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Der Fliegerhorst im nahen Lechfeld wird im ersten Halbjahr 2023 stärker als gewohnt genutzt. Unter anderem werden zeitweise US-Kampfjets hier stationiert.
Lechfeld/Fürstenfeldbruck - Auch nach der Entscheidung des Bundesverteidigungsministeriums, das Lechfeld nicht weiter als zweiten Standort für die Flotte des Transportflugzeugs A400M zu betrachten, soll der Standort in seiner jetzigen Funktion beibehalten werden. Das teilt die Luftwaffe mit. Zwei größere Baumaßnahmen mit Millionen-Investitionen unterstreichen die Bedeutung, hieß es am Donnerstag. Darüber hinaus werde der Flugplatz im ersten Halbjahr intensiv genutzt.
Zwei Großbaustellen
Die Entscheidung, alle A400M – Flugzeuge in Wunstorf / Niedersachsen zu stationieren, gehe auf den generellen Verzicht zurück, eine Multinationale Transporteinheit (MNAU) aufzustellen. Der Standort bleibe aber für zukünftige, derzeit noch nicht absehbare Stationierungsentscheidungen, offen.
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Zwei Großbaustellen laufen derzeit in der Lechfeldkaserne: Im kommenden Sommer solle das neue Sanitätsversorgungszentrum eröffnet werden, das das alte ersetzt. Rund sieben Millionen werden hier investiert, berichtet die Luftwaffe. Vor kurzem hätten auch die Baumaßnahmen für das Geebäude des Führungsunterstützungssektors begonnen. Dieser wird aus Fürstenfeldbruck auf das Lechfeld verlagert wird. 30 Millionen Euro investiert die Bundeswehr hier bis zur Inbetriebnahme im Jahr 2026.
Große Bedeutung
Eine große Bedeutung habe das Lechfeld als Deutschlands größter Militärflugplatz nach wie vor. Zum einen als Ausweichflugplatz für die Eurofighter des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 in Neuburg/ Donau. Weil in Neuburg Sanierungsarbeiten an der Startbahn anstehen, werden die Eurofighter von Mitte April bis Mitte Mai des kommenden Jahres auf das Lechfeld verlegt.
Zum anderen sei ETSL, wie der Platz international abgekürzt werde, temporärer Dislozierungsort für internationale Streitkräfte, allen voran für die Italienische Luftwaffe mit den Tornados, berichtet die Luftwaffe. Die Italiener hätten sich im kommenden Jahr bereits für drei Slots von jeweils 14 Tagen Dauer angemeldet.
Infobox: Der Fliegerhorst auf dem Lechfeld
Der Fliegerhorst auf dem Lechfeld wurde im Jahr 1916 mit der Fliegerschule 4 gegründet. Am 7. März 1944 wurde er bei einem alliierten Bombenangriff fast vollständig zerstört. Der Fliegerhorst ist offizieller Ausweichflugplatz im NATO-Standard. Seine Nord-Süd-Ausdehnung beträgt acht Kilometer. Die maximale Breite liegt bei drei Kilometern. Er umfasst eine Fläche von 19 Quadratkilometern. Die Startbahn hat eine Länge von 2442 Metern. Auf dem Gelände stehen 26 Shelter. Es gibt fünf offizielle Abstellflächen für den A 400 M und diverse weitere für Jets, Propellerflugzeuge und Helikopter. Das Treibstofflager hat eine Kapazität von mehreren Millionen Litern. Außerdem befindet sich auf dem Fliegerhorst das größte Munitionslager Süddeutschlands. Die Firma Premium Aerotec (Co-Produzent des deutschen Anteils an der A400M Fertigung) ist als ziviler Mitnutzer mit auf dem Platz.
Air Defender
Die groß angelegte, multinationale Übung „Air Defender 2023“ sei für den Juni 23 geplant. Acht bis zwölf Kampfjets der US-amerikanischen Luftwaffe werden samt 200 Soldatinnen und Soldaten auf dem Lechfeld stationiert. Zwei Runden pro Tag mit jeweils acht Flugzeugen sind geplant (vergleichbar mit dem Flugprogramm der italienischen Luftwaffe). Die notwendige Logistik werde bereits Wochen vorher mit den Transportflugzeugen C-130 Hercules abgewickelt, heißt es in einer Mitteilung vom Donnerstag. Für die Unterstützung würden zusätzlich rund 100 Kräfte eigenes Personal auf das Lechfeld verlegt. Die Unterbringung erfolge zu großen Teilen in Hotels.
Für den erhöhten Flugbetrieb während Air Defender, bei der die Kompetenzen der NATO-Luftstreitkräfte und die transatlantische Sicherheit gestärkt werden soll, bittet die Luftwaffe um Verständnis.
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