden Film sehen, bevor sie sich mit Helm, Taschenlampe und Mantel auf ihre Tour begeben. Dies sei wegen der Sicherungsvorschriften nur unter Aufsicht möglich, erklärte Koop. Als Öffnungszeiten empfahl er fünf Tage während und drei Tage außerhalb der Saison, als Eintrittspreis sechs Euro. Spezialführungen mit früheren Bergleuten sollten neun bis zwölf Euro kosten.

Deutlich mehr Geld müssen die beiden Gemeinden in die Hand nehmen. Abzüglich der Leader-Förderung von maximal 400.000 Euro – über deren Freigabe erst noch entschieden wird – bleiben für Fischbachau und Bad Feilnbach je 133.400 Euro übrig, erklärte Geschäftsleiter Johann Neundlinger. Das sei zwar „ein Brocken“ mehr als die ursprünglich geschätzten 80.000 Euro, die Summe würde aber auch die neue WC-Anlage auf dem Wanderparkplatz vor dem Stollen (100.000 Euro) und diverse Posten für den Unterhalt sowie 450 Euro-Kräfte als Aufsichtspersonen beinhalten.

„Zurückgehen können wir immer.“

Man habe die Kosten bewusst an der oberen Grenze angesetzt, um die maximale Fördersumme abzuschöpfen, erklärte Neundlinger. „Zurückgehen können wir immer.“ Er appellierte aber an die Gemeinderäte, ihren Kollegen in Feilnbach zu folgen und dem „einmaligen Projekt“ eine Chance zu geben. Auch wenn sich, wie Lechner einräumte, mit dem Schaustollen keine großen Gewinne erzielen lassen. Wie Koop auf Nachfrage von Vize-Bürgermeister Andreas Auracher (CSU) erklärte, seien 2700 Besucher pro Jahr für eine „schwarze Null“ notwendig und auch realistisch.

Am Ratstisch überzeugte das Konzept trotzdem. Lediglich Thomas Kantenseder (FaB) stimmte dagegen. „Ich sehe das nicht so optimistisch“, sagte er und führte dabei neben den Kosten auch mögliche Parkplatzprobleme durch die parallele Nutzung von Wanderern und Museumsbesuchern an. Lechner sah da kein Problem: „Bei schönem Wetter geht keiner in den Stollen, und bei Regen keiner Wandern.“

sg

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