„Runterfahren war leichter als Öffnen“

Kommt die zweite Infektionswelle? Versorgungsarzt: „Werden Zahlen genau im Blick haben“

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Dr. Mark Bardenheuer hat die Infektionszahlen im Landkreis Freising genau im Blick.
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Auf dem Höhepunkt der Corona-Infektionen in Freising wurde Dr. Mark Bardenheuer zum Versorgungsarzt des Landkreises ernannt. Im Interview spricht er über seine Arbeit und darüber, was jetzt wichtig ist.

Landkreis – Anfang April, auf dem Höhepunkt der Corona-Infektionen in Freising, wurde Dr. Mark Bardenheuer zum „Versorgungsarzt“ im Landkreis ernannt.

Dr. Bardenheuer, was macht denn eigentlich ein Versorgungsarzt?

Seine Hauptaufgaben sind die Einrichtung eines Testzentrums, die Etablierung von Schwerpunktpraxen und die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung im Landkreis.

„Meine Kollegen haben sehr viel Vorarbeit geleistet“

Klingt anspruchsvoll. Was konnten Sie bisher schon erledigen?

Vor meiner Ernennung haben ja meine Kollegen, der Katastrophenschutz und die Hilfsorganisationen schon sehr viel Vorarbeit geleistet. Da funktionierte zum Beispiel bereits das Testzentrum in Zolling. Das BRK hat dort die Tests durchgeführt, die die niedergelassenen Ärzte angeordnet hatten, und das Gesundheitsamt hat Kontaktpersonen von Infizierten nachverfolgt und getestet.

Wurden inzwischen auch schon Schwerpunktpraxen eingerichtet?

Auch da war schon eine Basis vorhanden: Meine Ärztekollegen hatten bereits intern abgefragt, wer schwerpunktmäßig die Testung von Corona-Verdachtsfällen und die Betreuung der Patienten übernehmen könnte. Nachdem sich einige Kollegen gemeldet haben, wurden vier Praxen zu Schwerpunktpraxen ernannt – in Hallbergmoos, Freising, Moosburg und Attenkirchen – also strategisch günstig über den Landkreis verteilt.

Am Klinikum hat sich die Lage entspannt. Ist das auch in den Schwerpunktpraxen so?

Rund um das Thema Corona ist es derzeit generell relativ ruhig. Die vier Schwerpunktpraxen reichen daher zum jetzigen Zeitpunkt auch aus, wobei dort, wie in allen Hausarztpraxen, nun vermehrt wieder „normale“ Patienten anzutreffen sind. Die Zahl dieser Patienten war ja zum Höhepunkt der Infektionen sehr stark zurückgegangen. Zum einen wurden Menschen mit zum Beispiel Erkältungs-Symptomen dringend gebeten, nur im absoluten Notfall in die Praxen zu kommen, zum anderen gab es Befürchtungen, sich dort anzustecken. Eine Angst, die übrigens absolut unbegründet war. Da war das Risiko, sich beim Einkaufen anzustecken, vermutlich höher. Auch in der Notaufnahme des Klinikums sank die Zahl der Patienten mit leichten Erkrankungen und Verletzungen deshalb drastisch.

„Eine Patienten wären beinahe zu spät gekommen“

Was aus ärztlicher Sicht natürlich auch etwas beunruhigend ist.

In der Tat haben sich jetzt einige Patienten – also Nicht-Corona-Patienten – fast schon zu spät in ärztliche Behandlung begeben. Sie hatten Bedenken, die Praxen oder die Notaufnahme aufzusuchen – und wären beinahe zu spät gekommen.

Werden Tests nun ausschließlich in diesen vier Praxen durchgeführt?

Nein, es testen auch andere Hausärzte. Nur einige kleinere Praxen geben ihre Corona-Verdachtsfälle an die eingerichteten Schwerpunktpraxen ab, die beispielsweise in Sachen Schutzausrüstung oder der Möglichkeit, Patienten zu separieren, ausreichend gerüstet sind.

Auch Sie also Versorgungsarzt werden die Auswirkungen der schrittweisen Lockerungen sicher genau verfolgen. Haben Sie Angst vor einer zweiten Infektionswelle?

Es gibt ja keinerlei Erfahrungswerte. Niemand weiß, wie man mit so einer Situation umgeht. Das Runterfahren war sicher einfacher als jetzt das Öffnen. Wir werden in den nächsten Wochen die Infektionszahlen genau im Blick haben. Inzwischen wurden aber im Landkreis Freising auf allen Ebenen die Strukturen so gefestigt, dass wir auch bei einem wieder deutlich erhöhten Aufkommen an Covid-19-Patienten eine gute Versorgung sicherstellen können.

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