Probleme im Untergrund

Westtangente wird erst 2021 fertig

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Schlechte Nachrichten vom OB und Franz Piller (links und vorne links sitzend) bekamen die Vöttinger bei ihrer Bürgerversammlung serviert: Sie müssen den Bau der Westtangente noch sehr viel länger ertragen.

Eine Waschmaschine, „nette kleine blaue Bohrgeräte“ und ein Orden für Franz Piller – das waren die Hauptzutaten der Bürgerversammlung in Vötting am Dienstag. Denn eines war klar: Was Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher vor rund 60 Bürgern im Gasthof Lerner an Projekten in der Stadt Freising zu berichten hatte, war nur das Vorspiel für das Thema, das Vötting seit Jahrzehnten bewegt und seit Jahren teilweise auch die Häuser: die Westtangente.

Freising – Die fachlichen Ausführungen zum Stand der Bauarbeiten überließ Eschenbacher dem „Betreuer“ für die Westtangente, Franz Piller. Der wiederum musste von den „jüngsten Überraschungen“ berichten, dass der natürliche „Stauer“ im Bereich südlich der Giggenhauser Straße teilweise entgegen aller Erwartungen nicht vorhanden sei und man deshalb weitere Maßnahmen ergreifen müsse, um den Tunnel in Deckelbauweise errichten zu können (wir haben berichtet). Piller gab am Dienstag auch zum ersten Mal eine genauere Einschätzung ab, wie weit das die Bauarbeiten zurückwerfen werde: Piller sprach von einem halben bis dreiviertel Jahr für das Gesamtprojekt, so dass eine Verkehrsfreigabe „mit Sicherheit nicht“ Ende 2020 erfolgen könne, sondern wohl erst Mitte 2021. Davon betroffen sei auch die Straße Am Mitterfeld, die eben auch nicht Ende dieses Jahres, sondern erst Mitte 2019 wieder freigegeben werden könne, weil man die Wasserhaltungsmaßnahmen länger durchführen müsse. Alles in allem also kein Spaß – nicht für die Anwohner, aber auch nicht für die Stadt, so Piller und Eschenbacher unisono.

Dass nun neue Bohrungen erfolgen, um die Mächtigkeit und das Vorhandensein des natürlichen Stauers exakt bestimmen zu können, versetzte die Vöttinger in Alarmbereitschaft: Pillers Aussage, da würden aber nicht die großen, sondern die kleinen Bohrer zum Einsatz kommen, animierte einige Anwohner dazu, zu berichten, dass diese „netten blauen kleinen Bohrgeräte schlimmer sind als die ganz großen“. Doch ein Vertreter der Baufirma beruhigte: Jetzt würden Drehbohrer im Einsatz sein, keine Schlagbohrer. Ein Anwohner berichtete, er habe inzwischen Risse im Zaunsockel und in der Eingangstreppe. Das ihm versprochene Hotel habe sich als Pension in Hohenbachern entpuppt, in der es kein Frühstück gegeben habe, kritisierte er. Und zudem halte er Aussagen, in seinem Haus gemessene Erschütterungen kämen von der Waschmaschine, für sehr fragwürdig. Letzterem und auch der Tatsache, dass „die Betonhackereien“ teilweise an den Samstagen bis 21 Uhr andauerten, wie sich ein Anwohner beschwerte, werde man nachgehen, versprach Piller. Der bekam von dem Vöttinger Hans Wagner einen Orden umgehängt, weil er sich um das Projekt bemühe – ein Projekt, das ihm 20 Monate Baulärm und Dreck beschere. Wagner sarkastisch: „Vielen Dank!“

Eschenbacher sagte, ihm wäre der Bau einer Variante „weiter draußen“ auch lieber gewesen: Die wäre wesentlich billiger gewesen und es hätte weniger Konflikte gegeben. Aber keine andere als die Variante mit dem Tunnel unter Vötting wäre genehmigungsfähig gewesen.

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