Fridays For Future

Corona: Klimastreiks in Garmisch-Partenkirchen und Murnau abgeblasen

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Sichtbarer Protest: Am morgigen Freitag wollten Jugendliche in Garmisch-Partenkirchen und Murnau wieder demonstrieren. Doch zum Klimastreik wird es diesmal nicht kommen.
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Der Landkreis will sich bis 2035 vollständig mit regional erzeugter Energie versorgen. Ob das klappen wird, ist unklar. Die Jugend fordert schnelle Lösungen. Doch die beiden Klimastreiks, die für den morgigen Freitag in Garmisch-Partenkirchen und Murnau geplant waren, sind abgesagt worden. Der Grund ist nicht schwer zu erraten: der Coronavirus.

Landkreis – Das Fazit, das Andreas Süß, Klimaschutzmanager des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen, im Juli im regionalen Planungsausschuss zog, war ernüchternd. „Das Ziel ist in weiter Ferne.“ Gehe es mit der Energiewende in diesem Tempo weiter, sei es keinesfalls zu erreichen. Aber: „Wir haben die Chance, das noch zu ändern“, sagte Süß damals.

Das Ziel steht fest

Die in der Region Oberland zusammengeschlossenen Landkreise Garmisch-Partenkirchen, Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach und Weilheim-Schongau haben sich alle dem von der Energiewende Oberland vorgegebenen Ziel verschrieben: Sie sollen sich bis zum Jahr 2035 mit regional erzeugter Energie selbst versorgen können.

Erneuerbare Energiequellen

Im Klimaschutzkonzept des Landkreises heißt es: „Unseren um ein Drittel reduzierten Energiebedarf im Jahre 2035 decken wir im Strombereich zu 100 Prozent und im Wärmebereich zu 60 Prozent aus regionalen erneuerbaren Energiequellen.“

Diepold-Erl: Potenzial ist da

Wie realistisch ist es, die Klimaziele zu erreichen? „Wir haben das Potenzial und zahlreiche vorbildhafte Anlagen und Projekte im Landkreis, die zeigen, dass und wie es funktioniert“, sagt Florian Diepold-Erl.

Kraftanstrengung nötig

Der Klimaschutzmanager des Landkreises nennt beispielsweise die Biogasanlage in Garmisch-Partenkirchen, das Schachtkraftwerk in Großweil oder das Online-Solarpotenzialkataster. „Bis zum Jahr 2035 bedarf es allerdings weiter einer konsequenten Kraftanstrengung, von der Bundesebene bis zu kleinsten Kommune sowie von Unternehmen, Energieversorgern bis hin zu den Bürgerinnen und Bürgern“, betont Diepold-Erl. „Die regionale Energiewende ist eine Gemeinschaftsaufgabe.“

Breites Beratungsangebot

Der entscheidende Hebel ist ihm zufolge das Einsparen von Energie. Dazu bietet der Landkreis zusammen mit der Verbraucherzentrale Bayern, der Zugspitz Region GmbH und der Lokalen Agenda 21 Garmisch-Partenkirchen ein breites Beratungsangebot. „Die Sanierungsrate von Gebäuden muss von derzeit ein Prozent auf mindestens drei pro Jahr gesteigert werden“, betont Diepold-Erl. Eigentümer, landwirtschaftliche Betriebe und Unternehmen hätten ein großes Potenzial, einen Teil ihres Eigenbedarfes selber zu erzeugen. „Bei der Wärmeversorgung muss in Zukunft noch mehr auf den Verbund, also Nah- und Fernwärme, gesetzt werden.“ In der Solarenergie liegt laut Diepold-Erl im Landkreis derzeit das größte Potenzial für die Erzeugung von Strom und Wärme. „Doch auch an größeren Anlagen im Bereich Biomasse, Biogas und Wasserenergie, in Kombination mit geeigneten Speichern, führt kein Weg vorbei. Hier werden unsere regionalen Energieversorger und bürgerschaftliche Projekte eine entscheidende Rolle spielen.“

Klimastreiks abgesagt

Unterdessen hat das Landratsamt nach Polizeiangaben am Mittwochnachmittag zwei Klimastreiks der Bewegung Fridays for Future (FFF) untersagt. Sie waren für den morgigen Freitag in Garmisch-Partenkirchen und Murnau geplant. Der Grund für die Absage: die Ausbreitung des Coronavirus. Für Simon Schweiger von FFF Murnau ist der Schritt der Kreisbehörde „nachvollziehbar. Die probieren alles Mögliche, um die Situation in den Griff zu kriegen“, sagt der 19-Jährige.

Jeden Beschluss auf Thema Klimaschutz prüfen

Die jungen Leute haben durchaus Ideen, was bis 2035 zu tun wäre. ,,Um effektive Klimaschutzziele für den Markt Garmisch-Partenkirchen oder im Landkreis Garmisch-Partenkirchen umzusetzen, muss jeder Beschluss des Gemeinderates/Kreistages auf das Thema Klimaschutz geprüft werden“, findet Tim Sedlmaier von FFF Garmisch-Partenkirchen. Die Gemeindeverwaltung brauche, abgesehen von einem Klimamanager Angestellte für die Bereiche Fahrrad, ÖPNV, Artenvielfalt und Erneuerbare Energien. Diese „müssen in Kommunen, sowie im Landkreis über mindestens 25 Prozent des jeweiligen Budgets verfügen, um Klimaschutzmaßnahmen effektiv voranzutreiben“.

Endlich handeln

Teil des Organisationsteams ist auch Tabea Hientz. „Unsere Forderungen sind klar, und die Wissenschaft steht hinter uns. Es fehlt nur noch eine Politik, die endlich handelt – auch lokal.“

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