VonTamara Scheidschließen
Sturm, Sommertrockenheit, Borkenkäfer: Ein Wald- und Baumsterben droht dem ganzen Land. Der Landkreis befindet sich in Hinsicht auf seine Wälder dagegen laut Experten in einer „Gunstlage“ – zumindest noch.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Die ganze Republik hat mit einem Wald- und Baumsterben zu kämpfen. Trockene Sommer, Stürme und Schädlinge setzen den Pflanzen zunehmend zu. Nicht zuletzt bereiteten die Schneemassen des vergangenen Winters Probleme – viele Bäume hielten die schwere Last nicht aus oder mussten aufgrund von Schäden im Nachgang gefällt werden. Dennoch befindet sich der Landkreis derzeit noch in einer „Gunstlage“, sagt Christian Webert, Bereichsleiter Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Holzkirchen (AELF). „Es gibt natürlich bei uns auch Schwierigkeiten“, sagt er. „Aber noch nicht so schlimm.“
Im Grundsatz spricht der Bereichsleiter von einem „Waldsterben 2.0“ mit vielen Effekten. Der Vorteil der Region: Höhere Niederschläge als in anderen Bereichen Bayerns bieten momentan noch eine höhere Wasserversorgung. Die Bäume der heimischen Wälder erhalten also noch genügend Nährstoffe.
Auch Rudolf Plochmann, Tölzer Forstbetriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten, ist von den Erscheinungen, die derzeit in den Medien thematisiert werden, im Wesentlichen eher weniger betroffen, wie er selbst sagt. Schäden gebe es durchaus, aber nicht in dem Ausmaß wie etwa im Norden Bayerns.
Sogar die Problematik des Borkenkäfers habe sich nach dem Winter bislang entgegen der Befürchtungen in Grenzen gehalten, erklärt Webert. Dabei lobt er die Waldbesitzer der Region. „Die waren da fleißig dahinter, das Schadholz aus dem Wald rauszubringen.“ So hätten sich nicht mehr Angriffsflächen für den Schädling geboten. Dennoch sieht Webert die Herausforderungen für die Waldbesitzer oft als belastend. Sie zu motivieren, etwa Schäden zu beseitigen, sei immer schwieriger.
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Weil sich der Landkreis momentan in einer Gunstlage befindet, können die Verantwortlichen noch präventiv arbeiten. „Die Bestände, die jetzt da sind, müssen wir gut pflegen“, sagt Webert. Ein Ziel ist aber auch die Verjüngung des Waldes. „Wir müssen jetzt für die nächste Generation sorgen.“ Dabei setzen die Verantwortlichen auf eine Mischung von Baumarten – sollte eine davon nicht überleben, dann dafür eine andere. Die Tanne etwa sei wichtig, weil sie laut Webert „eine Etage tiefer kommt“, um sich mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen. „Aber auch die Fichte wird weiter bleiben“, meint der Bereichsleiter.
Eine große Rolle spielt laut Webert auch die Jagd. „Wälder wachsen nur dann auf, wenn die Wildbestände passen“, sagt er. Mit Jägern und Waldbesitzern gehe es daher oft zum Waldbegang, um gemeinsam zu sehen, wo was getan werden müsse.
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Webert behält die Situation jedenfalls fest im Blick. „Wir haben nicht in der Hand, was noch passiert“, sagt er. Sturm, Föhnsturm und Nassschnee könnten immer wieder zu Schäden in den Wäldern führen – und Waldbesitzer vor neue Herausforderungen stellen. „Damit werden wir in Zukunft noch öfter zu tun haben.“
Auch Plochmann sieht den Wandel des Waldes durchaus mit Sorge. Der Vorteil derzeit seien die höheren Niederschläge im vergangenen Jahr und auch heuer gewesen. „Ich wünsche uns immer einen verregneten Sommer“, sagt Plochmann. „Starker Schneefall und Schneebruch sind nicht so schlimm wie eine Dürrephase.“
