Annette Bliemetsrieder spielt seit 50 Jahren Zither

300 Jahre alte Tradition: So begeistert eine Flintsbacherin junge Menschen für die Zither

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Ein Instrument mit über 300 Jahren Tradition: Annette Bliemetsrieder liebt den Klang und das Spielen an der Zither.
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Annette Bliemetsrieder spielt seit 50 Jahren Zither. Ihre Leidenschaft für das Instrument möchte sie jungen Nachwuchs-Musikern weitergeben. Für ihr jahrelanges Engagement erhält sie nun die Ehrenamtsmedaille im Laienmusikbereich.

Flintsbach – Im strahlend roten Sommerkleid steht Annette Bliemetsrieder in ihrem Musikzimmer und spielt die Zither. Die Musikerin fängt an, leicht hin und her zu wippen. Ihr blondes Haar fällt über ihre Schulter. Sie wirkt vollkommen versunken in die Klänge. Bis zum letzten Ton spiegelt sich in ihrem Gesicht die Leidenschaft für das Saiteninstrument. Dann blickt sie glücklich nach oben. „Das ist mein Instrument, das mich jetzt seit 50 Jahren durch mein Leben begleitet“, sagt Bliemetsrieder.

„Die Musik kam zu mir“

Die Musikerin stammt aus Brannenburg, wo ihre drei Kinder noch heute leben. Sie selbst zog es nach der Trennung von ihrem Mann nach Flintsbach. Beruflich arbeitet sie in der Lebensmittelbranche. Seit September 2008 spielt Annette Bliemetsrieder im Zitherorchester Rosenheim. Im Juli 2013 übernahm sie dort auch das Dirigieren. „Ich mag es lieber selbst zu spielen, aber im Orchester braucht es halt einen Dirigentin.“

Nicht nur an der Zither: Annette Bliemetsrieder gibt im Zitherorchester Rosenheim den Takt an.

Doch wie kam die 61-Jährige ausgerechnet auf dieses Instrument, das nicht so sehr verbreitet und im Vergleich zu anderen Instrumenten relativ schwierig zu erlernen ist? „Ich würde sagen, die Musik ist zu mir gekommen“, sagt Bliemetsrieder und setzt sich an den Esstisch ihrer Wohnung. Als der Onkel ihrer Mutter starb, erbte diese seine Zither. Zuerst durfte nur ihr zwei Jahre älterer Bruder das Instrument erlernen. Doch auch Bliemetsrieder verspürte den Wunsch, es spielen zu können. „Es ist so ein schönes Instrument, dass ich es einfach spielen musste.“ Und diese Leidenschaft möchte sie vor allem den jüngeren Menschen vermitteln. Deshalb engagiert sich Bliemetsrieder ehrenamtlich.

Ehrenamtsmedaille für ihr Engagement

Für ihren Einsatz erhält die 61-Jährige jetzt eine der zehn Ehrenamtsmedaillen im Laienmusikbereich in München. Mit dieser Auszeichnung würdigt Markus Blume, bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, besondere Leistungen in der musikalischen Laienszene. „Laienmusik lebt vom Ehrenamt“, lobt Blume. „Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, sind die guten Seelen unserer Musikverbände und -vereine.“ Ein Punkt, dem Bliemetsrieder sofort zustimmt. „Es braucht das Ehrenamt, denn nur dann funktioniert unsere Gesellschaft überhaupt.“

Doch wie kam es überhaupt zu dieser Auszeichnung? An einem für sie gewöhnlichen Arbeitsmorgen erhielt Annette Bliemetsrieder den Brief, mit einer Gratulation zur Ehrenamtsmedaille. Bliemetsrieder schüttelte immer wieder fassungslos den Kopf. Ihre erste Frage sei gewesen: „Wieso ich?“ Ihr ist wichtig zu betonen, „dass ich diese Auszeichnung stellvertretend für alle, die ehrenamtlich tätig sind, annehme.“

Mehr Nachwuchs an der Zither

Sie leiste doch nicht mehr, als alle anderen auch. Der für sie einzig sichtbare Unterschied: „Ich bin den Weg aus dem dörflichen Leben rausgegangen, um auf Verbandsebene bayernweit mehr bewirken zu können.“ Wie das aussah? 2013 wählte die Versammlung des Landesverbandes Bayern-Süd im Deutschen Zithermusikbund (DZB) Annette Bliemetsrieder zur neuen Vorsitzenden. In dem Amt fiel ihr auf, dass viele Bereiche veraltet waren. „Zum einen war es wichtig, die Jugend verstärkt in den Verband zurückzuholen.“ Geschafft hat sie das schon in ihrer zehnjährigen Amtszeit. 52 Kinder konnte sie mit ihren Zither-Kollegen für den Verband bereits gewinnen.

Als Dirigentin des Jugend-Zitherorchesters vom DZB Landesverband Bayern Süd e.V. beim Eröffnungskonzert der von mir mit organisierten Veranstaltung „Zither ist In am Inn“ in Rosenheim.

2014 war sie eine der Verantwortlichen, die das Jugendorchester gründete. Mithilfe von Fördergeldern hilft sie dabei, viele Aktivitäten – insbesondere für die Jugend – zu realisieren. So finden Jugendseminare, Jugendwettbewerbe und Konzerte statt. Auch hier regte Bliemetsrieder Veränderungen an. Sie sorgte dafür, dass die Zither mit all ihren musikalischen Facetten in der Öffentlichkeit präsentiert wird. „Wir polarisieren auch mit diesem Instrument, aber das möchten wir auch“, sagt die Flintsbacherin. So erreichten sie bei ihren Auftritt „Zither am Berg“ 2015 und 2017 am Wendelstein und „Zither ist in am Inn“ in Rosenheim viele neue Zuhörer.

Ihren Preis in Ehren, aber bei der nächsten Versammlung in drei Jahren möchte Bliemetsrieder ihren Posten abgeben. „Es wäre schön, wenn jetzt immer mehr Jüngere solche Ämter übernehmen würden.“ Es ist ihr wichtig, dass die jungen Menschen wieder mehr Kontakt zur Musik finden. „Musik gehört zu jedem Leben dazu“, sagt Bliemetsrieder strahlend. Es freut sie, wenn sie von ihren Schülern hört: „Wann darf ich endlich wieder Musik spielen?“ Die Kinder seien oft überfordert von äußeren Einflüssen und von den schulischen Anforderungen. „Musik sollte für die Kinder einen Ausgleich schaffen und einfach nur Spaß machen.“ Und wie viel Spaß die Zither bringt, dass möchte Bliemetsrieder den Menschen zeigen.

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