VonMagdalena Höcherlschließen
In Freising sitzt eine europäische Agentur, die die Lebensmittelbranche verändern will. „EIT Food“ beschäftigt sich mit der Frage, was und wie wir in Zukunft essen.
Freising – In 30 Jahren sollen zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben. Wie werden diese ernährt? Wie können wir zunehmende Volkskrankheiten wie Übergewicht und Diabetes eindämmen? Außerdem landen aktuell 35 Prozent unserer Lebensmittel im Müll. Was können wir dagegen tun? Antworten auf diese und mehr Fragen werden in Freising gesucht. Dahinter steht das Team von European Institute of Innovation & Technology, kurz EIT Food.
Diese Agentur der Europäischen Union arbeitet daran, das Ernährungssystem nachhaltiger, gesünder und verantwortlicher zu machen. Ziel ist es, Innovationen und die Gründerszene im Bereich der Lebensmittelproduktion in ganz Europa zu fördern und auszubauen. In der Domstadt werden dabei die Aktivitäten für Deutschland, Österreich und die Niederlande gebündelt.
„Es geht immer um gesellschaftspolitische Ziele“
Undurchsichtige Lieferketten, wenig Vertrauen und Transparenz sowie wenig Digitalisierung würden das Agrar- und Lebensmittelsystem in Europa prägen, erläuterte Geschäftsführer Georg Schirrmacher im Pressegespräch am Montag. „Unsere Mission ist, das Agrar- und Lebensmittelsystem in Europa zu transformieren.“ Die Schwerpunkte lägen dabei auf Kreislaufwirtschaft sowie auf der nachhaltigen Produktion von Lebensmitteln – vom Feld bis zur Supermarkttür.
Dabei arbeitet EIT Food nicht nur mit Start-ups, sondern gleichermaßen mit Wissenschaftseinrichtungen wie der TU oder dem Fraunhofer Institut, aber auch mit Großkonzernen wie Nestlé, Danone, Siemens, Bosch oder John Deere zusammen. Gespräche würden derzeit unter anderem auch mit großen Supermarktketten geführt. Die Arbeit aller Beteiligten gehe dabei „auf Augenhöhe“ vonstatten, erklärte Schirrmacher. EIT sei zwar neutral positioniert, generiere aber einen gewissen Druck im Markt – der gerade Großkonzerne dazu bringen soll, nicht mehr nur wirtschaftlich zu denken, sondern die ökonomische wie die soziale Komponente, der sie sich durch die Partnerschaft mit EIT Food verschrieben haben, genauso zu berücksichtigen. „Die Leute, die dabei sind, sind keine Verhinderer, sondern Ermöglicher“, betonte der Geschäftsführer. Sie arbeiteten daran, Lebensmittelverschwendung einzudämmen, Verpackungen nachhaltiger zu gestalten oder Volkskrankheiten aufgrund von nicht optimaler Ernährung zu reduzieren. „Letzten Endes geht es immer um unsere gesellschaftspolitischen Ziele.“
Der Konsument steht im Fokus
Im Zentrum stehe dabei stets der Konsument. Und um noch näher an den Einzelnen zu kommen, plant EIT Food derzeit Ausstellungen, etwa in der Sparkasse oder am Flughafen. Zudem sind Dialogforen für interessierte Bürger sowie Projekte mit Schulen und Kindergärten angedacht. EIT hätte sich auch auf dem Uferlos-Festival vorstellen wollen – das alles erwies und gestalte sich jedoch aufgrund der Corona-Lage schwierig.
Um trotz der besonderen Umstände Start-ups und regionale Betriebe zusammenzubringen, findet nächsten Mittwoch, 8. Juli, eine digitale Netzwerkveranstaltung statt. Denn für viele Start-ups sei es anfangs vor allem schwer, einen Fuß in die Tür zum großen Markt zu bekommen.
Ein neu gegründetes Unternehmen aus der Region, das mithilfe von EIT schon erfolgreich dabei ist, das Konsum- und Ernährungsverhalten zu verändern, ist etwa „Pläin“ aus Freising, das einen Pflanzendrink entwickelt hat, der dem tatsächlichen Vollmilchgeschmack extrem nahekommt. Andere Beispiele sind „Air up“ aus München, ein Trinkflaschensystem, das Wasser nur durch Duft Geschmack verleihen kann – ohne Zucker, Kalorien oder gesundheitsschädliche Zusatzstoffe. Und die Firma „Farminsect“ aus Bergkirchen (Landkreis Dachau), hilft Landwirten, Proteinfuttermittel für ihr Vieh selbst und regional herzustellen.
Aktuelles im Kreis Freising
Ihr Forschungsthema ist das Kneten: Im Rahmen der TUM-Vortragsreihe weihte Prof. Natalie Germann die Zuhörer im Lindenkeller in die Wissenschaft des Brotbackens ein.
In der Domstadt summt es ordentlich - man muss nur genau hinschauen. Das tut Julie Weissmann, die an der TUM zum Thema „Wildbienen in Freising“ forscht. Interessierte können sie unterstützen.
