Fürstenfeldbruck

OB-Wahl: Die Partei setzt auf einen prominenten Namen

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Auf seinem Hof in Lindach lebt Joe Kellerer modern – aber nachhaltig. Ökologischer Anbau, Holzbauweise, Photovoltaik, all das setzt der Landwirt um. Nun will er für Die Partei den Rathaussessel erobern.
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Im Kreis der OB-Kandidaten trägt er den bekanntesten Namen. Deshalb wird er gewinnen, hat ein Parteifreund schon im Scherz verkündet. Doch obwohl er für die Satirepartei „Die Partei“ antritt, ist der Wahlkampf für Joe Kellerer nicht nur Gaudi.

Fürstenfeldbruck – Wenn sich Johannes Kellerer, den alle Joe nennen, den Bruckern als OB-Kandidat zu erkennen gibt, fragen die erstmal, ob er mit Alt-OB Sepp Kellerer verwandt ist. Und das ist er. „Es ist der Cousin meines Großvaters.“ Der Ökonomierat hatte seinen beiden Söhne einen großen Stall mit Schiefer auf dem Dach gebaut – einen in Aich und einen in Lindach. Den Hof in Lindach hat Joe Kellerer vor neun Jahren nach Abschluss seines Landwirtschaftsstudiums von seinen Eltern übernommen – auch beruflich eine Gemeinsamkeit zum ehemaligen Rathauschef. Joe Kellerers Haupterwerb ist der ökologische Anbau von Soja, Dinkel und Hanf. Zudem vermietet er freie Räume an Firmen.

Gleicher Name, gleicher Beruf – doch das führte nicht zwangsläufig zur OB-Kandidatur, wie der 33-Jährige mit dem verschmitzten Lächeln erzählt. Zur Politik kam er vielmehr durch seinen Schulfreund Florian Weber, der vor sechs Jahren der erste Bewerber für „Die Partei“ war. Der brauchte für die Gründung des Ortsverbandes noch Mitglieder, und Kellerer war dabei als dritter Vorsitzender und Kassenwart. Den Sprung in den Stadtrat verpasste er nur ganz knapp, weil am Ende nur ein Sitz für die Satirepartei blieb. Als Weber eine zweite OB-Kandidatur ausschloss, wurde ein neuer Bewerber gesucht und mit Joe Kellerer gefunden. „Weil wir wieder einen Kellerer brauchen“, sagt er und lacht.

Lust auf Politik

Nachdem er nun gekürt ist, nimmt er die Sache ernst. Er habe Lust auf Politik. Lust darauf, etwas zu bewegen. „Der Bürgermeister ist kein Diktator, er muss auf die Bürger hören und sich für das einsetzen, was sie wollen.“ Auch wenn das manchmal nicht umsetzbar sei, fügt der liierte Landwirt hinzu. Teamführung, die Arbeit mit dem Stadtrat, Menschen zusammenbringen, keine Alleinentscheidungen treffen – all das liege ihm. „Ich kann gut mit Leuten und mit mir kommen alle klar.“

Die kurze Bewerbungsrede

Ich bin der richtige Oberbürgermeister für Fürstenfeldbruck, weil ich der Einzige bin, der parteiungebunden ist. Dadurch kann ich die klugen Ideen und kreativen Vorschläge aller Fraktionen im Stadtrat wirkungsvoll unter einen Hut bringen. Nur gemeinsam können wir komplexe Probleme identifizieren, dazu kreative Lösungen finden und die anstehenden Projekte der nächsten Jahre effektiv verwirklichen. Ich setze mich für den Natur- und Klimaschutz ein und strebe eine nachhaltigere Form der Bebauung im Stadtgebiet an. Falls ich als OB in den kommenden drei Jahren nicht alle Visionen umgesetzt habe und die Amperbrücke noch stehen sollte, würde ich mich dann auch für eine weitere Amtszeit zur Verfügung stellen.

Da er als einziger Kandidat nicht im Stadtrat sitzt, will er frischen Wind in Projekte bringen. „Dass die B 2 aus Bruck raus gehört, wäre das größte Ziel“, sagt der 33-Jährige. „Denn auf der Hauptstraße kann man gar nichts machen.“ Die beste Idee habe Flo Weber mit der Amperbrückensprengung gehabt, sagt Joe Kellerer und lacht. Er spricht sich eher für einen kontrollierten Rückbau aus. Dabei könne man auch die Sparkasse mit sprengen. „Dann bliebe die Kirche mit einem schönen Vorplatz.“

Hallenbad aus Holz

Apropos Abriss: Beim Hallenbad ist der unvermeidlich. Daher würde Kellerer Amperoase und Eishalle zusammenlegen und realisieren. „Zukunftsträchtig mit PV-Modulen, Hackschnitzelheizung und in Holzbauweise“, erklärt er. „Da gibt es viele Schwimmbäder, die sehr schön sind.“ Die Stadt habe ihre Schulden in den vergangenen Jahren reduziert. „Da muss so ein großes Projekt drin sein.“

Beim Thema Klima sieht Kellerer Nachholbedarf: Flächen müssten entsiegelt werden, die Stadt brauche mehr Grün. Und: „Es gibt kaum PV-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden.“ Auch Parkplätze könne man mit Solarmodulen überdachen und so erneuerbare Energie gewinnen. Etwas, das Kellerer auch auf seinem Hof macht. Das Auto tankt Strom. Solarzellen gibt es selbstverständlich, die Hackschnitzel für die Heizung stammen aus dem eigenen Wald.

Ähnlich strenge Auflagen würde Kellerer auch beim städtischen Wohnungsbau machen: Holzbauweise, Solarzellen, nachhaltig, zählt Kellerer auf. Und er würde auch nicht weitere freie Flächen zubauen, sondern die Geschossflächenzahl dort erhöhen, wo es verträglich ist. „Solche Wohnungen wären eher was für die Brucker“, glaubt er. Klar ist für ihn aber auch, dass am Fliegerhorst Wohnungen entstehen werden, wie auch Gewerbeflächen. Das Viertel brauche eine vernünftige Verkehrsanbindung und moderne Industriezweige. Und Bürgerbeteiligung.

Bürger-Radltouren

Um zu hören, was den Bruckern auf der Seele liegt, würde Joe Kellerer die Radltouren wieder beleben und die Ecken von Bruck und seinen Ortsteilen abstrampeln. „Die Bürger wissen am besten, was für ihr Problem die beste Lösung ist.“ Daher will Kellerer mit ihnen ins Gespräch kommen. Aber nicht an Infoständen. Denn dafür bleibt dem Triathleten vom Tri Team Fürstenfeldbruck nach Arbeit und zwei Trainingseinheiten pro Tag zu wenig Zeit.

Und was hält der Alt-OB von der Kandidatur? Das hat Joe Kellerer natürlich gefragt. „Er hat gesagt, er würde sich freuen, wenn sein Nachfolger wieder Kellerer heißt.“

Die Serie:

Am 5. März wird der neue Oberbürgermeister gewählt. Das Tagblatt stellt die Kandidaten in alphabetischer Reihenfolge vor.

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