VonHelmut Hobmaierschließen
Die Gäste kommen wieder, die Stühle sind besetzt – und treue Stammtische haben ihrem Wirt auch in der tiefsten Krise geholfen und Mahlzeiten „to go“ geordert. Trotzdem blickt Gastronom Reinhard Wagner besorgt in die Zukunft.
Freising – Reinhard Wagner betreibt in Freising den Weißbräu Huber in der Unteren Altstadt und den Hofbrauhauskeller am Lankesberg. Das sind zwei traditionsreiche, bestens eingeführte Gasthäuser mit zwei beliebten Biergärten – die trotz der Lockerungen existenziell gefährdet sind, wie Wagner berichtet. Wegen der erforderlichen Abstände der Tische reduziert sich nämlich der Umsatz drastisch. Gleichzeitig erhöht sich der Personalaufwand. „Auf Dauer wird das schwierig“, sagt Wagner. Er braucht derzeit allein im Weißbräu Huber drei Mitarbeiter mehr als üblich: Einen Platzeinweiser am Check-in und jeweils einen Mitarbeiter, der für die Desinfektion der Tische und der Toiletten zuständig ist.
„15-Meter-Stammtisch von Herrn Aiwanger haben wir leider nicht“
Seit drei Wochen hat Wagner mit seinen Teams an Hygienekonzept und der Umsetzung der Corona-Auflagen in den beiden Gasthäusern getüftelt. Und diese Auflagenhaben es in sich: Von den 180 Sitzplätzen im Weißbräu Huber bleiben nur noch maximal 88, wenn die Abstände eingehalten werden sollen. „Wenn man aber kein Risiko eingehen will, sind es sogar nur noch 50 bis 60“, betont Wagner. Diese Plätze waren am Montagmittag recht gut belegt. Allerdings seien gerade ältere Menschen noch etwas „verschreckt“ und trauten sich wohl noch nicht so recht in die Wirtshäuser, vermutet Wagner. Andererseits fehlten natürlich die Stammtische und geselligen Runden, die wegen der erforderlichen Abstände wegblieben. „Den 15-Meter-Stammtisch von Herrn Aiwanger haben wir leider nicht“, sagt Wagner. Auch seien einige seiner Stammgäste noch nicht „zurück“, wie der aus Österreich stammende Gastronom berichtet.
„Das geht an die Substanz“
„Ob es sich bei dieser Auslastung langfristig rechnet, kann ich noch nicht sagen“, so der Wirt. „Aber es hilft ja nichts. Wir müssen das jetzt machen. Nichts zu tun, ist keine Option. Es gibt keinen Plan B.“ Wagner ist überzeugt davon, dass sich an diesen Auflagen bis zum Sommer 2021 nichts ändern wird. „Eine schwierige Perspektive. Auch, weil ich meine Leute anständig bezahlen will und wir im Sommer eigentlich eine finanzielle Reserve für den Winter aufbauen müssten. Aber wenn man weniger als die Hälfte der Plätze zur Verfügung hat, geht das nicht.“
Der Freisinger Wirt denkt aber nicht nur ans Geld, wenn er in die Zukunft blickt. Vor allem für das Küchenpersonal seien die Masken eine Tortur. „Das geht an die Substanz“, weiß Wagner. „Eigentlich bräuchte ich für meine Leute ein Sauerstoffzelt.“
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