VonAndreas Steppanschließen
Die Jachenauer Bürgerversammlung am Sonntag hat Rathauschef Georg Riesch für einen Appell genutzt: „Gebt Euch einen Ruck“, sagte er in Richtung einiger Eigentümer, mit denen bislang keine Einigung über einen Grundstücksverkauf für den Radweg Lenggries-Jachenau erzielt wurde.
Jachenau – Der Bürgermeister äußerte die Hoffnung, „dass sich der ein oder andere noch überreden lässt“. Immerhin werde „jeder Quadratmeter ausgeglichen. Keiner muss was umsonst hergeben.“
Insgesamt hatte Riesch in seinem Bericht den Radweg als „großen Erfolg“ geschildert. Beim ersten Bauabschnitt vom Rehgraben bis Tannern „werden wir heuer noch die Einweihung haben“, sagte Riesch, und: Beim zweiten Bauabschnitt zwischen Niggeln und Schule „sind wir weit in der Planung“. Hier habe die Gemeinde allerdings wegen Problemen bei den Grundstücksverhandlungen auf eine Ersatztrasse entlang von Staatsstraße und Jachen ausweichen müssen. Dort wird auch eine „Auskragung“ am Ufer nötig.
Das heißt, der Radweg wird auf einem Stück über der Jachen verlaufen. „Aus meiner Sicht ist das aber keine gute Lösung, sondern ein Murks“, erklärte Riesch, der an dieser Stelle zum Beispiel Probleme beim Schneeräumen befürchtet. Ein weiterer Haken: Für den Bau dieser Auskragung wäre nicht das Straßenbauamt zuständig, sondern das Wasserwirtschaftsamt. Von dort habe er die Auskunft bekommen, dass die Behörde hier eigentlich nicht die Kosten tragen müsse, weil es sich um ein „Gewässer dritter Ordnung“ handle. „Die Gemeinde wäre auf alle Fälle mit im Boot. Das käme uns nicht ganz billig“, sagte Riesch. Überhaupt: Auch wenn die Baukosten des Radwegs der Freistaat bezahlt, muss die Gemeinde tief in die Tasche greifen. „Bislang haben wir für Grunderwerb und Planung 196 500 Euro ausgegeben.“
Lesen Sie auch: Jachenaus Bürgermeister hört auf
Um den Radweg ging es auch bei einer der wenigen Wortmeldungen in der Bürgerversammlung. Altbürgermeister Kaspar Danner berichtete, er habe von einem Baggerfahrer erfahren, dass womöglich ein drei Kilometer langer, engmaschiger Zaun zum Schutz der Zauneidechse aufgestellt werden müsse. „Dadurch wird der Radweg künstlich verteuert, das ist doch völlig überzogen“, sagte der ehemalige Rathauschef. Riesch stimmte zu: „Mir schwillt da auch der Kamm.“ Einen Teil des Verschuldens sah er bei der Baufirma, die den Radweg nicht schon im vergangenen Herbst fertig gestellt habe. In liegen gebliebenen Humushaufen niste jetzt – so die Annahme des Naturschutzes – die Zauneidechse.
Was andere große Projekte angeht, konnte Riesch in seinem Jahresrückblick weitgehend Vollzug melden: Beim Baugebiet Friedelweide sei mittlerweile nur noch eine Parzelle für eine Gewerbeansiedlung zu vergeben. „Bewerber sind da, da wird in den nächsten Monaten gebaut werden.“ Fertig ist auch der Umbau der ehemaligen „Post“ zu Rathaus, Café und Hotel. „Damit haben wir wieder einen richtigen Ortsmittelpunkt.“ Kauf und Umbau des Gebäudes kosteten laut Riesch rund zwei Millionen Euro.
Lesen Sie auch:Drachenflieger-Absturz in Greiling: Fluglehrer am Boden sah das Unglück kommen
Dieses Großvorhaben ist einer der Gründe dafür, dass die lange Zeit schuldenfreie Gemeinde mittlerweile mit 1,6 Millionen Euro in der Kreide steht, wie aus dem Haushaltsbericht von Rathaus-Geschäftsführer Michael Alt hervorging. Das ergibt eine Pro-Kopf-Verschuldung von 1950 Euro – weit über dem Bayern- und dem Landkreis-Schnitt. Bürger Jost Gudelius sen. bezeichnete diese Summe in seiner Wortmeldung zwar als „verträglich angesichts dessen, was geschafft wurde“, wollte aber doch wissen, wie lange die Gemeinde an dieser Belastung zu tragen habe. „Die Kredite sind auf 30 Jahre ausgelegt, mit zehn Jahren Zinssicherung“, antwortete Riesch. Die finanzielle Handlungsfähigkeit der Gemeinde sei aber gewährleistet. Zudem stünden den Schulden Gegenwerte gegenüber, etwa durch den Kauf des Raiffeisengebäudes.
Lesen Sie auch: Baustopp in Arzbach: Weiter Ärger um Längentalstraße

