„Undtr der Gürtellinie“

Online-Bewertungen ärgern Freisinger Wirte: Google lässt das kalt

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Die schlechteste aller Bräustüberl-Bewertungen steht im Internet an erster Stelle – obwohl sie drei Jahre alt ist. Erst dahinter folgen aktuelle – und fast immer positive – Eintragungen. Auf Beschwerden reagiert Google gar nicht erst.
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Der Wirt des Tegernseer Bräustüberls will Google verklagen. Auch Wirte in Freising ärgern sich darüber, wie sie im Internet dargestellt werden - und appellieren an die Gäste.

Freising – Für Thierry Willems sind sie ein Fluch – die Plattformen im Internet, in denen Restaurants bewertet werden können, und vor allem die Suchmaschine Google. „In den letzten Jahren ist das alles für Gastronomen zu einem großen Stress geworden“, sagt der Wirt des Bräustüberls Weihenstephan.

Er kann daher seinen Berufskollegen Peter Hubert nur zu gut verstehen. Der Wirt des Tegernseer Bräustüberls hat angekündigt, Google zu verklagen. Denn wer die Traditionswirtschaft dort sucht, erhält neben Kontaktdaten und Bewertungen auch Auskünfte über Stoß- und Wartezeiten. Und die seien laut Hubert deutlich niedriger, als beim Internetriesen angegeben. Die Gefahr, die er sieht: dass sich potenzielle Besucher von den dort angegebenen, zu langen Wartezeiten abschrecken lassen.

Freisinger Wirt: Google stellt schlechte Bewertungen nach oben

Geschäftsschädigende Auswirkungen sieht auch Willems in den Angaben des Internet-Giganten – allerdings eher, was die Online-Bewertungen angeht. „Da gibt es Leute, die bei jedem kleinen Problem Bewertungen abgeben, die völlig unter der Gürtellinie sind“, sagt er. „Im Internet fühlen die sich wie Helden, und vor Ort sind sie zu feige, ein Problem anzusprechen, das sich vielleicht ganz leicht aus der Welt schaffen lassen könnte.“ Denn dass Fehler bei rund 300 000 Bestellungen im Jahr passieren, räumt er ein. „Wir sind keine Roboter“, betont er. „Aber wenn Fehler passieren, stehen wir dafür gerade.“

Was Willems besonders stört: dass bei den Google-Bewertungen eine besonders negative immer an erster Stelle in der Darstellung erscheint. Und das, obwohl diese Bewertung bereits drei Jahre alt ist, und die große Mehrzahl der über 1500 Bewertungen positiv ist. Bei 4,4 von fünf Sternen liegt das Bräustüberl derzeit. „Aber dass vor drei Jahren einer unzufrieden war, steht auf Platz 1“, ärgert sich Willems. Der Wirt hat Google deshalb angeschrieben. „Eine Antwort habe ich nicht erhalten.“

Bräustüberl hat einen Online-Wächter eingestellt

Inzwischen hat Willems sogar einen Mitarbeiter eingestellt, der täglich vier Stunden lang nur die Online-Portale nach Rezensionen durchforstet. „Wir schreiben den Rezensenten dann auch über das Portal zurück“, berichtet der Wirt. Das Feedback aber ist gering. „Etwa 90 Prozent antworten nicht.“

Auch Natascha Mavric, Pächterin des Grünen Hofs, ärgert sich über das „falsche Bild“, das im Internet über ihre Wirtschaft entstehe. „Tausend Gäste verabschieden sich glücklich von uns, wenn sie gehen. Und einer ist aus irgendeinem Grund frustriert und beschwert sich im Internet.“ Dass sich gegen Google etwas ausrichten lässt, glaubt Mavric nicht. „Und mich hinzusetzen, um Rezensionen zu manipulieren – dazu habe ich keine Lust.“

Gastronom appelliert: Gäste sollen Probleme vor Ort ansprechen

Stefan Olschewski, Wirt des Heurigen, sagt, dass Angaben zu Stoßzeiten auch Werbung für einen sein können – zeige es doch, dass ein Lokal beliebt sei. Er würde sich aber statt Internetrezensionen lieber wünschen, dass Gäste ein Problem vor Ort monieren. „Das wäre das Ehrlichste und Beste.“ Denn dann könnte der Wirt noch reagieren – zum Wohl des Kunden. „Kürzlich hat uns jemand mitgeteilt, dass sein Fleisch zäh ist. Das haben wir natürlich zurückgenommen und im Zuge dessen auch rausgefunden, dass uns das falsche Fleisch geliefert worden war. Der Lieferant ist rausgeflogen, der Gast hat etwas anderes zum Essen bekommen.“

Sehr entspannt geht Karl-Georg Hepting mit den Informationen um, die Google über seinen Landgasthof ausspuckt. Das einfache Rezept des Massenhausener Wirts: „Ich weiß gar nicht, was drinsteht. Ich habe seit Wochen nicht mehr nachgesehen.“

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