VonAndrea Beschornerschließen
Freising Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher (FSM) hängt noch eine weitere Amtszeit dran: Die Bürger haben ihn mit 65,5 Prozent der Wählerstimmen wieder auf den Rathaus-Chefsessel gehoben. Und das, obwohl er gegen sechs Gegenkandidaten angetreten ist.
Freising – Um 18.18 Uhr war der erste Stimmbezirk ausgezählt: Haindlfing. 59,7 Prozent der Stimmen gingen in dem Freisinger Ortsteil an den amtierenden Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher. Dabei blieb es nicht: Eschenbacher legte stimmenmäßig noch ordentlich an Prozenten zu, am Ende stieg er mit dem Rekordergebnis von 65,5 Prozent als Sieger aus dem Wahlkampfring und marschierte – trotz sechs Mitbewerbern – durch in die nächste Amtszeit. Die Wahlbeteiligung lag in Freising bei 53,9 Prozent.
Freisinger Mitte
„Surreal“, sei das Wahlergebnis vor dem Hintergrund des Weltgeschehens: Das sagte Tobias Eschenbacher, die Corona-Krise trotz allem im Blick. Aber das Ergebnis sei eben auch „sensationell“. Und für den Moment des gestrigen Wahlsonntags, kurz nachdem feststand, dass die Freisinger „ihren“ Oberbürgermeister Eschenbacher ohne Umwege in die nächste Amtszeit geschickt haben, hat der sich eine kurze Auszeit von der Krise genommen, um die Wahl zu feiern: „Heute überwiegt die Freude, morgen werden wir weiter daran arbeiten, die neuen Anforderungen umzusetzen, nach Lösungen zu suchen und die Auswirkungen der Krise zu minimieren.“ Er selbst habe mit einer Stichwahl gerechnet und war auch vor diesem Hintergrund von dem großartigen Ergebnis absolut überwältigt. „Es ist für mich eine große Freude und Ehre, aber auch eine große Aufgabe, für Freising unter diesen veränderten Umständen da zu sein.“
Trotz oder gerade wegen des überwältigenden Wahlerfolgs für den Amtsinhaber war bei seinen Gegenkandidaten nirgends Katerstimmung angesichts der Ergebnisse zu spüren:
CSU
„4,6 Prozent sind für die CSU kein Ergebnis, das man sich schönreden kann“, so das Statement des OB-Kandidaten Jürgen Mieskes. Doch wenn er sich den Wahlausgang der anderen Parteien – ausgenommen der Grünen – anschaue, die sich alle unter oder knapp über fünf Prozent bewegen, „dann ist das für mich als Jürgen Mieskes keine große Enttäuschung“. Gegen „so einen starken Amtsinhaber zu verlieren“, mache das Verlieren auch irgendwie leichter. Das Ergebnis habe gezeigt, dass es keine Wahl zwischen den Grünen und der Freisinger Mitte gewesen sei. „Es hat eine Wahl für die FSM stattgefunden“, so Mieskes Bilanz.
Bündnis 90/Die Grünen
Susanne Günther ist mit 16,4 Prozent der Stimmen zwar nicht in die Stichwahl gekommen. Doch im Vergleich zu den anderen Parteien sieht sie sich dennoch als Siegerin: „Ich habe mehr Stimmen als alle anderen Verlierer zusammen.“ Dass es nicht geklappt habe mit der Stichwahl, liege am desaströsen Abschneiden der anderen Parteien. „Die CSU ist zu einer Splitterpartei abgerutscht und bekommt jetzt die Quittung für die 3. Startbahn“, sagte Günther gestern nachdem das Endergebnis feststand. Die FDP bekomme Thüringen zu spüren. Eines freut die Politikerin ganz besonders: „Dass die AfD so extrem schlecht abgeschnitten hat!“
AfD
„Ich bin begeistert davon, dass Tobias Eschenbacher so eindeutig den Sieg errungen hat.“ Und mit seinem eigenen Ergebnis von 3,0 Prozent zeigte sich Richard Paukner, OB-Kandidat der Alternative für Deutschland, mehr als zufrieden. „Das Ziel war, der AfD in Freising ein Gesicht zu geben – und das ist uns geglückt.“ Für das Wohl der Freisinger Bürger sei „OB Eschenbacher der beste Mann“, sagte Paukner.
SPD
65,5 Prozent für den Amtsinhaber: „Das ist eine Bestätigung für unseren OB auch als Mensch und Person“, findet Peter Warlimont (SPD). Dennoch hätte er sich erhofft, dass der Bereich bezahlbares Wohnen, sein Wahlkampfthema Nummer 1, noch mehr Unterstützung erfährt. In der Folge hätte er sich mehr als 5,3 Prozent Wählerstimmen gewünscht. „Wir haben versucht, einen Themenwahlkampf zu führen“, erklärte Warlimont. Nun werde man das Thema Wohnraum mit in die Stadtratsarbeit nehmen, um es da weiter zu forcieren.
FDP
Dass es in Freising keine Stichwahl gibt, davon wurde Jens Barschdorf (FDP) gestern überrascht. Ebenso wie von seinem Ergebnis: „Mit 1,7 Prozent bin ich nicht zufrieden, die Rückmeldungen im Wahlkampf sahen anders aus.“ Aber: „Ich habe ein besseres Ergebnis als der OB-Kandidat in München, das macht es einfacher.“ In Freising habe es laut Barschdorf einfach keine Wechselstimmung gegeben. „Die Leute sind zufrieden mit der Arbeit des Amtsinhabers.“ Das Ergebnis der FDP in Freising habe seiner Überzeugung nach nichts mit dem Wahlfiasko in Thüringen zu tun. „Das war nur kurz Thema bei den Menschen hier in Freising an unseren Infoständen.“
ÖDP
Dass die ÖDP sich trotz eines so starken Amtsinhabers von 2,7 im Jahr 2014 auf 3,5 Prozent steigern konnte, verbucht Ulrich Vogl als großen Erfolg für die ÖDP. Zumal man einen „Null-Euro-Wahlkampf“ geführt habe, wie er sagt – anders als die etablierten Parteien und deren Wahlkampfbudgets. „Wenn ich als ÖDP nur 1,1 Prozentpunkte unter der CSU liege, muss ich zufrieden sein.“ Zudem habe man im Wahlkampf auf Inhalt gesetzt, Stichwort Klimanotstand und kostendeckende Parkraumbewirtschaftung. Themen, die man den Bürgern nähergebracht habe.
Politische Fairness
Keiner der Kandidaten hat es gestern versäumt, die Fairness der politischen Gegner zu loben. „Das ist ein Stil in Freising, den nicht jede Kommune vorweisen kann“, sagte Peter Warlimont. Jürgen Mieskes schickte noch am Wahlabend eine WhatsApp-Nachricht an seine Kontrahenten, um sich für den fairen Wahlkampf zu bedanken. Und Richard Paukner hat die Stimmung unter den Kandidaten etwa bei der Podiumsdiskussion im Wahlkampf fast „wie in einer großen Familie“ empfunden.
Trotz aller Freude über seine Wiederwahl, schlug Tobias Eschenbacher noch einen nachdenklichen Ton mit Blick auf die Corona-Krise an: „Ich wünsche uns allen, dass wir zusammenhalten, gesund bleiben und die Kraft haben, diese Zeit zu überstehen!“
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