Die neue Asylunterkunft in Bad Tölz sorgte im Vorfeld für Diskussionen. Bevor die Bewohner einziehen, gewährte das Landratsamt jetzt einen Blick ins Innere.
Bad Tölz – Es ist eine Notlösung, erforderlich wegen des großen Zustroms an Geflüchteten und des Mangels an Alternativen im Landkreis: Die neue Asylunterkunft auf der Tölzer Flinthöhe sorgte schon im Vorfeld für viele Diskussionen. Mittlerweile ist der Mitte April gestartete Bau der Hallen abgeschlossen. Welche Lebensbedingungen die künftigen Bewohner dort erwarten, davon vermittelte am Freitag ein Pressetermin eine Vorstellung.
Bewohner ziehen ab 12./13. Juli in Asylunterkunft ein
Bis zu 128 Personen werden in den Leichtbauhallen Platz finden, die direkt neben dem Landratsamt auf dem sogenannten Kino-Grundstück stehen. Wie Karsten Ludwig, Leiter des Sachgebiets Asylwesen im Landratsamt, erläuterte, stehen kommende Woche noch Asphaltierungsarbeiten im Außenbereich an. Voraussichtlich ab 12. oder 13. Juli würden dann die ersten Bewohner einziehen.
„Starten werden wir erst mal mit ungefähr der halben Auslastung der Kapazität“, sagte Ludwig. So könnten sich die Abläufe, etwa für den Sicherheitsdienst und den Caterer, einspielen. In der ersten Woche plant die Behörde mit einer Belegung mit 50 bis 60 Menschen. Ab Mitte August rechnet Ludwig aber mit einer Vollauslastung.
„Nur etwas besser als Unterbringung in Turnhalle“
Das Landratsamt plant, zunächst Menschen in die neue Unterkunft zu verlegen, die bislang in der Turnhalle der Mittelschule an der Adalbert-Stifter-Straße in Geretsried untergebracht sind. Dort leben laut Ludwig aktuell 170 Personen. „Mit der Verlegung wollen wir in der Geretsrieder Turnhalle Platz für neu Angekommene schaffen“, so der Sachgebietsleiter.
Nach wie vor wird dem Landkreis alle zwei Wochen ein Bus mit 50 Geflüchteten zugeteilt, die untergebracht werden müssen. Die beiden belegten Turnhallen – außer der in Geretsried ist das noch die Mehrzweckhalle in Wolfratshausen-Farchet – sollen weiterhin zur Erstaufnahme dienen. „Das macht den Ablauf leichter, denn dort hat sich das Verfahren gut eingespielt“, sagt Ludwig.
32 Vierbettzimmer in Asylunterkunft in Bad Tölz
Was die Geflüchteten nach ihrem Umzug auf die Flinthöhe erwarte, sei allerdings auch „nur etwas besser als die Unterbringung in einer Turnhalle“, räumte Ludwig ein. In jedem der beiden Unterkunftsbauten reihen sich jeweils 16 Vierbettzimmer entlang einem langen Gang. Die je rund 25 Quadratmeter sind mit zwei Stockbetten, einem Tisch und schmalen Spinden eingerichtet. Unter den Tischen befinden sich kleine Elektroheizgeräte. WLan ist vorhanden.
In den Viererzimmern haben die Bewohner zwar etwas mehr Privatsphäre als in einer Turnhalle, wo dünne Trennwände Wohnbereiche für etwa 30 Personen voneinander abgrenzen. Doch auch in der Tölzer Unterkunft reichen die Wände nicht bis zur Decke. Toiletten, Duschen sowie Waschmaschinen befinden sich in eigenen, gemeinschaftlich genutzten Sanitärcontainern.
Gegessen wird in einem Speisesaal mit 128 Plätzen. Zu vorgegebenen Zeiten werden den Bewohnern von einem Geretsrieder Caterer täglich drei Mahlzeiten angeboten. Bedürfnisse, wie zum Beispiel, dass das Essen muslimischen Speisevorschriften genügt, würden berücksichtigt, so Ludwig. „Es ist für jeden was dabei.“
Asylunterkunft in Bad Tölz auf hohe Schneelast ausgerichtet
Einen eigenen kleinen Containerbau gibt es am Eingang für den Sicherheitsdienst, der wie bei allen Gemeinschaftsunterkünften rund um die Uhr vor Ort ist, zum Beispiel am Eingang Taschen kontrolliert und auch sonst erfahrungsgemäß als „Mädchen für alles“ fungiert. „Wenn etwas ist, sind die Mitarbeiter diejenigen, die da sind“, sagte Peischer.
Dass Wände und Decken aus sechs Zentimeter dicken „Sandwichplatten“ bestehen, ist laut Ludwig darauf zurückzuführen, dass die Gebäude in Tölz einer relativ hohen Schneelast standhalten müssen. Anderswo seien stattdessen Zeltplanen üblich. In Tölz handle es sich um eine „relativ teure Variante“, die auch erst vom TÜV habe abgenommen werden müssen. Der Landkreis hat die Bauten gemietet. Teile davon könnten nach dem Abbau wiederverwendet werden.
Auf dem Kasernen-Grundstück ist die Nutzung der Hallen laut dem Sachgebietsleiter „erst mal für ein Jahr“, geplant, „mit Option auf ein weiteres“. Baurechtlich sei die Unterkunft für maximal drei Jahre zulässig. Die Hoffnung sei, dass bis zum Ende der Nutzung im Landkreis ausreichend andere Unterkünfte zur Verfügung stehen.
Andreas Steppan
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