Durch den Regen steigt die Einsturzgefahr

Freisinger Einsatzkräfte kämpfen seit vier Tagen gegen Schneemassen – Lage spitzt sich zu

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Sie räumen und räumen: Bis Sonntag hatten die Feuerwehren im Kreis Freising laut Landrat Josef Hauner bereits 700 Einsatzkräfte bereitgestellt, die – wie die Kranzberger Kameraden auf diesem Foto – in Traunstein einsturzgefährdete Gebäude von den Schneemassen befreiten.
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Seit Freitag arbeiten mehrere hundert Einsatzkräfte aus dem Kreis Freising daran, den Schneemassen im Süden Bayerns Herr zu werden. Das Tauwetter verschärft die Lage dramatisch.

Landkreis – Es ist der vierte Tag im Kampf gegen das Schneechaos: Seit Freitag arbeiten mehrere hundert Einsatzkräfte von Feuerwehr, THW und BRK daran, den Schneemassen im Süden Bayerns Herr zu werden. Das einsetzende Tauwetter verschärft die Lage dramatisch – auch im Landkreis Freising. Sie räumen und räumen und räumen: „Wir sind den vierten Tag vor Ort. Die Schneeberge sind hoch, aber die Stimmung ist gut“, sagt Kreisbrandrat Manfred Danner. Unter seiner Führung waren am Montag rund 270 Kräfte in Traunstein im Einsatz. Wie berichtet, helfen die Frauen und Männer dort seit Freitag, um die Stadt von den weißen Massen zu befreien. Trotz der guten Laune nimmt die Situation niemand auf die leichte Schulter. Denn mittlerweile hat es nicht nur im Kreis Freising, sondern auch in den Schneehochburgen angefangen zu regnen – und die Lage spitzt sich zu. 

Wie Eva Zimmerhof, Pressesprecherin des Landratsamts, berichtet, musste am Sonntag ein Zug mit 62 Einsatzkräften kurzfristig ausrücken: Zunächst hieß es, dass einige Dächer in einem Ferienpark in der Gemeinde Siegsdorf wegen der Schneelast eingestürzt seien. Das habe sich zum Glück als Fehlermeldung herausgestellt. Die Feuerwehrler halfen, 160 Gebäude zu kontrollieren und einige zu evakuieren. 

„Die Einsturzgefahr steigt“

Mittlerweile beschäftigt die Helfer neben dem Schnee ein weiteres Problem: der Regen. „Durch den Regen wird der Schnee schwerer. Die Einsturzgefahr steigt“, sagt Danner im Gespräch mit unserer Zeitung. Deshalb werde vor Ort mit Hochdruck daran gearbeitet, die Dächer von Schnee zu befreien, die ein Statiker als einsturzgefährdet eingestuft hat. Oberste Priorität hätten laut dem Kreisbrandrat Gebäude, die nötig sind, um die Infrastruktur aufrechtzuerhalten. „Dazu zählen die Dächer von Tankstellen, Notunterkünften, Kinderkrippen, Dialysezentrum, Krankenhaus und Rathaus“, zählt Danner auf. 

Ein See aus dem Nichts: Auf dieser Wiese bei Flitzing weiden normalerweise Kühe. Das Schmelzwasser und der Regen haben das Gelände in einen Weiher verwandelt.

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„Am Sonntagabend hat es noch einmal geschneit, aber sehr nass“, berichtet auch BRK-Kreisgeschäftsführer Albert Söhl. Er und seine Kameraden sind ebenfalls seit dem Wochenende im Einsatz – im Kreis Miesbach. Über 30 Leute seien in Miesbach, Bad Wiessee, Tegernsee und Bayerischzell, um Menschen aus evakuierten Häusern in Notunterkünften mit Feldbetten zu versorgen, Suppen und heiße Getränke an die Helfer zu verteilen und die BRK-Einsatzkräfte vor Ort zu unterstützten. „Dass wir helfen, ist wirklich notwendig“, sagt Söhl. „Da brauchen wir gar nicht reden.“

Glonn hat bei Hohenkammer Meldestufe eins überschritten

Doch nicht nur im Süden Bayerns, sondern auch im Landkreis verschärft sich die Lage: Hier sorgen nicht Schnee und Eis, sondern Regen und Tauwetter für Schwierigkeiten: Die Schneeschmelze überschwemmt Wiesen, Flüsse und Bäche treten über die Ufer. „Die Glonn hat bei Hohenkammer schon die Meldestufe eins überschritten“, berichtet Christian Leeb, Behördenleiter des Wasserwirtschaftsamts München, auf FT-Nachfrage. In der Folge sei auch der Pegel der Amper verhältnismäßig hoch. Im Landkreis seien daher schon einige Wiesen

Jede Schaufel hilft: Ein Statiker gab vor, welche Dächer so schnell wie möglich geräumt werden müssen.

überschwemmt. Mit einem Ausnahmezustand rechnet Leeb in nächster Zeit jedoch nicht: Für diese Woche würden die Wetterdaten keine dramatischen Aussichten zeigen. Auch der Wasserstand in der Isar dürfte kein Problem darstellen. Leeb erklärt: „In den Bergen ist es einfach immer noch zu kalt.“

Sorgen um die Sicherheit brauche sich laut Kreisbrandrat Danner ohnehin niemand zu machen: Auch wenn die Wehren im Katastrophenfall zu Einsätzen wie nach Traunstein gerufen werden, sei der Grundschutz in der Heimat in jeder Gemeinde garantiert. Danner betont: „Die Sicherheit der Bürger ist immer zu 100 Prozent gegeben.“ Sorge bereite dem Kreisbrandmeister der aktuelle Stand nicht. Er teilt die Meinung des Wasserwirtschaftsamts-Chefs: „Das ist noch alles im Rahmen des Normalen.“

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