VonWolfgang Schnetzschließen
Tausenden Kunden der Sparkasse Nürnberg ist unerwartet die Kündigung ihrer Verträge „Prämiensparen flexibel“ ins Haus geflattert. Weitere bayerische Sparkassen ziehen nun nach.
Freising – Tausenden Kunden der Sparkasse Nürnberg ist unerwartet die Kündigung ihrer Verträge „Prämiensparen flexibel“ ins Haus geflattert. Die Bank verwies auf ein BGH-Urteil von Mai 2019. Weitere Sparkassen in Bayern ziehen nun nach, etwa im Freisinger Nachbarlandkreis Erding. In der Domstadt wartet man noch ab.
Sparkasse kündigt Prämiensparverträge
Schon lange klagen Banken über die hohen Belastungen durch negative Zinsen. Die Sparkassen kündigten nun zahlreiche Prämiensparverträge – und das nicht nur in Nürnberg. Diese Prämiensparverträge, meist aus den 1990er oder 2000er Jahren, bei denen die Kunden neben einer geringen Grundverzinsung Prämien von bis zu 50 Prozent des jährlichen Sparbetrages erhielten, sind den Häusern schlicht zu teuer geworden. Und der BGH hat entschieden, dass bis zum Erreichen der höchsten Stufe dieser Prämiensparverträge nicht gekündigt werden darf. Aber danach, folgerte die Sparkasse Nürnberg und andere.
„Wir haben noch keine endgültige Entscheidung getroffen“
Freisings Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Johann Kirsch sagt zur Situation in seinem Haus: „Wir haben noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Wir warten
erst einmal die schriftliche Begründung des Urteils ab.“ Dann werde er zusammen mit seinem Team die Marschroute festlegen.
Was ihm an der Diskussion derzeit nicht so recht schmecke, sei die „verzerrte“ Darstellung der Fakten: hier „die schlimme Sparkasse“, da der „machtlose Kunde“. Ein Vertrag bestehe eben immer aus zwei Seiten: dem Kunden und der Sparkasse: „Beide Seiten haben Rechte und Pflichten.“
Lesen Sie auch: Drei Schließungen in 2018 – nun schließt Sparkasse weitere Filiale in Freising
Und es sei nun mal nicht weg zu diskutieren, dass die Anlageform des Prämiensparens vor dem Hintergrund der derzeitigen wirtschaftlichen (Niedrigzinssituation), in der sich die Sparkassen befänden, „nicht kapitalmarktverträglich ist“. Johann Kirsch: „Würde ich das Urteil des BGH ignorieren, würde ich ja gegen die wirtschaftlichen Interessen der Sparkasse handeln. Und das darf ich nicht.“
Dennoch: Einen Schnellschuss abzufeuern, hält der Freisinger Banker für den falschen Weg: „Das muss alles planvoll geschehen. Wir werden uns die schriftliche Begründung genau ansehen. Es muss ja darüber hinaus auch herausgefunden werden, ob die Urteilsbegründung auch auf die Flexsparverträge der Sparkasse Freising zutrifft.“
„Es wird auf alle Fälle Kundengespräche geben“
In der Zwischenzeit seien alle Fachbereiche des Hauses angewiesen, bis September die zukünftigen Schritte festzulegen. Die wichtigste Präambel dabei: „Es wird auf alle Fälle Kundengespräche geben. Denn das Vertrauen unserer Sparer liegt uns in erster Linie am Herzen. Denen müssen wir aufzeigen, welchen anderen Anlagewege es gibt, betont Kirsch. Zur Erinnerung: Die Sparkasse Freising betreut etwa 50.000 Kunden. Davon haben laut Kirschs Schätzung „ein paar tausend“ einen Prämiensparer abgeschlossen.

