VonManuel Eserschließen
1800 Menschen strömen zur Demo, Aktivisten legen den Berufsverkehr lahm, und Schüler realisieren ein Mega-Kunstwerk: Freising hat ein Zeichen gegen Klimawandel gesetzt.
Freising – Das Wetter war auf der Seite der Klimaschützer. Bei Sonnenschein versammelten sich am Freitagmittag etwa 1800 Demonstranten am Freisinger Kriegerdenkmal, um Druck auf die Politik zu machen. „Liebe Regierung, wir wollen, dass ihr endlich euren Job macht“, rief Sarah Manzer von Fridays for Future ins Mikrofon. „Denn die Erde interessiert nicht, was wir machen. Die überlebt, aber wir nicht.“
Der Hauptredner, Professor Alois Heißenhuber, forderte angelehnt an den Namen der Bewegung „Fairness for Future – Fairness gegenüber Menschen auf anderen Kontinenten, Nachfolgegenerationen, Tiere und Umwelt.“ Um das Klima zu schützen, müssten Lebensstil und Waren an einen Preis angepasst werden, der auch die realen Kosten abbilde. „Daher kommen wir an einer Bepreisung von CO2 nicht vorbei.“ Applaus und Jubel für den Agrar-Ökonom.
Grufties, Mama, Herrchen - sie alle treten in den Klimastreik
Unter den Anwesenden waren viele Kinder und Jugendliche. Schulen in Freising hatten extra den Unterricht früher beendet, damit ihre Schützlinge an der Demo teilnehmen konnten. Aber auch viele Erwachsene hatten sich versammelt – die „Grufties for Future“ und andere Senioren, Mamas mit ihren Kindern auf dem Arm, Herrchen mit ihren Hunden an der Leine. Clara Wrusch, Sprecherin von Fridays for Future Freising, war überwältigt. „Wir haben mit 1000 Menschen gerechnet. Das so viel mehr gekommen sind, ist der Wahnsinn.“ Vor allem aber war sie von der Stimmung begeistert. „Es ist ein gesellschaftlicher Schulterschluss zu spüren, und das macht mir große Hoffnung.“
Ernst Neuner, Chef der Polizei Freising, war ebenfalls angetan. „Alle Absprachen und Auflagen wurden eingehalten. Alles verläuft ruhig und friedlich. Wir sind zufrieden.“ Lob, das zurückgegeben wurde. So bedankte sich ein Demonstrant explizit bei den „netten Polizisten“. Reibungslos verlief auch der Demonstrationszug, der einmal um den Altstadtkern führte. Passanten reihten sich spontan ein. Skandiert wurde „Climate Justice Now!“ (Klimagerechtigkeit jetzt!“) und „Hopp, hopp, hopp, Kohlestopp!“
Es waren nicht die einzigen Akzente, die in Freising am Freitag für einen Klimawandel in der Politik gesetzt wurden. Bereits am Morgen hatten 26 Aktivisten der Gruppe Extinction Rebellion ein Zeichen gesetzt. Sie bildeten eine Kette über die Münchner Straße und blockierten damit eine halbe Stunde lang den Berufsverkehr. Die „Klimarettungsgasse“ sorgte für massive Staus im Stadtgebiet.
JoHo: Schüler realisieren Kunstwerk auf 400 Quadratmetern
Beeindruckend war auch, was die Schüler des Josef-Hofmiller-Gymnasiums am Freitag auf die Beine stellten. Auf einer Fläche von rund 400 Quadratmetern realisierten sie in einer Gemeinschaftsaktion ein Bild der bedrohten Erde. Als Materialien für die Collage verwendeten die Kinder und Jugendlichen Handtücher, Bettlaken, Pullover und andere Stoffe, die sie von zu Hause mitgebracht hatten. „Wir haben es tatsächlich geschafft“, sagte Jonas Höfler beeindruckt. Der Lehrer hatte den Vormittag organisiert, der ganz im Zeichen des Klimaschutzes stand.
Biobauer Sepp Braun aus Dürneck war als Gastredner ans JoHO gekommen. Er berichtete, wie nachhaltige Landwirtschaft dazu beitragen könne, den Klimawandel nicht nur zu stoppen, sondern gar rückgängig zu machen. Unter anderem betonte er, dass mithilfe von Mischkulturen die Böden wieder fruchtbarer gemacht werden können. „Wenn wir weltweit zwei Prozent mehr Humus aufbauen würden, hätten wir eine Welt, die auch in Zukunft lebenswert bleibt.“
Klimawandel: Schüler appelliert an die Erwachsenen
Martin Scholz, Elftklässler am JoHo, appellierte an seine Mitschüler, die Eltern in die Verantwortung zu nehmen. „Sagt den Erwachsenen: Ihr seid es, die die Entscheidungen treffen, welches Auto gefahren wird, welche Produkte gekauft werden und vor allem, wer dieses Land regiert.“ Die älteren Generationen hätten jahrzehntelang von den fossilen Energien profitiert. Die nachfolgenden Generationen müssten mit den Folgen leben. „Das Mindeste, was unsere Eltern und Großeltern uns schulden, ist, dass sie uns jetzt zuhören und uns nicht als unwissende Schulschwänzer abtun.“
Am Kriegerdenkmal bewiesen viele Erwachsene: Sie haben verstanden.
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