Interview

Für Tubisten gibt’s zwei Essen im Flieger

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Musiker-Duo mit Leidenschaft: Andreas Martin Hofmeir (Tuba) und Andreas Mildner (Harfe).
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Das hört man nicht alle Tage: Ein Konzert mit einer Tuba und einer Harfe. Garant für den Erfolg ist, dass sich hier zwei Musiker zusammengefunden haben, die zu den besten ihres Fachs zählen: Andreas Martin Hofmeir und Andreas Mildner.

„Besser ohne Worte“ Ist das Motto des Konzerts mit Andreas Martin Hofmeir und Andreas Mildner am Donnerstag, 27. September, um 20 Uhr im Allianzsaal des Klosters Benediktbeuern. Die beiden spielen Lieder und Arien für Tuba und Harfe.  Kurier-Redakteurin Christiane Mühlbauer hat vorab Anton Hofmeir befragt.

-Herr Hofmeir, Blas- und Saitenmusiker sind sich in gewissen Situationen alles andere als grün. Wie kam es denn bei Ihnen und Herrn Mildner zur, sagen wir mal, Liebesbeziehung?

Liebesbeziehung sagen Sie? Es handelt sich eher um eine Zwangsheirat ... Ich hatte damals im Stipendiatenpool des Deutschen Musikwettbewerbs das Duo Tuba und Harfe vorgeschlagen, weil vier hübsche Harfenistinnen drin waren. Aber eben auch der Herr Mildner. Echtes Lospech. Er hat das übrigens genauso gesehen. Aber als wir dann die erste Probe mit dem Besuch einer Fußballübertragung im Biergarten eingetauscht haben, hat es nachhaltig gefunkt. Jetzt sind wir wie ein Ehepaar. Das wäre mit einer Frau nie möglich gewesen.

-Ein Harfen-Liebhaber denkt sich womöglich: Die arme Harfe. Die wird von der Tuba bestimmt an die Wand gespielt. Oder ist das bei Ihnen beiden andersrum?

Die Tuba ist ein derart zartes Instrument, da darf sich die Harfe anstrengen, ähnlich filigran zu klingen. Aber grundsätzlich ist Mitleid mit Harfenisten immer angebracht: Dieser überdimensionale Eierschneider ist unfassbar überintensiv, und dann sitzen sie im Orchester, zupfen sich die Finger blutig und keiner hört‘s ...

-Schildern Sie uns doch bitte mal, wie sie beide das Programm ausgearbeitet haben.

Ich hatte bereits ein Stück des von mir verehrten Jörg Duda, das er mir bereits 1998 komponiert hatte. Damals wollte ich das mit einer Harfenistin aus meiner Heimat aufführen, die ist aber dann schnell nach Lübeck geflohen. Wir haben dann zwei weitere Werke in Auftrag gegeben und den Rest arrangiert. Das ergab dann unser erstes Programm „Why not?“ Das aktuelle Programm „Besser ohne Worte“ ist das Ergebnis unserer unerfüllten Sehnsüchte. Der Herr Mildner wollte unbedingt mal Lied begleiten, ich wollte Opernarien schmettern. Zusammen mit ein paar virtuosen Opernparaphrasen ist das jetzt ein fürchterlich amüsanter Abend geworden, auch wenn das Thema ein trauriges ist: die Liebe.

-Sie sind auch in anderen außergewöhnlichen Ensembles unterwegs, beispielsweise mit einer Organistin und einem Jazz-Pianisten. Was reizt Sie am Crossover?

Ach wissen Sie, ich bin Tubist. Was bleibt mir anderes übrig? Außer Blaskapelle und Blechbläserquintett gibt es doch nur außergewöhnliche Formationen für uns. Aber das Schöne daran: Man kann sich und die Musik immer neu erfinden. Eine Pionierrolle sozusagen.

-Was mögen Sie an der Tuba gar nicht?

Das Gewicht und die Masse. Passt im Zug nicht ins Gepäckfach und im Flugzeug nur auf einen eigenen Sitz. Aber dafür kriegt man dann wenigstens zwei Essen.

-Ein Kritiker hat über Sie mal geschrieben: „Kabarettisten halten ihn für einen fabelhaften Tubisten, die Tubisten halten ihn für einen fabelhaften Kabarettisten.“ Wo sehen Sie sich?

Das klingt ja wie: Blinde halten ihn für einen schönen Mann, Taube für einen guten Redner.... Wunderbar. Ganz mein Humor. Ich für mich kann es nicht mehr trennen. Und das tue ich in der Regel auch nicht mehr. Selbst bei seriösen klassischen Auftritten erzähl ich immer was Lustiges.

-Gibt es ein Werk, das Sie gerne mal mit der Tuba spielen möchten, an dem Sie aber bislang immer gescheitert sind?

Eigentlich geht alles. Aber ich beschäftige mich gerade mit Jazz-Improvisation, da ist noch viel Luft nach oben ...

-Zwei Ensembles aus dem Tölzer Land sind vor Kurzem auf dem „Woodstock der Blasmusik“ in Oberösterreich aufgetreten. Sie waren da ja heuer der „Woodmaster“. Jahrzehntelang haftete der Blasmusik ein verstaubtes Image an. Warum, denken Sie, wird Blasmusik jetzt wieder cool? Was hat sich in den vergangenen Jahren verändert? Und was denken Sie, wohin geht die Reise, vor allem für Laienblasorchester?

Die Blasmusik profitiert meines Erachtens von der Antiglobalisierungswelle. Als ich jung war, war alles, was fremd und weit weg war sehr interessant. Jetzt, wo die Welt so eng zusammengerückt ist, man überall alles haben kann und in jeder Großstadt der Welt die gleichen Geschäfte stehen, da kommt eine andere Sehnsucht auf: die nach regionaler Identität und Originalität. Deshalb ist im Moment bei jungen Blasmusikern die „Böhmisch“-Bewegung so stark, aber vor allem (und für mich viel interessanter) sind die vielen Gruppen, die sich – inspiriert von Labrassbanda, Mnozil Brass oder Kofelgschroa – an neuen Stilen versuchen. Da entstehen tolle Sachen! Und nebenbei steigt die Qualität, auch in den Blasorchestern. Denn wenn man all die Gruppen am Woodstock hört, das motiviert schon.

Karten

gibt es an den bekannten Vorverkaufsstellen.

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