Diskussion im Kulturausschuss

„Absolute Unverschämtheit“: Konzept „Digitale Schule“ sorgt für Schimpftiraden in Freising

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Wie digital sollen Freisings Schulen werden? Das neue Konzept löste im Kulturausschuss eine hitzige Debatte aus.
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Das Konzept „Digitale Schule“ hat im Freisinger Kulturausschuss für heftige Schimpftiraden gesorgt. Der Wahlkampf hat begonnen.

Freising – Das Konzept „Digitale Schule Freising“ wurde allseits gelobt. Aber dass man so ein Konzept brauche und schon Grundschüler mit Hightech ausstatte, stieß bei den Stadträten teilweise auf Kritik. Dann war dieses Konzept im Kulturausschuss auch noch Anlass für heftige Schimpftiraden.

„Ich verbitte mit diesen Ton, Frau Günther“

Der Wahlkampf hat begonnen: Grünen-Stadträtin Susanne Günther, die an diesem Donnerstagabend zur OB-Kandidatin ihrer Partei gewählt werden soll, sprach von einem „Unding“ und bezeichnete es als „absolute Unverschämtheit“ der Bayerischen Staatsregierung, dass sie bei der Digitalisierung der Schulen Dinge von den Kommunen fordere, diese aber nicht zur Gänze zahle. Dass dann noch der Sachaufwandsträger (die Stadt) für Personal und EDV-Betreuung aufkommen müsse, trieb ihr die Zornesröte ins Gesicht

Susanne Günther griff die Staatsregierung an.

. CSU-Stadtrat Hubert Hierl konterte: „Ich verbitte mir diesen Ton, Frau Günther!“

Digital-Konzept löst Debatte aus

Ausgelöst hatte die politische Debatte das von Johannes Bauer und Elmar Kaiser vom Amt 12 (EDV und Informationstechnik) erarbeitete Konzept „Digitale Schule Freising“, mit dem man auf die diversen Förderprogramme zur Digitalisierung reagiert. Ziel des Konzepts, das in sechs Grund- und Mittelschulen im Stadtgebiet Anwendung finden soll, sei es, die Digitalisierung in Schulen „förderkonform, möglichst einheitlich und sch

Hubert Hierl verbat sich die scharfe Attacke.

nell voranzutreiben“. So hat man nach sechs Treffen einer Projektgruppe eine „Standardausstattung“ für die Klassenzimmer definiert, die Aufgaben eines Schulservers festgelegt, Vorgaben für das Netzwerk und das WLAN erarbeitet, Möglichkeiten der Verwendung mobiler Endgeräte aufgezeigt oder auch den Einsatz sogenannter „Digitaler Schwarzer Bretter“ bestimmt. Vor allem aber hat man auch schon einmal abgeschätzt, dass zur Betreuung der gesamten EDV an den Schulen im Amt 12 zwei zusätzliche Vollzeitkräfte notwendig wären, um stets einen funktionierenden Ablauf zu gewährleisten.

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1,6 Millionen Euro Kosten

Vorsichtig äußerten sich Bauer und Kaiser zu den Kosten: Pauschal könne man von 10.000 Euro pro Klassenzimmer ausgehen. Für die Stadt Freising könne man den Ansatz auf 8000 Euro senken, weil die notwendige Verkabelung bereits vorhanden und teilweise auch schon WLAN im Einsatz sei. Dennoch: Bei 200 Klassenzimmern komme man immer noch auf Kosten in Höhe von 1,6 Millionen Euro – höchstwahrscheinlich verteilt auf vier Jahre. Fraglich sei, ob man die bis zu 90-prozentigen Zuschüsse der Förderprogramme auch wirklich bekomme. Zu viel sei da noch ungeklärt. Man rechne vorsichtig mit einer Million Euro an Fördergeldern. Günther prophezeite gar, es könne gut sein, dass man nur 20 Prozent erhalte. Hinzu komme, so Kaiser und Bauer, dass man für die Anschaffung von Ersatzgeräten künftig pro Jahr mit 300.000 Euro rechnen müsse.

„Kinder müssen erstmal Lesen und Schreiben lernen“

Monika Schwind (FSM) eröffnete den Reigen der Stadträte, die das Konzept lobten: „Toll und ausgereift“ sei das Papier. Besonders zu begrüßen sei, dass künftig „nicht jede Schule vor sich hin wurschtelt“. So gut das Konzept auch ausgearbeitet sei, Peter Warlimont (SPD) fand es „ein Unding“, dass die Schüler laut Vorgabe des Freistaats ihre eigenen Mobilgeräte mitbringen müssten. Auch dafür müsste der Freistaat aufkommen. Außerdem: Was man jetzt anschaffe und in fünf Jahren wegwerfen könne, sei wahrlich kein Ruhmesblatt für Nachhaltigkeit. Und: „Digitalisierung wird zum Fetisch erhoben.“ Ins selbe Horn stießen Monika Hobmair (ÖDP) und Monika Riesch (FSM): Zumindest an Grundschulen sollte man auf Digitalisierung verzichten. „Die Kinder müssen doch erstmal Lesen und Schreiben lernen“, so Hobmair.

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