- VonHans Kürzlschließen
Seit 14 Jahren gedenken die Mitglieder des Sozialforums Amper den Opfern der Atombomben von Hiroshima und Nagasaki. Es soll auch eine Mahnung sein: So etwas darf nicht mehr passieren. Spätestens seit dem Ukraine-Krieg ist die Angst aber gewachsen.
Fürstenfeldbruck – „70 000 Häuser zerstört, 70 000 Menschen sofort getötet.“ Das sind die Zahlen, die Fürstenfeldbrucks Zweiter Bürgermeister Christian Stangl (Grüne) in seinem Grußwort heranzieht. Sie schockieren. Und mahnen: Das, was am 6. August 1945 nach Abwurf der ersten Atombombe auf Japan passiert ist, darf sich nicht wiederholen. „Alle sind aufgefordert, Atomwaffen zu ächten“, sagte Stangl bei der Gedenkveranstaltung zum Jahrestag von Hiroshima. Die Welt müsse ohne Massenvernichtungsmittel auskommen.
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Allerdings müsse man denen entgegentreten, die territoriale Ansprüche mit Gewalt durchdrücken wollen und die Welt durch Energielieferungen erpressen wollen. Der Adressat der Worte ist mit Rußland klar benannt. „Das gemeinsame Haus Europa darf nicht zerstört werden“, betont der Vize-Bürgermeister. Dennoch nehme der Pazifismus für ihn weiterhin eine wichtige Rolle ein.
Die Stadt Fürstenfeldbruck ist Mitglied der Initiative „Mayors of Peace“ (Bürgermeister des Friedens). Das hob Herbert Markus, der für das Eine-Welt Zentrum in Fürstenfeldbruck sprach, lobend hervor. Diese Organisation wurde 1982 von dem damaligen Bürgermeister von Hiroshima gegründet – auch als Sinnbild dafür, dass Bürgermeister für die Sicherheit ihrer Städte verantwortlich sind. Markus stellte klar: Die Friedensbewegung müsse ein wichtiges Element bleiben. Denn im Jahr 2021 wurden ganze 28 Kriege weltweit gezählt. „Die Kriege, die die NATO führt, werden sogar ganz ausgeblendet“, setzt Markus seine Kritik fort. Seit Februar gibt es wieder blutige Kämpfe in Europa, in der Ukraine. Für Markus gibt es nur eine Lösung: „Verhandlungen. Je schneller, desto besser und desto weniger Opfer.“
Ein Argument, das wenig später der Publizist und Radiomoderator Ulrich Seibert auf der Kneipp-Insel aufgreift. Dort, wo traditionell der zweite Teil von Protest und Gedenken des Sozialforums Amper stattfindet. Seibert mahnt: „Je länger der Krieg dauert, desto größer wird die Gefahr der Eskalation.“ Wer die Waffen nicht vernichte, werde letztendlich selbst von den Waffen vernichtet, folgert Seibert. Sanktionen, die einseitig von einem Machtblock gegen einen anderen Machtblock verhängt würden, lehnt er ab.
Das Publikum, zu dem Seibert und all die anderen sprechen, ist mit knapp 30 Teilnehmern überschaubar – trotz Ukraine-Krieg und nun auch noch Taiwan-Konflikt. Es sind fast immer die gleichen, die Hartnäckigen und Beharrlichen wie Inge Ammon. Sie beteiligt sich mit der von Bert Brecht geschaffenen „Rede für den Frieden“. Monika Glemnitz fügt die Schilderung einer Hibakusha an, wie in Japan die Überlebenden der Atombombenabwürfe genannt werden. Beides sind Elemente, die in jedem Jahr dazu gehören. Auch 2023 wird das wieder der Fall sein. Das Mahnen, Gedenken und Protestieren dürfe nicht aufhören, heißt es. Jetzt erst recht.
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