Um nicht in einem Monat pleite zu sein, hat der Vorstand der Freisinger Volkshochschule die Notbremse gezogen: drastische Kurzarbeit.
Freising – Schulen werden langsam wieder „hochgefahren“, die Gastronomie darf zaghaft wieder öffnen. Oliver Dorn hilft das alles nichts. Der Geschäftsführer der Volkshochschule Freising weiß noch immer nicht, wann und unter welchen Bedingungen der Unterricht in der Vhs wieder starten kann.
Am Dienstagabend hat man im vhs-Vorstand beschlossen, die Reißleine zu ziehen: Nachdem im Mai bereits vier der 14 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt worden waren, werden im Juni auch die restlichen zehn Mitarbeiter auf Kurzarbeit gesetzt – Geschäftsführer Oliver Dorn inklusive, wie er berichtete. Nur so sei es der Vhs Freising möglich, vorerst eine Insolvenz zu vermeiden.
Nur noch für die Gehälter im Juni hätten die Rücklagen gereicht, so Dorn, wenn man nicht gegengesteuert hätte. Durch den Vorstandsbeschluss habe man „Zeit gewonnen“. Insgesamt, so Dorn, werden dann nur noch 30 Wochenstunden in der Vhs erbracht.
Das große Problem, das Dorn und viele seiner Kollegen sehen: Vom Kulturministerium gebe es noch keine Aussage und keine Entscheidung zu dem Zeitpunkt, ab dem die Kurse im Gebäude an der Kammergasse wieder aufgenommen werden können. Planungsmöglichkeiten gebe es also nicht, bemängelt Dorn. „Ich brauche Entscheidungen, ab wann ich wieder ganz normalen Unterricht unter welchen Auflagen auch immer durchführen darf.“
Um die Zeit des Lockdowns überbrücken zu können, jetzt also Kurzarbeit. Denn für das abrupt abgebrochene Semester habe er die Gebühren zurückbezahlt, die Honorare der Lehrkräfte allerdings anteilmäßig bezahlt. Seitdem mache die Vhs ein dickes Minus. Dass man damit nicht allein ist, sondern die rund 200 000 Volkshochschulen in Bayern seit der Corona-Krise ein Defizit von rund 30 Millionen Euro eingefahren haben, kann Dorn da freilich nicht trösten.
Was allerdings hilft, sei die Zusage von Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher, er werde sich dafür einsetzen, dass die 18 000 Euro Sachkostenzuschuss der Stadt monatlich weiter fließen. Dorn findet das gut: Zum einen würde dies das Überleben der Vhs Freising in den kommenden Monaten wohl sichern, zum anderen verlange er nicht, dass die Kommune das ausbade, was der Freistaat den Volkshochschulen eingebrockt habe.
Was freilich passiert, sollte der Lockdown über den Herbst oder gar das Jahr 2020 hinaus bestehen bleiben, könne er jetzt nicht sagen. Das Problem, das die Vhs Freising mit der Vhs Moosburg teile: Man sei ein Verein, habe also das Personal aus der eigenen Vereinskasse zu bezahlen. Anders in Eching: Dort ist das Vhs-Personal direkt bei der Gemeinde angestellt.
Dorn betont, er wolle keine Sonderrechte. Aber in Einklang mit dem Bayerischen Volkshochschulverband und dessen Präsidentin Barbara Stamm fordert er, dass die Volkshochschulen gleichberechtigt zu anderen gesellschaftlichen Institutionen behandelt werden. Und deshalb hat er sich an die lokalen Landtagsabgeordneten Johannes Becher (Grüne) und Benno Zierer (FW) gewandt, um ihnen die Lage zu schildern.
Und an Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) hat er schriftlich Fragen gerichtet – und zwar „deutliche Fragen“, wie Dorn betont. Jetzt heißt es also warten – warten auf Antworten, auf Entscheidungen und auf das Ende des Vhs-Daseins im Corona-Modus.