Wie viele Asylbewerber leben aktuell in Wolfratshausen? Woher kommen sie? Wie leben sie zusammen? Wir haben nachgefragt.
Wolfratshausen – Der Flüchtlingsstrom nach Bayern, der 2015 seinen Höhepunkt erlebte, ist abgeebbt. Dennoch sind die Unterkünfte in Wolfratshausen gut belegt. Derzeit leben rund 220 Asylbewerber an der Loisach, sagt Marlis Peischer, Sprecherin des Tölzer Landratsamts. 55 von ihnen seien Frauen, 165 Männer – Kinder beiderlei Geschlechts inbegriffen.
Aus Afghanistan stammen 72 Flüchtlinge, aus Nigeria 36 und aus dem Irak 20. Die weiteren Herkunftsländer teilen sich wie folgt auf: Burma (1), Pakistan (2), Senegal (6), Somalia (1), Türkei (5), Sierra Leone (2), Kongo (1) und Mali (2). Ein Asylbewerber ist staatenlos. Bei einem weiteren ist die Nationalität ungeklärt.
Zudem, so Peischer, „leben 69 Fehlbeleger in Wolfratshausen“. Das sind Flüchtlinge, die wegen ihres Bleiberechts – sie sind anerkannt, schutzberechtigt oder dürfen nicht abgeschoben werden – das Heim verlassen eigentlich müssten, doch keine Wohnungen finden.
92 Personen wohnen derzeit in einer der kleineren, vom Landkreis verwalteten, dezentralen Unterkünfte in Wolfratshausen. 36 von ihnen sind Fehlbeleger. Die Auslastung dieser Unterkünfte liegt laut Peischer bei 79 Prozent.
Die beiden großen Heime unterhält die Regierung von Oberbayern. Nach Angaben von Regierungssprecher Dr. Martin Nell leben in der Gemeinschaftsunterkunft (GU) I an der Heimgartenstraße – Stand Anfang März – rund 70 Menschen. Zur Verfügung stehen dort 88 Plätze. „Bei den Bewohnern handelt es sich zu rund zwei Fünftel um Frauen und zu rund drei Fünftel um Männer“, sagt Nell. Die GU II am Loisachbogen, das frühere Pfarrheim, beherbergt aktuell gut 60 Personen. Nur rund ein Zehntel davon sind Frauen.
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Zwar betreibt die Regierung die beiden Gemeinschaftsunterkünfte – dies aber nicht mit eigenem Personal. Dafür sorgt die Firma European Homecare (EHC). Deren Mitarbeiter stehen laut Nell allerdings unter der Aufsicht eines Unterkunftskoordinators der Regierung, der regelmäßig vor Ort vorbeischaut.
Zusätzlich ist in der GU II seit Anfang Mai 2018 ein Sicherheitsdienst, die Firma Sicherheit-Consulting Peter Frech, rund um die Uhr im Einsatz. Pro Schicht setzt das Unternehmen jeweils zwei Securityleute ein. Sie sehen zudem regelmäßig auch in der GU I nach dem Rechten. „Mit dem Sicherheitsdienst sind wir äußerst zufrieden“, sagt Martin Nell. Gleiches gelte für die Kooperation mit der Stadt. Man stehe „in einem guten und engen Austausch mit der Stadtverwaltung und dem Landratsamt“. Darüber hinaus laufe auch die Zusammenarbeit mit den weiteren Beteiligten bestens, beispielsweise mit der Organisation Hilfe von Mensch zu Mensch „sowie den vielen Ehrenamtlichen, die sich in und um die GUs engagieren“.
Meisten Flüchtlinge verhalten sich vorbildlich
Die meisten Flüchtlinge verhalten sich vorbildlich. „Im Vergleich mit Weilheim ist die Welt in Wolfratshausen in Sachen Asyl in Ordnung“, sagt Steffen Frühauf. Der stellvertretende Leiter der Wolfratshauser Polizeiinspektion sollte es wissen: Als Dienstgruppenleiter in Weilheim rückten er und seine Leute dort vor zwei Jahren „praktisch in jeder Teilschicht“ zu einer Gemeinschaftsunterkunft aus. In Wolfratshausen zählte Frühauf in den vergangenen zwölf Monaten unter den Asylbewerbern 39 Körperverletzungen, 14 Streitigkeiten, drei Fälle von Bedrohung, einen Diebstahl, zwei Sachbeschädigungen und eine versuchte Tötung, die derzeit am Landgericht verhandelt wird. In elf Fällen waren Sicherheitsleute Geschädigte.
Es gibt einen Brennpunkt
Mehrheitlich ist die GU am Loisachbogen der Brennpunkt. Dort leben laut Ines Lobenstein, Koordinatorin des Asylhelferkreises, „mehr alleinstehende Männer, darunter viele Afrikaner, deren Situation oft ungeklärt ist“. An der Heimgartenstraße gehe es – den Familien und Frauen, die dort wohnen, geschuldet – ruhiger zu. Auch Frühauf, der vor Berufsschulklassen mit Asylbewerbern schon Schulungen zur Prävention von Straftaten geleitet hat, hat Erklärungen für die bisweilen aufflammende Gewalt unter Asylbewerbern. Mit den Schwarzafrikanern und den Arabern würden sehr unterschiedliche Mentalitäten und Temperamente aufeinandertreffen, die sich nicht immer grün sind. „Erstaunlich ist trotzdem, dass sich meistens Flüchtlinge derselben Nation in die Haare kriegen.“
peb