Freising - Seit fünf Jahren ist der Klimperkasten in Vötting Antje‘s Klimperkasten. Zum Jubiläum haben „De andern“ für Antje sogar ein Lied komponiert und bei der großen Geburtstagsparty mit mehreren hundert Freunden, Bekannten und Gästen vorgetragen. Da musste dann auch Antje Schollweck, die die Kneipe wieder mit Leben erfüllt und zur Kult-Kneipe gemacht hat, ein bisschen weinen. Das Freisinger Tagblatt hat sich mit Antje Schollweck (42) unterhalten.
Seit fünf Jahren ist es Antje’s Klimperkasten, man muss Plätze reservieren, die Currywurst und die Pommes sind Kult. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Das ist schwer zu sagen. Das sind wohl mehrere Faktoren. Das Wichtigste ist, dass man es als Wirtin zu 150 Prozent gerne macht. Man muss gerne Gäste haben, man muss als Dienstleister dienen und was leisten wollen. Dann ist die Qualität des Essens ganz wichtig. Ich will einfach, dass es meinen Gästen gut geht. Der Klimperkasten ist ein Gasthaus, kein Wirtshaus. Nun musste erst eine Preußin aus Berlin nach Vötting kommen, um die Kultkneipe wieder aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. Ich bin vor 16 Jahren nach Bayern gekommen, dann über München, Tüntenhausen und Freising nach Vötting. Meine heutigen Schwiegereltern und mein Mann haben mir den Start mit dem Klimperkasten schon sehr erleichtert. Und die ersten Gäste und Stammtische sind schon wegen meines Mannes gekommen. Aber schnell haben die Vöttinger gemerkt, dass in dieser Kneipe jeder willkommen ist. Und es ist ein Gasthaus für alle – vom Säugling im Alter von zwei Wochen bis zum 87-Jährigen, vom Hartz IV-Empfänger bis zum Schickimicki aus München. Und mir ist beim Einkauf meiner Waren auch wichtig, dass das Geld in Vötting und in der Region bleibt.
Wie war das aus Ihrer Sicht – so als bayerische Wirtin aus Berlin?
Also, die bayerische nonverbale Bestellmentalität – die ersten drei Mal mit dem Kopf nicken bedeutet: ein Bier, das vierte bedeutet: zahlen – war mir schon neu. Aber ich weiß inzwischen, wer an der Bar sitzen und seine Ruhe haben und wer an Tischen etwas bespaßt werden will.
Das Currywurst-Konzept ist etwas Besonderes. Und es ist von Anfang an aufgegangen, oder?
Ja, das hat von Anfang an reingehauen. Obwohl ich mich noch an eine erste Blindverköstigung mit Freunden ganz am Anfang erinnere, als mein Schwiegervater das so kommentierte: „Die frittierten Wollwürste isst doch keiner.“ Aber das war für mich erst recht eine Herausforderung, zu zeigen, dass ich es schaffe.
Haben Sie jemals überlegt, den Namen Klimperkasten zu ändern?
Nein. Dazu habe ich zu viel Respekt vor der Historie der Kneipe und dem Namen. Mir war klar: Egal, wie ich die Kneipe nennen würde – sie würde immer der Klimperkasten bleiben. Aber ich habe das „Antje’s“ davorgesetzt, um schon zu zeigen, dass jetzt ein anderer Wind weht.
Ist auch das ein Erfolgsrezept?
Wohl schon. Denn der Klimperkasten ist für die Vöttinger ihr Klimperkasten. Die Vöttinger sind eben schon ein eigener Schlag. Aber ich mag sie gern. Icke und Vötting – das ist schon ein Phänomen.
Interview:
Andreas Beschorner
