Einhaltung der Hilfsfrist verhindert Aufstockung

Für Stoßzeiten: BRK-Rettungsdienst wünscht sich bessere Standortplanung

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Kommt in höchster Not: Rettungswagen des BRK.
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Die Retter des BRK sind pünktlich. Und genau das ist manchmal ihr Problem. Denn solange sie die Hilfsfrist einhalten, können sie keine Aufstockung beantragen. Ein Fehler im System?

Landkreis – Es gibt Tage, da hätte Michaela Götschl am liebsten an jeder Ecke im Landkreis einen Rettungswagen stehen. Bevorzugt an Ausflugs- oder Ferienwochenenden. Da nämlich sind die Straßen dicht – und Rettungsdienst und Notarzt kommen im Einsatzfall trotz Blaulicht und Martinshorn nur zäh von A nach B. Doch diese Fälle sind – zum Glück – immer noch die Ausnahme, betont die Rettungsdienstleiterin des BRK-Kreisverbands. Normalerweise seien die Retter wirklich pünktlich. In Zahlen ausgedrückt: Die gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfrist (zwölf Minuten vom Alarm bis zum Eintreffen am Einsatzort) wird in mehr als 80 Prozent der Fälle im Landkreis eingehalten.

Eigentlich könnte das BRK mit diesem Wert zufrieden sein, bestätigt Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk. Und doch sei man dadurch gewissermaßen ein Opfer des eigenen Erfolgs. Denn solange die Quote der Hilfsfrist erfüllt wird, könne man sich auch keine Hoffnung auf eine Aufstockung der Kapazitäten machen. Und genau hier liegt für Stärk der Fehler im System. Anstatt nur den Durchschnitt zu betrachten, müsse man bei der Planung von Rettungswachen und Personal die lokale Expertise hinzuziehen. Nur die Leute vor Ort könnten beurteilen, wo es wann am meisten zwickt. Die aktuell gültigen Kriterien seien zwar objektiv, aber nicht flexibel genug, um auf örtliche Gegebenheiten wie Verkehrsaufkommen zu reagieren.

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Tatsächlich handelt es sich bei der Planung des Rettungsnetzwerks um ein äußerst kompliziertes und hochgradig standardisiertes System. Die Datengrundlage liefert das Institut für Notfallmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München im Auftrag der Krankenkassen und des Innenministeriums. Neben der Bevölkerungszahl fließen auch deren räumliche Verteilung sowie die Entfernungen zwischen den Orten eines Landkreises in die Berechnung ein, erklärt Stärk. Das Ergebnis ist die Trend- und Strukturanalyse, kurz TRUST. In der Praxis ein dicker Ordner mit vielen Zahlen und Tabellen. Erst wenn hier ersichtlich wird, dass die Einhaltung der Hilfsfrist unter den kritischen Wert von 80 Prozent fällt, wird gehandelt.

Doch selbst das geht nicht sofort, räumt Stärk ein. Eine neue Rettungswache ließe sich nicht von heute auf morgen bauen, und die dafür nötigen Fachkräfte stünden nicht auf der Straße. Zwei bis drei Jahre Vorlauf brauche es mindestens, schätzt der Landesgeschäftsführer. „Mit der Realität kämpfen wir aber schon heute.“

Noch in einem weiteren Punkt ist das BRK von übergeordnetem Recht abhängig: bei der Vergabe der Rettungswachen. Der nämlich geht heute – ähnlich wie bei anderen öffentlichen Investitionen oder Aufträgen – eine EU-weite Ausschreibung voraus. Das heißt, auch rein kommerziell ausgerichtete Unternehmen können sich für den Rettungsdienst bewerben. Stärk sieht das kritisch. Nicht, weil er die Konkurrenz fürchtet, sondern weil er sich Sorgen um das Ehrenamt macht. So würde das Rote Kreuz viel in die Ausbildung von freiwilligen Helfern investieren. Kosten, die sich ein streng gewinnorientierter Träger möglicherweise sparen würde. Mit der Folge, dass bei großen Einsatzlagen die Retter knapp würden. Stärks Forderung an die neue Staatsregierung ist klar: „Der Rettungsdienst muss aus dem Vergabeverfahren herausgenommen werden.“

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Die Statistik des BRK-Kreisverbands zeigt, wie wichtig das Ehrenamt für den Rettungsdienst ist. Nur rund die Hälfte der rund 100 Helfer sind hauptamtlich tätig. Dank zahlreicher Schulungen und Übungen seien auch die Ehrenamtlichen top ausgebildet, betont Götschl. 14 700 Einsätze (Krankentransporte eingeschlossen) hatte der Rettungsdienst 2017 zu bewältigen. Und das alles mit derzeit vier Rettungswagen an den Standorten Agatharied, Holzkirchen, Gmund (jeweils Wachstation) und Rottach-Egern (nur Stellplatz). Zudem steht im Raum Miesbach, Holzkirchen und Tegernseer Tal je ein Notarztfahrzeug auf Abruf bereit.

Nicht in der Verantwortung des BRK, aber trotzdem für die Bevölkerung da ist die Rettungswache des MKT München in Fischbachau. Mitbewerber fürchtet das Rote Kreuz nicht, macht Stärk nochmals klar. „Es geht einfach darum, die optimale Versorgung im Landkreis aufrechtzuerhalten.“

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