VonManuel Eserschließen
Noch immer mangelt es an medizinischer Schutzausrüstung gegen Corona. Ein neues, in Freising mitentwickeltes Desinfektionsverfahren könnte Abhilfe schaffen.
Freising – Noch immer müssen Einsatzkräfte mit Corona-Schutzausrüstung haushalten. Noch immer bestehen große Engpässe bei der Versorgung mit medizinischen FFP3-Masken. Ein neues Desinfektionsverfahren, das am Fraunhofer IVV in Freising mitentwickelt wurde, könnte Abhilfe schaffen. Das BRK testet es bereits – mit Erfolg.
Im Rahmen eines Verbundprojekts, an dem auch Akteure aus der Industrie und dem Katastrophenschutz involviert waren, hat das Fraunhofer IVV die Wirksamkeit von Plasmaverfahren gegenüber verschiedenen Mikroorganismen untersucht und die optimalen Einstellungen ermittelt. Der Vorteil der Technik: Im Gegensatz zu herkömmlichen, chemischen Desinfektionsmethoden kommen keine Gefahrstoffe zum Einsatz.
Technik wurde unter dem Eindruck von Ebola entwickelt
„Das System arbeitet mit Umgebungsluft“, erläutert Peter Muranyi vom Fraunhofer IVV erläutert. „Das Plasmaverfahren ist auch zuverlässiger bei der gleichmäßigen Behandlung aller Oberflächen.“ Der Faktor Zeit sei ebenfalls relevant. „Chemikalien zur Raumdesinfektion, wie zum Beispiel Formaldehydlösungen, müssen oft über mehrere Stunden einwirken“, sagt Muranyi. „In Pandemiezeiten gilt es aber, dass Fahrzeuge, Schutzausrüstung oder Räume deutlich schneller wieder aufbereitet sind.“.
Die Technik wurde unter dem Eindruck der 2014 ausgebrochenen Ebola-Epidemie in West-Afrika für den Einsatz im Katastrophengebiet entwickelt. Dank der engen Zusammenarbeit mit Rettungskräften wurden bei der Entwicklung der Technik wichtige praxisrelevante Aspekte berücksichtigt, betont Muranyi. Das mobile Gerät, das im Wesentlichen aus einem kompakten Generator und einer speziellen Plasmadüse bestehe, sei per Knopfdruck leicht zu bedienen und für alle Klimazonen der Erde funktionsfähig ausgelegt. Dank optionalen Akkubetriebs komme es auch ohne Notstromaggregat aus. „Der Desinfektionsprozess wird mit Hilfe einer Gassensorik kontrolliert, die misst, wann der entsprechende Raum ausreichend stark mit Plasma geflutet ist, und auch darauf hinweist, wann sich die Konzentration so aufgelöst hat, dass der Raum wieder betreten werden kann.“
Masken können in 30 Minuten desinfiziert werden
Inzwischen wurde zudem ein Pilotstand zur Aufbereitung von Schutzausrüstung aufgebaut, bei dem das Plasmasystem mit einem Schrank verbunden ist, berichtet Muranyi. „In diesem lassen sich zum Beispiel Schutz- und Beatmungsmasken in 30 Minuten desinfizieren, und damit bis zu 2000 Stück am Tag aufbereiten.“ Die Wirksamkeit gegenüber Coronaviren wird aktuell untersucht. Weitere Erkenntnisse müsse man zur Materialverträglichkeit sammeln. „Die Frage ist, wie oft Masken so behandelt werden können, ehe sie nicht mehr verwendbar sind.“
Eine entscheidende Waffe gegen tödliche Viren könnte das neue Verfahren für Krankenhäuser, Arztpraxen und Seniorenheimen werden – überall dort eben, wo ein hohes Aufkommen an kranken Personen herrscht – und viele Oberflächen desinfiziert werden müssen. Auch in Supermärkten und öffentlichen Verkehrsmittel ließe sich das Verfahren problemlos zum Einsatz bringen.
Zulassung könnte Corona-bedingt schneller erfolgen als üblich
Für die Anwendung als Desinfektionsverfahren muss das System noch zugelassen werden. Insofern ist die derzeitige Pandemie – so makaber es klingt – ein Glücksfall für die Wissenschaft. Nicht nur, weil das neue System einem Stresstest unter Realbedingungen ausgesetzt ist. „Die jetzige Situation hilft uns auch dabei, die Entwicklung von Technologien durch den gesteigerten Investitions- und Förderwillen zu beschleunigen “, sagt Muranyi. Schließlich hoffe man in der Politik, es noch in der aktuellen Pandemie zum Einsatz bringen zu können.
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