Die Stadtkirche wird zur Herausforderung

Freisings neuer Pfarrer Daniel Reichel: Die Personalsituation treibt ihn um

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Hielt mit seinen Sorgen nicht hinter dem Berg: Freisings Pfarrer Daniel Reichel (l.) im Interview mit Pfarrjugendleiter Martin Fuchs über den Aufbau einer Stadtkirche, der mit Problemen, aber auch Chancen verbunden ist.

Pfarrer Daniel Reichel hat Sorgen, was die Freisinger Stadtkirche betrifft. Er musste eine Hiobsbotschaft verkünden.

Freising - Über die geplante Freisinger Stadtkirche informierte Pfarrer Daniel Reichel im Rahmen einer Pfarrversammlung. Der Geistliche verheimlichte seine Sorgen dabei nicht und musste außerdem noch eine Hiobsbotschaft verkünden. Nein, die einzelnen Gemeinden werden nicht zu einer großen, sondern sie finden zueinander, wissen und profitieren voneinander.“ So erklärte Domkapitular Daniel Reichel die grundsätzliche Philosophie der Freisinger Stadtkirche, mit deren Aufbau und Strukturierung er von Kardinal Reinhard Marx betraut worden ist. Ein Problem: Für die acht betreffenden Pfarreien wird in naher Zukunft deutlich weniger Personal eingesetzt werden können – um genau zu sein, wird es für die Stadtkirche nur noch zwei Vollzeitstellen für Priester und zwei für pastorale Mitarbeiter geben. Doch Reichel hat bereits eine Idee, um alle Gläubigen zufriedenstellen zu können.

Für die Stadtkirche gibt es nur vier Vollzeitkräfte

Was die meisten wohl am Sonntag bei der Pfarrversammlung von St. Korbinian im St. Georgs-Haus interessiert haben dürfte: Wie geht es jetzt eigentlich weiter mit der Freisinger Stadtkirche? Interviewt wurde dazu Stadtpfarrer Reichel vom Pfarrjugendleiter St. Korbinian, Martin Fuchs, der ihn zu seiner Biographie, aber auch zu seinen Visionen einer gut laufenden Stadtkirche befragte.

Wie soll die Umsetzung der Stadtkirche erfolgen, und welche Folgen hat das für die einzelnen Pfarreien? Diese brennenden Fragen führten viele Gläubige zu der Pfarrversammlung ins St. Georgs-Haus.

„Die jeweilige Kirche ist Heimat“, erklärte Reichel einführend und weiter: „So soll es auch bleiben!“ Von der Idee, für Gottesdienste weit herumfahren zu müssen, hält Reichel eher wenig – stattdessen soll das Programm der jeweiligen Pfarreien „breiter und vielschichtiger werden“. Was ihn natürlich umtreibt: „Aktuell haben wir noch viele Mitarbeiter, aber das ändert sich bald.“

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Eine Hiobsbotschaft hatte er trotzdem auch mit dabei: „Pater Marek verlässt uns jetzt doch, er geht zurück in seine Heimat.“ Dennoch glaubt Reichel fest daran, dass selbst nur mit vier Vollzeitstellen eine Stadtkirche gewuchtet werde könne – etwa durch die, salopp gesagt, Ausdehnung von Festlichkeiten. Bestes Beispiel: Fronleichnam. „Wir können das an einem Samstag davor und einem Samstag danach feiern, es muss nicht genau an dem einen Tag sein“, so Reichels grober Plan, um das Fest in den verschiedenen Kirchen feiern zu können. Vieles stehe noch nicht fest, über einiges müsste noch nachgedacht werden, aber eines sei für ihn sicher: „Wir brauchen einen ganz klaren Fahrplan und eine Blaupause für das wenige Personal.“

Was für den Pfarrer außerdem feststeht: Es werde kein Zentrum geben, sondern jede Kirche dürfe mitfeiern. „Wir müssen aber auch mit der Zeit besser umgehen“, erklärte Reichel. Beispiel: Vor der Sonntagsmesse in Freising habe er einen Gottesdienst in Haindlfing gefeiert, dazwischen habe er allerdings einen Leerlauf von einer Stunde gehabt, die gut für eine weitere Messe genützt hätte werden können.

Der Pfarrer appelliert an seine Gläubigen

Was Reichel per se fundamental wichtig ist: „Die Kirche muss in der Gesellschaft sichtbar sein.“ Vor einer Kirche, die nur plant und verwaltet, müsse er hingegen „flüchten“. Sein dringlicher Wunsch an alle Christen: „Geben Sie ihrer Kirche ein Gesicht und eine Bedeutung für die Gesellschaft, wir alleine schaffen das nicht.“

Worauf Reichel abschließend auch noch verwies, war die Aktion „Die Stadtkirche Freising auf Reisen“. Hier können sich alle Interessierten auf die Spuren Freisings begeben und dabei Weißenkirchen in Österreich und das Weingut Freisinger Hof besuchen. Weitere Stationen: Heiligenkreuz, Wien und Maria Zell.

Die Reise findet vom 3. bis zum 7. Juni statt. Weitere Informationen gibt es per E-Mail an wallfahrtwien.stadtkirche.fs@gmail.com oder unter der Telefonnummer (0152) 58476703. Informationsflyer zur Reise liegen zudem in den Freisinger Kirchen aus.
Richard Lorenz

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