Wie Freisinger Geschäfte der Online-Konkurrenz Paroli bieten

Der Ladenbesuch muss sich rentieren

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Bestens angelaufen ist das Weihnachtsgeschäft bei der Buchhandlung Pustet in Freising. Filialleiterin Jutta Ederer und ihr Team setzen der Internet-Konkurrenz geballte Beratungskompetenz entgegen. Und selbstverständlich werden die gekauften Bücher wie in fast allen Geschäften Freisings ohne Aufpreis schön verpackt.
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Freising - Wer möchte, kann Stapel von Geschenken unter seinen Weihnachtsbaum stellen, ohne auch nur ein einziges Mal die eigene Wohnung verlassen zu müssen. Das Internet macht es möglich. Trotzdem gibt es kaum Klagen unter den Freisinger Geschäftsleuten. Sie setzen selbstbewusst auf ihre eigenen Stärken.

Ihre Stimme klingt gut gelaunt. Warum sollte Jutta Ederer auch schlechter Stimmung sein. Das Weihnachtsgeschäft ist super angelaufen, sagt die Filialleiterin der Buchhandlung Pustet in Freising. „Sogar einen Ticken besser als im Vorjahr. Und da waren wir schon auf sehr hohem Niveau.“ Jutta Ederer ist darüber selbst etwas verwundert. Nicht wegen der Online-Konkurrenz, die lässt sie kalt. Sondern wegen des Wetters, das noch gar keine Weihnachtsstimmung verbreitet. Auf der anderen Seite: Wenn es zu winterlich wird, besteht die Gefahr, dass das Geschäft ausgebremst wird. „Blitzeis ist das Grauenhafteste“, sagt Jutta Ederer. Dann gibt es wirklich ein Risiko, dass die Kunden den Rechner einschalten.

Schlaflose Nächte bereitet ihr das Internet nicht. „Wir haben im Buchhandel ganz gute Karten.“ Da ist zum einen die Preisbindung, die sämtliche Geschäfte dazu verpflichtet, Bücher zu einem festgeschriebenen Preis zu verkaufen. Und zum anderen ist es möglich, Werke, die nicht im Sortiment sind, schon am nächsten Tag zu liefern, betont Jutta Ederer: „Amazon kann nichts, was wir nicht schon längst können.“ Außerdem weiß sie um die geballte Beratungskompetenz in ihrer Buchhandlung.

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Einkaufen zu Weihnachten: Meinungen

Lars Finger (46) aus Hamburg: „Ich bestelle zur Weihnachtszeit grundsätzlich online. Man hat eine viel größere Auswahl als in den Geschäften. Dazu ist es auch noch praktischer. Auch, weil es direkt nach Hause geliefert wird. Eine gute Möglichkeit bei Zeitmangel.“
Lars Finger (46) aus Hamburg: „Ich bestelle zur Weihnachtszeit grundsätzlich online. Man hat eine viel größere Auswahl als in den Geschäften. Dazu ist es auch noch praktischer. Auch, weil es direkt nach Hause geliefert wird. Eine gute Möglichkeit bei Zeitmangel.“ © -
Belinda Krusche (15) aus Freising: „Jugendlichen wird ja nachgesagt, sie würden alles online kaufen. Ich gehe aber gerade zur Weihnachtszeit viel lieber in Geschäfte. Da spürt man mehr vom Weihnachtsfeeling. Bei einer Online-Bestellung kann viel schief gehen.“
Belinda Krusche (15) aus Freising: „Jugendlichen wird ja nachgesagt, sie würden alles online kaufen. Ich gehe aber gerade zur Weihnachtszeit viel lieber in Geschäfte. Da spürt man mehr vom Weihnachtsfeeling. Bei einer Online-Bestellung kann viel schief gehen.“ © -
Sukphachok Makoed (19) aus Freising: Aufgrund meiner Arbeit habe ich zu wenig Zeit, um die Weihnachtsgeschenke im Laden zu besorgen. Deshalb bestelle ich online. Das geht viel schneller, und noch dazu hat man mehr Möglichkeiten zu vergleichen.“
Sukphachok Makoed (19) aus Freising: Aufgrund meiner Arbeit habe ich zu wenig Zeit, um die Weihnachtsgeschenke im Laden zu besorgen. Deshalb bestelle ich online. Das geht viel schneller, und noch dazu hat man mehr Möglichkeiten zu vergleichen.“ © -
Hermann Schmid (55) aus Dillingen:„Ich kaufe die Geschenke lieber im Laden. Da kann ich die Sachen in die Hand nehmen, und man merkt gleich die Qualität. Als Ergänzung lese ich jedoch auch manchmal die Rezensionen im Internet.“
Hermann Schmid (55) aus Dillingen:„Ich kaufe die Geschenke lieber im Laden. Da kann ich die Sachen in die Hand nehmen, und man merkt gleich die Qualität. Als Ergänzung lese ich jedoch auch manchmal die Rezensionen im Internet.“ © -

Auf das Knowhow seiner Angestellten setzt auch Richard Grimm. Der Inhaber des Haushaltswarenladens in Freising sagt, dass das Weihnachtsgeschäft seit Jahren stabil sei. „Ich merke nichts davon, dass Kunden wegbleiben, weil sie plötzlich online kaufen würden.“

Die Maxime von Günther Sesselmann, Inhaber der Kleidungsboutique Fashion & More lautet: „Es muss sich rentieren, in einen Laden zu gehen.“ Und das bedeutet für ihn: „Ich muss mich abheben vom Mainstream.“ Sesselmanns Vision ist es, aus seinem Geschäft ein nachhaltiges Haus von Kleidungsstücken bis zu Hygieneartikeln zu machen, wie er sagt. Der Freisinger ist auf einem guten Weg. Zu seinem Sortiment zählen T-Shirts aus Buchenholz, Hemden aus Hanf, Pullover aus Bio-Baumwolle und Businesskleidung aus mulesingfreier Wolle. Sesselmann verkauft aber auch politisch korrekte Unterwäsche, biologisch abbaubare Zahnbürsten aus Bambus und vegane Kosmetik, die ohne Verpackung auskommt. Allen Stücken gemein ist: Sie haben ein Zertifikat für Fairen Handel und sind frei von Giftstoffen.

Der Lohn: Wer auf Google „Fairtrade Mode Bayern“ eingibt, stößt sofort auf die Nummer 1: Fashion & More. Und so verwundert es nicht, dass nachhaltig denkende Reisende aus Norddeutschland schon mal die Autobahnausfahrt Freising nehmen, um vor Weihnachten bei Fashion & More reinzuschneien. Sesselmann knüpft aber auch regionale Bande: Mit dem Josef-Hofmiller-Gymnasium hat er eine Kollektion entworfen, mit den Schülern vom Camerloher eine Modenschau konzipiert. „Mode soll Spaß machen“, sagt er. „Und Einkaufen muss ein Erlebnis sein.“

Monika Stanglmeier nimmt die Online-Konkurrenz zwar wahr. Die Inhaberin des Spielwarengeschäfts Hölzlkramer hat den Eindruck, dass der Trend zum Weihnachtsbummel im Internet zugenommen hat. „Aber wir machen auch die Erfahrung, dass immer mehr Leute bewusst regional kaufen wollen und deshalb die Freisinger Geschäfte bevorzugen.“ Und außerdem: „Bei unserem Sortiment handelt es sich um eine emotionale Geschichte. Die Kunden wollen die Waren anschauen und anfassen.“ Auch die Beratung sei wichtig. „Wer zu uns kommt, erfährt genau, welches Spielzeug für welches Kind in welchem Alter geeignet ist. Das honorieren die Leute.“

Mit Rat und Tat stehen auch die Mitarbeiter der Parfümerie Himmer den Kunden zur Seite, und doch ist das Internet eine harte Konkurrenz. Vor allem der so genannte Beratungsdiebstahl setzt der Branche zu. Menschen kommen in den Laden, testen ein paar Düfte, gehen wieder und kaufen das gewünschte Eau de Toilette für ein paar Euro weniger im Internet. „Wir beraten nach besten Wissen und Gewissen“, sagt eine Angestellte, die anonym bleiben will. „Trotzdem können wir nur hoffen, dass die Menschen das Bewusstsein haben, uns am Leben zu halten, und dass die Stammkunden uns die Treue halten.“

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