Ausgestellt im Deutschen Museum

Früher war er Formel 1-Ingenieur: Tüftler aus Oberbayern hatte bahnbrechende Fahrrad-Idee

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In seiner Werkstatt: Rudi Höbel entwickelte hier einen einzigartigen Fahrrad-Motor
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Zwischen Formel 1-Rennen und dem Bau von Miniaturautos für die Porsche-Familie entwickelte er vor 20 Jahren einen Antrieb, der noch heute seinesgleichen sucht.

Egling – „Heureka!“, rief Rudi Höbel nicht, als er am Abend des 24. Dezember 2002 gegen 22 Uhr von seinem jüngsten Projekt aufsah und sich zum Weihnachtsfest ins Wohnzimmer gesellte. Aber er dachte es, denn sein Weihnachtswunder hatte er da schon erlebt. Kurz zuvor hatte seine Frau Silvia zum wiederholten Mal in seiner Werkstatt ein Stockwerk tiefer vorbeigeschaut. „Kommst du? Es ist doch gleich Bescherung“, erinnerte sie ihn. Als er endlich im Wohnzimmer stand, hatte er sich seinen größten Wunsch schon selbst erfüllt: In seiner Tüftlerwerkstatt stand das Ergebnis jahrelanger Arbeit – ein klimaneutraler Motor Marke Eigenbau, 0,5 Liter Treibstoffverbrauch auf 100 Kilometer.

Im Deutschen Museum ist Höbels Brennstoffzellen-Anhänger ausgestellt

Früher war er Formel 1-Ingenieur: Tüftler aus Oberbayern hatte bahnbrechende Fahrrad-Idee

Ob sie tuckern, dröhnen oder nur leise summen – Motoren sind Rudi Höbels Passion. Kein Wunder, dass er mehrere Jahrzehnte mit den schnellsten ihrer Art im Gepäck die Welt bereiste. Als Rennsport-Ingenieur betreute der heute 67-Jährige diverse Motorsport-Legenden wie Sebastian Vettel und Michael Schuhmacher, begleitete sie zu ihren internationalen Wettbewerben. „Es gibt kaum ein Land, dessen Rennstrecken ich nicht gesehen habe“, sagt der pensionierte Eglinger über seine berufliche Karriere.

Doch bekanntlich macht die Formel 1 eine Winterpause. Diese freie Zeit nutzte der Motorenspezialist, um in seiner Werkstatt im Ortsteil Endlhausen an seinen eigenen Projekten zu werkeln, allen voran am Brennstoffzellenmotor, den er pünktlich zu besagtem Heiligabend fertigstellte.

Eglinger Erfinder hatte bahnbrechende Idee: Ein Fahrradanhänger, der als Motor fungiert

„Das Einzige, was meine Brennstoffzelle braucht, ist Abfall“, erklärt Höbel. Genauer: Methanol, ein Nebenprodukt, das bei der Herstellung von Benzin abfällt. In einem speziellen Vorgang, Elektrolyse genannt, wandelt die Brennstoffzelle das Methanol in Strom um. Dieser fließt in Akkus und treibt einen elektrischen Motor an. Ein konventionelles Auspuffrohr sucht man an Höbels Antrieb jedoch vergebens. Denn die Elektrolyse erzeugt weder stinkende Abgase noch CO2. Aus einem dünnen, kaum sichtbaren Schlauch tropft lediglich Wasser. „Destilliertes Wasser, um genau zu sein“, ergänzt Höbel seinen technischen Exkurs. Und auf 100 Kilometer verbraucht der Motor gerade mal einen halben Liter Methanol. „Klimaneutral, sauber und langlebig – all das, was man heute will.“

Porsche-Familie Piech wünsche sich ein Spielzeugauto von Eglinger Höbel

Von den Vorteilen waren neben Tüftler Höbel noch weitere Menschen begeistert. So die Automobil-Familie Piëch, für die er ein Spielzeugauto aus Kohlefaser und Brennstoffzelle konstruierte. Oder Klaus Zumwinkel, dem damaligen Chef der Deutschen Post. Für ihn entwarf Höbel ein Fahrrad inklusive Anhänger mit besagter Brennstoffzelle, in dem Postkisten gelagert werden konnten. „Zumwinkels Steuerhinterziehung und Verurteilung machten mir einen Strich durch die Rechnung, die Pläne verliefen sich im Sand“, erinnert sich der 67-jährige Eglinger. Heute steht das Modell im Verkehrszentrum des Deutschen Museums in München.

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Seine patentierte Brennstoffzellen-Technik hat Höbel inzwischen verkauft. Nun verbringt der Vize-Vorsitzende der Oldtimerfreunde Endlhausen seine freie Zeit als Pensionär hauptsächlich damit, historische Autos zu restaurieren. „Reich hat mich die Erfindung nicht gemacht, aber bis heute glücklich.“ Fahrräder – er baute in seiner Laufbahn über 25 Stück, eines als Sonderanfertigung für Sebastian Vettel – lassen ihn jedoch nicht los. Sein aktuellstes „Nebenprojekt“: ein Drahtesel aus dem Jahr 1893. „Manche Ideen brauchen eben ihre Zeit, bis sie richtig entdeckt werden“, so der Tüftler. „Und vielleicht gilt das auch für meine Erfindung.“

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