Nach drei Jahren Intensiv-Programm

Fachabitur neben der Ausbildung - Vor diesen Schülern zieht die Direktorin den Hut

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In der Aula der Berufsschule verabschiedete Schulleiterin Andrea Reuß die frisch gebackenen Absolventen.

„Berufsschule Plus“ heißt, neben der Ausbildung auch noch für das Fachabitur zu pauken. Seit vier Jahren gibt es das Programm in Fürstenfeldbruck. Acht junge Frauen und Männer haben den Abschluss jetzt in der Tasche – und das schafft nicht jeder.

Fürstenfeldbruck – Der intensivere Bildungsweg „Berufsschule Plus“ sei besonders hart, sagte Andrea Reuß, Schulleiterin der Berufsschule Fürstenfeldbruck, während der Zeugnisverleihung in der Aula. Bezeichnend dafür seien die acht Schüler, die nun vor ihr sitzen würden und es bis zum Ende geschafft hätten. Besagte acht wären lediglich 30 Prozent aller Schüler, die sich vor drei Jahren für das Programm angemeldet hätten.

Für sie griff sich die Direktorin mit einer Hand an den Kopf und sprach: „Sie haben viel Resilienz bewiesen. Ich ziehe meinen Hut vor Ihnen.“ Letzteres meinte die Schulleiterin nicht nur metaphorisch, sondern wortwörtlich: Mit einem Lächeln und unter Applaus der vor ihr sitzenden Absolventen sowie deren Familien zog Reuß einen Zylinder von ihrem Kopf. „Sie können stolz auf sich sein“, sagte die Direktorin

Die diesjährigen Absolventen waren Teil des zweiten Jahrgangs, der diesen anspruchsvolleren Weg an der Berufsschule gewählt hatte. Im ersten Jahrgang, vor genau einem Jahr, schlossen 13 von ursprünglich 40 Berufsschülern das Plus-Programm in Fürstenfeldbruck ab.

Diese Abzweigung der regulären Laufbahn beinhaltet mehr Unterricht, mehr Prüfungen und verlangt folglich mehr Ehrgeiz von den Auszubildenden. Drei Jahre lang hieß es für die Berufsschüler mehrmals pro Woche die Abendschule zu besuchen, um sich auf das Fachabitur vorzubereiten. Hat man es geschafft, wird man doppelt belohnt: Die Schüler halten nicht nur einen offiziellen Ausbildungsabschluss in der Hand, sondern zugleich auch noch die Fachhochschulreife. Dieses wiederum öffnet die Türen zur Hochschule.

Von der Arbeit direkt zur Abschlussfeier

Dazu beglückwünschte Andrea Reuß die Abschlussschüler im Rahmen der Zeugnisfeier und lobte sie, dass sie es bis zum Ende hin durchgehalten hätten. „Wenn Sie nun etwas sind, dann ist es krisenerprobt“, sagte die Schulleiterin. Und wie man sehe, wären die Absolventen schon voll in der Arbeitswelt angekommen. Denn unweigerlich gab es den ein oder anderen Nachzügler während der Abschlussfeier, der noch in seinem Ausbildungsbetrieb hatte arbeiten müssen.

In ihrer Rede betonte die Direktorin aber nicht nur den Schwierigkeitsgrad des Bildungsprogramms. Sie sprach auch die vergangenen zwei Jahre an, in denen die Corona-Pandemie das Leben dominierte. Für die Schüler bedeutete dies nicht nur Homeoffice oder Online-Unterricht, sondern beides gleichzeitig. „Sie haben in den letzten drei Jahren bewiesen: Sie können was“, sagte die Schulleiterin Andrea Reuß. Christina Strobl

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