Gedenkveranstaltung

VVN-BdA erinnert an Holocaust-Opfer aus Freising - Demo von Neonazis abgesagt

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Gegen das Vergessen: Guido Hoyer (l.) vom VVN-BdA erinnerte viele Interessierte an jüdische Menschen aus Freising, die der NS-Diktatur zum Opfer gefallen sind.

Der Schatten von Auschwitz fällt auch auf Freising: Auch von hier wurden Juden in Konzentrationslager gebracht. Immerhin eine gute Nachricht gab es auf der Gedenkveranstaltung.

Freising Etwas gerät erst dann in Vergessenheit, wenn man aufhört, darüber zu sprechen. Um das zu verhindern, organisiert der Kreisverband Freising-Moosburg der VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten) regelmäßig Veranstaltungen. 

Die dienen dazu, an die jüdischen Opfer zu erinnern, die vom NS-Regime ermordet wurden. Am Sonntag führte Guido Hoyer eine Besucher-Gruppe vom Marienplatz zum Roider-Jackl-Brunnen und stellte dabei die Schicksale jüdischer Familien aus Freising vor.

Gute Nachricht zu Beginn: Neonazis bleiben weg

Bevor es losging, gab es für Hoyer und alle Anwesenden Grund zur Freude: Eine rechte Gruppierung hatte im Vorfeld eine Demonstration angemeldet, die zeitgleich mit der Veranstaltung des Kreisverbands stattfinden sollte. Erst in letzter Minute wurde die Demo abgesagt.

So konnte in aller Ruhe zunächst Vorsitzender Albert Baumgartner-Murr die Anwesenden begrüßen, bevor er das Wort an den Politologen Hoyer übergab. Bevor es ans Geschichtliche ging, machte auch er darauf aufmerksam, dass die Gefahr von Rassismus aktuell sei – aufgrund der „geistigen Nachfahren jener, die 60 Millionen Menschen auf dem Gewissen haben“, wie Hoyer die Neonazis nannte.

Hoyer: Antisemitismus begann schon vor den Nazis

Aus historischer Sicht ist der Antisemitismus in und um Freising schon viel früher präsent gewesen als der Zweite Weltkrieg. Hoyer berichtet von einem Vorfall, bei dem ein jüdischer Rabbi, der von Regensburg nach München reiste, wegen angeblicher Landstreicherei zu Unrecht verhaftet wurde. Diese Schikane geschah bereits 1871. Ein erster antisemitischer Volksbund in Freising wurde im Jahr 1895 gegründet. „Antisemitismus ist nicht erst im Dritten Reich entstanden“, betonte Hoyer.

Trotzdem waren die jüdischen Familien in Freising gut integriert – so gut, dass Sohn Sigfried der Familie Holzer 1914 für das Deutsche Reich mit Leidenschaft in den Krieg ziehen wollte. Er strebte eine Karriere als Offizier an. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft wurde ihm diese verwehrt.

Von Freising nach Auschwitz: Ehepaar Adler deportiert

Im Dritten Reich wurden schließlich 1933 alle Juden, die ein Berufsbeamtentum bedienten, entlassen. Einer von ihnen war Martin Frankenburger, der aufgrund des neuen Nazigesetzes seine Stelle als Referendar am Landratsamt Freising verlor. Er starb einige Jahre später in Buchenwald, wo er zu Tode gequält worden war. 

Hoyer, der von mehreren Einzelschicksalen berichtete, erinnerte auch an die schockierende Geschichte des Ehepaars Adler: Die beiden Freisinger wurden im Rahmen der sogenannten Fabrikaktion abgeholt, der Verhaftung der bis dahin von der Deportation verschonten Juden. 1943 wurden die Adlers in Auschwitz ermordet. 

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Pascale Fuchs

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