Für eine weitere Amtszeit wäre er nicht mehr zur Verfügung gestanden. Das hat der langjährige Vorsitzende der Freisinger Tafel, Peter Bach, klargestellt. Die Auflösung der Einrichtung stand im Raum.
Freising – Eigentlich hätte Peter Bach bereits im April seinem Nachfolger die Belange der Freisinger Tafel in die Hände legen wollen – allerdings machte ihm diesbezüglich Corona einen Strich durch die Rechnung. Seine Kandidaten-Suche für den ersten Vorsitzenden gestaltete sich schwierig – sogar die Auflösung der sozialen Einrichtung stand im Raum.
Bach: „Ich hätte es nicht nochmal gemacht“
„Ich hätte es nicht nochmal gemacht!“, stellt der 73-Jährige klar. Die Tafel in der schwierigen Corona-Zeit allein zu lassen, wäre für ihn nie in Frage gekommen. Allerdings, so Bach, sagt man dann auch irgendwann: „Es ist schön, wenn es jetzt wer anderer macht.“
Dass er nicht einfach gegangen ist, sei ihm hoch anzurechnen, sagte die alte und gleichzeitig neugewählte zweite Vorsitzende Gundi Kürten. Bach, betonte sie, habe in seiner Zeit sehr viel bewirkt: Er habe die Tafel im Sinne der Gründer weiterentwickelt. Dabei habe er in seiner Amtszeit einige große Herausforderungen meistern müssen – beispielsweise den Flüchtlingsstrom oder die aktuell aufwendigen Hygiene-Bestimmungen aufgrund der Pandemie.
Kürten drückte ihren herzlichsten Dank aus im Namen aller Beteiligten, Helfer und auch Kunden: „Mit dir ist die Tafel älter und reifer geworden.“ Erleichtert sei die Truppe, dass Bach als Springer und als Mann für die Notfälle der Tafel dennoch erhalten bliebe.
In der Krise entwickelt die Tafel zukunftsfähige Neuregelung
Höchst zufrieden zeigte sich der langjährige Vorsitzende in der Rückschau vor allem mit der Krisen-Bewältigung während der Corona-Pandemie. Zur Schließung der Tafel am 16. März habe man sich „schweren Herzens“ durchgerungen, die Überbrückung durch Gutschein-Aktionen und die Zusammenarbeit mit Caritas und anderen Organisationen sei vorbildlich gewesen. Die Einführung von Zeitzuteilungen nach der Wiedereröffnung sei eine „gute Geschichte“ gewesen: Die Kunden der Tafel möchten dies in Zukunft auch beibehalten, es komme zu weniger Wartezeiten.
Freisinger Tafel: Ein Mitglied an Covid-19 gestorben
Durchschnittlich 220 Hilfsbedürftige kommen aktuell pro Woche zur Tafel, insgesamt gibt es 485 zu Versorgende. 70 ehrenamtliche Helfer leisten Unglaubliches: Der Warenumsatz in Freising betrug voriges Jahr 146 Tonnen Lebensmittel. Die Spendenbereitschaft 2019 war hoch, auf das Tafel-Konto gingen 59 000 Euro ein – ein Teil davon generiert sich auch aus den Ein-Euro-Zahlungen der Kunden.
Sehr beeindruckt zeigte sich Kürten auch von der überaus positiven Resonanz ihres Masken-Aufrufs – über 1000 selbstgenähte Masken wären bei ihr angekommen: „Das hat mich sehr berührt.“ Ein Mitglied der Tafel ist an Covid 19 verstorben – Bach nahm dies zum Anlass für eindringliche Worte der Warnung: „Wir müssen weiter aufpassen.“
Nachfolger für Bach gefunden
Einstimmig zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde im Anschluss Manfred Schimmerer, der bisher als Fahrer tätig war und als Jurist in Ruhestand eine Top-Besetzung für die Spitze des Vereins ist. Als Stellvertreterin wurde Kürten, als Kassier Johann May bestätigt.
Die Aufgaben der Kassenprüfung übernehmen künftig Rosemarie Krings und Jürgen Wondra. Schirmherr OB Tobias Eschenbacher dankte allen Beteiligten. Denn: „Ohne Ehrenamt gäbe es die Tafel nicht.“ Schon deshalb sei der „Freisinger Tafelrunde“ höchster Respekt zu zollen.
Richard Lorenz
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