Fürstenfeldbruck

Die Luftwaffe gibt ihr Ehrenmal am Fliegerhorst in Fürstenfeldbruck auf

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Eine Gedenkzeremonie am Ehrenmal mit Soldaten der Bundeswehr. Die Gedenkstätte liegt in der Nähe des Fliegerhorsts, den die Offizierschule nun aber verlässt.
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Die Offizierschule der Luftwaffe zieht ins fränkische Roth. Mit diesem Schritt gibt die Bundeswehr auch das Luftwaffenehrenmal auf. Damit endet eine große Tradition – schon in diesem Jahr.

Im Jahr 2030 – Stand heute – gibt die Bundeswehr den Fliegerhorst in Gänze auf. Die Offizierschule zieht bereits in diesen Wochen ins fränkische Roth. Doch was geschieht dann mit dem Luftwaffenehrenmal, an dem die Bundeswehr einmal im Jahr der Opfer der Luftwaffe und Luftfahrt gedenkt (siehe Kasten)? Diese Frage treibt die Fürstenfeldbrucker Stadträte Georg Jakobs (CSU) und Klaus Wollenberg (FDP) um. Sie wollen das Gedenkzeremoniell in der Kreisstadt halten.

Keine Pflicht zur Nutzung

„Fürstenfeldbruck soll als nationales Luftwaffenehrenmal sein Alleinstellungsmerkmal behalten“, sagt Jakobs. „Wie die Marine und das Bundesheer.“ Nicht umsonst gelte Fürstenfeldbruck als Wiege der Luftwaffe. Den Gedenkakt könne man aus Tradition auch nach dem Umzug am Fliegerhorst durchführen, meinen die beiden Stadträte. Zumal die Inschrift auch die Toten der Luftfahrt generell einbezieht. Mit ihrem Anliegen haben sie sich auch an Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius gewandt – und warten seitdem auf Antwort.

Die Bundeswehr hat aber andere Pläne: „Die Luftwaffe stellt – beginnend in diesem Jahr – die Nutzung des Luftwaffen-Ehrenmals in Fürstenfeldbruck ein“, teilt eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums auf Nachfrage mit. Bereits in diesem Jahr findet der Gedenkakt in Roth statt, wo ein neues Ehrenmal errichtet wird. Das Ehrenmal – seit 2024 unter Denkmalschutz stehend – verbleibe aber an seinem Standort. „Das Denkmal ist zu erhalten, eine Pflicht zur Nutzung besteht nicht“, heißt es weiter aus dem Ministerium.

Bereits im Jahr 2012 haben das Bundesverteidigungsministerium, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) und die Stadt Bruck eine Grundsatzvereinbarung zum Erhalt des Luftwaffenehrenmals geschlossen. Diese sollte mit der Aufgabe des Fliegerhorstes in Kraft treten.

Das Ehrenmal

Das Ehrenmal steht an der Brucker Lützowstraße. „Ihr seid unvergessen – Den Toten der Luftwaffe und der Luftfahrt“ steht auf dem Mal geschrieben, das der Architekt Ernst Zinsser geschaffen habt. Die Freiflächen gestaltete der Landschaftsarchitekt Ludwig Roemer. Nach der Grundsteinlegung 1961 folgte im Jahr darauf die erste Totenehrung. Seit 2024 steht das Ehrenmal unter Denkmalschutz. Am Vortag des Volkstrauertages findet immer ein Zeremoniell statt. Seit dem 10. Mai 1972 werden am Tag des Endes der Luftschlacht um England parallel in Fursty und in London Kränze niedergelegt. Dieser Brauch endet nun.

Diese besagt, dass das Luftwaffenehrenmal als Gedenkstätte für die Toten der Luftwaffe und der Luftfahrt erhalten bleibt. Die Stadt übernimmt die Patenschaft und Pflege des Areals und gewährleistet auch nach Ende der militärischen Präsenz die würdevolle Erinnerung. Die Luftwaffe erhält das Recht, die Totenehrung und weitere Veranstaltungen durchzuführen, ist in der Vereinbarung zu lesen.

„Ihr seid unvergessen“, steht an zentraler Stelle an dem Ehrenmal

Aufgrund der dauerhaften Nutzungseinstellung müsse diese Grundsatzvereinbarung in Teilen geändert beziehungsweise ganz aufgehoben werde, teilt die Sprecherin des Verteidigungsministeriums jetzt aber mit. Das Bundesamt für Infrastruktur sei damit beauftragt. Die Gespräche seien noch nicht abgeschlossen. Für Klaus Wollenberg ist diese Entscheidung eine große Enttäuschung. „Wir werden über die politischen Abgeordneten nochmal versuchen, die Entscheidung zu ändern.“

Aufwuchs der Streitkräfte

Fürstenfeldbrucks OB Götz spricht von einer konsequenten und nachvollziehbaren Entscheidung. „Es ist eine Zwangsläufigkeit, dass die Gedenkveranstaltung zusammen mit der Offizierschule verschwindet. Das haben wir hinzunehmen.“ Bezüglich der künftigen Pflege des Luftwaffenehrenmals sieht der OB Klärungsbedarf. Der Denkmalschutz mache vor allem die Pflege der Freiflächen nicht einfacher. Man müsse darauf hinwirken, im Vertrag zu revidieren, dass die Stadt das Ehrenmal erhalten und pflegen muss, ergänzt Jakobs.

Dass die Bundeswehr den Standort Fliegerhorst im Jahr 2030 tatsächlich in Gänze aufgibt, ist weiterhin nicht in Stein gemeißelt. Die Sprecherin des Verteidigungsministeriums spricht von Planungen für den Aufwuchs der Streitkräfte. Man prüfe Infrastrukturbedarfe, vorrangig bei bestehenden Unterbringungsmöglichkeiten. Der Zeitpunkt der Entscheidung sei vom Abschluss dieser Untersuchung abhängig, heißt es weiter.

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