Auch Personalmangel schlägt aufs Gemüt

Alarmierende IHK-Studie: 80 Prozent der Betriebe beklagen Bürokratie

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Besonders starke Unzufriedenheit herrscht laut IHK derzeit im Baugewerbe. Die Gründe sind vielfältig.

Diese IHK-Studie ist alarmierend: 80 Prozent der befragten Betriebe beklagen Bürokratiemangel. Doch das ist längst nicht alles, was die Wirtschaft sorgt.

Die Stimmung der Wirtschaft im Landkreis Freising hat sich im Frühjahr leicht verbessert, ein wirklicher Aufwind fehlt aber weiterhin. Zu diesem Schluss kommt die Industrie- und Handelskammer (IHK) auf Basis ihres aktuellen Konjunkturindex. Der legt zwar im Vergleich zum Herbst um fünf Zähler zu, liegt aber mit aktuell 111 Punkten weiter unterhalb des langjährigen Durchschnitts von 119 Punkten. Die aktuellen Geschäfte der Unternehmen stagnieren, auch für die kommenden Monate erwarten die Betriebe keine wesentliche Belebung, wie die IHK für München und Oberbayern mitteilt.

Ein Drittel der Betriebe in der Region München bezeichnet ihre Lage als gut, 19 Prozent sind hingegen unzufrieden, heißt es in einer Pressemitteilung der IHK. Besonders im Baugewerbe fällt die Unzufriedenheit erneut besonders stark aus. Die Betriebe sehen sich weiterhin mit akuten Herausforderungen konfrontiert: Ganze 80 Prozent beklagen die staatliche Bürokratie, die erstmals in der Konjunkturumfrage bei den Antwortmöglichkeiten zur Auswahl stand. Für 62 Prozent ist die fehlende Nachfrage ein Problem. Fehlendes Personal belastet 55 Prozent der Betriebe.

Nur der Tourismus blickt optimistisch in die Zukunft

Bei den Unternehmen keimt mit Blick auf die kommenden Monate kein großer Optimismus auf: Wie zu Jahresbeginn rechnen 21 Prozent der Betriebe mit einer Belebung ihrer Geschäfte. 14 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus. Immerhin: Das sind rund zehn Prozentpunkte weniger als zu Jahresbeginn. Besonders optimistisch ist der Tourismus. Ein möglicher Grund dafür sind die vielen Großevents, die im Sommer in München stattfinden, und von denen auch die umliegenden Landkreise profitieren dürften.

Die Unsicherheit hält aber an: Die fehlende Inlandsnachfrage zieht mit 62 Prozent als zentrales Risiko wieder an, es folgen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen mit 60 Prozent und der Arbeitskräftemangel mit 55 Prozent.

Konsum zieht nur langsam an

Schwache Wachstumsaussichten und hohe Unsicherheit hinsichtlich der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sorgen auch für Zurückhaltung bei der Investitionsbereitschaft und den Beschäftigungsplänen der Unternehmen: 25 Prozent der Unternehmen wollen Investitionen ausweiten, 20 Prozent möchten sie zurückschrauben. 16 Prozent der Unternehmen planen gar keine Investitionen. Personal aufbauen wollen 19 Prozent der Unternehmen und 16 Prozent wollen Stellen streichen.

„Leider fehlt es unserer heimischen Wirtschaft noch immer an Belebung und an Aufwind. Die Gründe dafür sind unter anderem ein nur langsam anziehender Konsum, geopolitische Spannungen sowie ungelöste strukturelle Standortprobleme. Darunter leiden die Unternehmen”, erklärt IHK-Vizepräsident Otto Heinz. „Unsere Forderungen an die Politik gelten daher weiter: Aufschwung und Wachstum gibt es nur mit deutlichen Abstrichen bei der Bürokratie. Das heißt konkret ein Stopp an neuen Auflagen und Berichtspflichten.“

IHK-Vizepräsident fordert mehr Arbeitsanreize

Außerdem fordert Heinz wettbewerbsfähige Unternehmenssteuern und eine Steuerpolitik, die private Investitionen ankurbelt und damit Innovationen und Unternehmertum stärkt. Zudem brauche es mehr Anreize, die persönliche Arbeitszeit auszuweiten. „Nur so schaffen wir mehr Produktivität und damit neues Wachstum.”

Die IHK hat für ihren Bericht im April zahlreiche Unternehmen in den Landkreisen Freising, Erding, Dachau, Ebersberg, Fürstenfeldbruck, Landsberg, München und Starnberg sowie in der Landeshauptstadt befragt. Dreimal im Jahr wird der Bericht veröffentlicht.

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