Zur 125-Jahrfeier

„Mit Handpumpe löschen“: Freiwillige Feuerwehr Kochel arbeitet an Chronik zur eigenen Geschichte

+
Großbrände gabe es einige in der Geschichte der Kochler Feuerwehr.

Ihr 125-jähriges Bestehen feiert die Freiwillige Feuerwehr Kochel heuer mit einem dreitägigen Fest. Anlässlich des Jubiläums wird derzeit auch eine Chronik erarbeitet.

Kochel am See Allzu viel wissen die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Kochel nicht über ihre Geschichte. Leider sind laut Kommandant Hubert Resenberger aus den Jahrzehnten nach der Gründung keine Schriftstücke erhalten. Für die Chronik, die eigens zum Jubiläum erscheinen soll, mussten die Feuerwehrler darum viel auf mündliche Überlieferungen zurückgreifen und auch den einen oder anderen Zeitzeugen befragen. Erst aus dem Zeitraum nach 1936 sind laut Resenberger wieder Schriftstücke und Unterlagen vorhanden. Auch für Bad Tölz erschien im Jahr 2017 eine neue Chronik.

Als sicher gilt jedoch das Datum der Gründung: der 2. Februar 1894 – also an Lichtmess. Als Initiatoren gelten der langjährige Kochler Bürgermeisters Johann Eberl von Pessenbach (Hoderer) sowie der Fuhrunternehmer Johann Biller. Wie die Floriansjünger in einem Entwurf zu ihrer Festschrift schreiben, wurde der Zimmerermeister Johann Bauer (Oswald) zum ersten Vorstand gewählt. Der erste Kommandant in der Geschichte der Kochler Floriansjünger war Schuhmachermeister Josef Schöfmann (Schuster).

Feuerwehr Kochel: Das Löschwasser musste die Feuerwehr früher aus dem Dorfbach holen

Als Gerätschaften scheint es zunächst nur eine Saug- und Druckspritze sowie eine Schlauchhaspel gegeben zu haben. Das Wasser zum Löschen musste die Feuerwehr aus dem Dorfbach holen. Dann wurde ein erstes Spritzenhaus gebaut. An dessen Stelle errichtete die Gemeinde 1924/25 ein neues Feuerhaus zwischen der Kalmbachstraße und der Straße „Am Oberried“. In den 1920er-Jahren bekam die Wehr dann von der Bayernwerk AG eine Motorpumpe gestiftet. Erstmals eingesetzt worden ist sie scheinbar bei einem Großbrand am Kloster Schlehdorf, dessen Zukunft heute ungewiss ist. „Da staunten aber die Wehren und hörten mit ihrer Handpumperei zunächst auf, als sie den Riesenwasserstrahl aus B-Rohren sahen“, steht es in dem Entwurf zur Chronik.

Großbrände gabe es einige in der Geschichte der Kochler Feuerwehr.

Derart große Einsätze gab es viele in der Geschichte der Kochler Wehr. Etwa der Brand im Hotel „Bad Kochel“ 1897 oder der Brand einer Materialbaracke der Firma Wolle 1921. Im Jahr 1934 kam es – wohl durch Unvorsichtigkeit eines Bergsteigers – auf der Südseite des Grasecks zu einem heftigen Waldbrand.

Die erste Jugendgruppe der Feuerwehr Kochel wurde 1942 gegründet, als das Innenministerium wegen des Kriegs Jugendliche ab 14 Jahren zum Feuerwehrdienst heranzog, erinnert sich Anton Geiger. In der Chronik erzählt der Kochler auch von den Einsätzen bei Fliegeralarmen in München, die er und andere junge Kochler leisten mussten.

Heute schützen 86 Aktive der Feuerwehr Kochel die Bevölkerung

Und heute? Derzeit sorgen insgesamt 86 Aktive für den Schutz der Bevölkerung – 365 Tage im Jahr und rund um die Uhr. Die Kochler Wehr ist mit modernstem Gerät ausgestattet. Längst ist die Feuerwehr keine reine Männerdomäne mehr. Und ihren Stützpunkt hat die Truppe mittlerweile am Friedzaunweg. Um dort zusätzliche wichtige Einsatzfahrzeuge stationieren zu können (etwa ein Fahrzeug für den Katastrophenfall), wird derzeit an einer Erweiterung des Gebäudes gearbeitet.

Für die Zukunft wünscht sich Resenberger mehr Nachwuchs für die Truppe. Personell sei sie derzeit zwar gut aufgestellt. Aber es fehle an Jugendlichen ab 14 Jahren, die nach einigen Jahren in die erwachsene Mannschaft nachrücken können. Franziska Seliger

Das Festprogramm

Gefeiert wird auf dem Festplatz an der Triministraße. Am Freitag, 26. Juli, findet eine Partynacht mit Matty Valentino statt. Am Samstag, 27. Juli, gibt es unterhaltsame Wettkämpfe in verschiedenen Disziplinen, zudem es ein buntes Rahmenprogramm für Groß und Klein. Ab 19 Uhr findet ein „Fire-Abend“ mit der Blaskapelle Wessobrunn statt. Höhepunkt ist der Festtag am Sonntag, 28. Juli, mit Gottesdienst und Festzug. Dazu werden rund 300 Teilnehmer aus der ganzen Region erwartet. 

Lesen Sie auch:

Die zunehmende Verkehrsbelastung macht der Gemeinde Kochel zu schaffen. Volle Straßen und immer mehr Staus nerven die einheimischen Autofahrer. Bürgermeister Thomas Holz drängt darauf, dass der Autoverkehr in geregelte Bahnen kommt.

Kommentare