Inhaber bleibt optimistisch

Keine Chance gegen Corona: Q-Bar zog schon früh Reißleine – Personal hilft Hopfenbauern

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Halten zusammen: Johannes Wunner (l.) und das Q-Bar-Team – das Bild entstand vor den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie.

Schon bevor die Ausgangsbeschränkung kam, zog die Q-Bar in Freising die Reißleine. Der Inhaber versucht in der Krise etwas Positives zu sehen. Und seine Mitarbeiter helfen jetzt den Hopfenbauern.

Freising – „Danach werden wir alle bescheidener werden“, glaubt Johannes Wunner, Geschäftsführer des Freisinger Kult-Cafés „Q-Bar“, und meint damit die Zeit nach der Corona-Krise. Bereits bevor am Freitag die Ausgangsbeschränkung verhängt wurde, hat Wunner „die Bremse reingehauen“ und die Q-Bar für seine Gäste geschlossen – vor allem aus Verantwortung für seine Mitarbeiter.

Arbeitsplätze so lange wie möglich sichern

Dabei war Wunners Notfallplan vor Söders Entschluss jener gewesen: die Q-Bar irgendwie am Laufen zu halten, vordergründig um seine 15 Beschäftigten vor dem finanziellen Ruin zu bewahren. Diese Leute, so Wunner, würden in drei Schichten hart arbeiten und seien auf das Geld angewiesen. Also kam für den Chef das zügige „Zusperren“ trotz „Bauchschmerzen“ erst einmal nicht in Frage.

Wunners hohe Empathie für seine Mitarbeiter, alle ausschließlich Mini-Jobber und Werkstudenten, war vor Ort deutlich zu spüren: Der Geschäftsführer steckte selbst zurück, um die Arbeitsplätze seiner Angestellten so lange wie nur möglich zu sichern. „Ihr könnt meine Schichten haben“, sagte Wunner vor der gänzlichen Schließung noch ganz nebenbei zu seiner Bedienung und schüttelte gleichzeitig den Kopf: „Manchmal meinen die Leute, mit der Q-Bar hätte ich eine Goldgrube – das ist lächerlich.“

Wunner: Jeder Einzelne muss Verantwortung übernehmen

Das Vorhaben, bei seinem Café von 15 bis 18 Uhr Getränke „to go“, also zum Mitnehmen anzubieten, war allerdings nur kurz möglich gewesen. Dann überschlugen sich die Ereignisse in Bayern aufgrund zunehmend steigender Infektionszahlen. Nur einen Tag später, noch vor der Entscheidung der bayerischen Regierung, stoppte Wunner den laufenden Betrieb der Q-Bar schließlich doch: „Das ist es nicht wert“, berichtete er dem FT. Jeder Einzelne müsse jetzt Verantwortung übernehmen.

Er zeigte sich danach „erleichtert“, auch weil einige Freisinger seiner Meinung nach sehr unvernünftig gewesen seien und die Gefahrenlage unterschätzt hätten. Sichtlich gesundheitlich angeschlagene Leute seien in die Q-Bar gekommen – einfach nur, weil ihnen zu Hause langweilig gewesen sei. Vor den Wochenenden mit viel Publikumsverkehr hätte es Wunner zunehmend „gegraust“ – für ihn genau der richtige Zeitpunkt, „um ein Zeichen zu setzen“.

Teil der Belegschaft hilft beim Hopfenandrehen

Für den Geschäftsführer der Q-Bar war es damit jedoch nicht getan – er führte zahlreiche Telefonate und hatte dabei eine zündende Idee: Ein Teil der Belegschaft könne für die Übergangszeit beim Hopfenandrehen in der Hallertau aushelfen, wo Freiwillige derzeit, wie berichtet, händeringend gesucht werden. Wunner selbst werde von seinen finanziellen Reserven leben und das Beste hoffen. Ein großes Problem, so Wunner, seien in Freising sowieso immer schon die hohen Mieten gewesen – auch glaube er, dass einige Geschäfte wohl die Krise nicht überleben werden. Für die Q-Bar hofft Wunner auf eine gute Verständigung mit dem Vermieter und glaubt fest an das Fortbestehen des Cafés – wenngleich ihm demnächst auch noch die große Baustelle vor der Bar aufgrund der Moosach-Öffnung das Sommergeschäft erschweren werde.

„Ich bin Optimist“, sagt Wunner und sieht gleichzeitig auch eine Katharsis durch die aktuelle Lage: „Man hat das Gefühl gehabt, dass es so nicht weitergehen kann. Unsere Vollkasko-Gesellschaft will immer alles sofort haben. Eine heilende Wirkung wäre schön.“ Momentan verbringt der studierte Kunstpädagoge viel Zeit mit den Werken von Ernest Hemingway. „Ich genieße die freie Zeit.“

Richard Lorenz

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