Fürstenfeldbruck

OB-Wahl: BBV-Kandidat will Politik bürgernah machen

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Mit ihren Karikaturen ist die BBV seit Jahren präsent. Nun will Christian Götz für die Gruppierung den Rathaussessel zurückerobern.
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Er kennt Fürstenfeldbruck wie seine Westentasche. Als Oberbürgermeister will Christian Götz seine Heimatstadt ökologischer und lebenswerter machen. Der 53-Jährige geht für die Brucker Bürgervereinigung (BBV) ins Rennen.

Fürstenfeldbruck – Urgroßeltern, Großeltern, Mutter – die Geschichte der Familie Götz reicht mehrere Generationen zurück. Und so ist Christian Götz in Bruck gut vernetzt. Umso erschreckender findet er, wie wenig sich die Stadtgesellschaft für die Kommunalpolitik interessiert. „Manche wissen nicht mal, wie der Oberbürgermeister heißt“. Das will der 53-Jährige unbedingt ändern, wenn er den Sitz im Rathaus erobert.

Bürgerbeteiligung

Bürgerbeteiligung nennt er daher als einen großen Schwerpunkt. Eine Stabsstelle oder ein Büro für Bürgerbeteiligung schwebt ihm vor – samt Bürgerpavillon oder -Werkstatt in der Stadtmitte. „Die Bürger sollen die Initiative ergreifen“, findet Götz. Nicht nur, wenn sie bei Planungs- oder Bauvorhaben gefragt werden. „Ich möchte Stadtpolitik und Bürger wieder zusammen bringen.“

Denn oftmals sind es kleine Initiativen oder Anstöße, die viel bewirken. Etwa eine Seniorin, die sich um die Kneipp-Insel bemüht. Schandflecken wie einst diesen gibt es einige in der Stadt. „Man muss den öffentlichen Raum aufwerten“, sagt Götz. Ein Thema, das ihm schon aus beruflicher Sicht liegt. Denn der studierte Diplom-Biologe arbeitet in einem Münchner Planungsbüro, das sich mit dem Donau-Ausbau zwischen Straubing und Vilshofen befasst, in der Umweltplanung. Mit dem Fachwissen will er die Stadtplanung angehen. Sei es auf dem Fliegerhorst, beim Thema Verkehr oder bei Umweltfragen. Die Stadt habe zehn Hektar Waldfläche, Freiflächen, die man insektenfreundlich gestalten könne. Ganz zu Schweigen von der Amper. Als Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke würde er die Aufwertung der Amper angehen. „Da weiß ich ganz genau, was zu tun ist.“

Sozialer Wohnbau

Sozialen Wohnungsbau – mit Genossenschaften und der Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises – will Götz angehen. Die Hoffnung, nochmal über die Verlagerung der B 2 sprechen zu können, hat er noch nicht aufgegeben, nachdem die CSU nicht mehr den Bundesverkehrsminister stelle. Und auch die Eishalle nennt der 53-Jährige. Wobei er, der sich als „durch und durch öko“ bezeichnet, am Anfang gar nicht so begeistert war. Doch inzwischen hat er seine Meinung geändert. „Man muss es mit einem vernünftigen Energiekonzept machen“, sagt Götz. „Es ist eine gute Sache, vor allem wenn man es mit dem Ist-Zustand vergleicht.“

Bleibt das Finanzproblem, das wie ein Damoklesschwert über allem schwebt. Leicht werde der Start nicht, wenn man die städtischen Finanzen betrachte. „Aber so schwarz, wie es gemalt wird, ist es nicht.“ Man müsse auf Sicht fahren. „Es ist wichtiger, Projekte umzusetzen, die nicht viel kosten, aber viel bringen.“

Die kurze Bewerbungsrede

Ich bin der richtige Oberbürgermeister für Fürstenfeldbruck, weil ich die Stadt in- und auswendig kenne. Ich bin hier geboren und kenne ihre Entwicklung seit über 50 Jahren. Ich schaue in die Zukunft und möchte nicht den immer gleichen, alten Schwarzteebeutel wieder aufbrühen. Stattdessen möchte ich eine offene, nach außen gewandte, zukunftsorientierte Stadtpolitik machen. In meiner Zeit als zweiter Bürgermeister habe ich viel gelernt, als Biologe und Umweltplaner habe ich zudem Erfahrung in planerischen und ökologischen Dingen – also in den Zukunftsthemen. Mein Amt will ich nach drei Jahren zur Verfügung stellen und die OB-Wahl wieder mit der Stadtratswahl zusammenlegen.

Und wie will ein künftiger Oberbürgermeister Christian Götz das erreichen? Seine Rolle als Stadtoberhaupt sieht er weniger als Gutsherr und Strippenzieher, sondern eher als Moderator und Mediator – vor allem im Stadtrat. „Wir haben in den letzten sechs Jahren tiefe Gräben gezogen.“ Das Lagerdenken habe er stets zu vermeiden versucht. „Das zu erkennen und gegenzuarbeiten, ist eine Aufgabe des Oberbürgermeisters.“ Als Primus inter Pares –also als Erster unter Gleichen – müsse er die Beschlüsse des Stadtrats umsetzen. In der Verwaltung ist der OB als guter Chef gefragt. „Man muss die Leute bei der Stange halten.“ Und das größte und wichtigste Feld sei der Kontakt zur Bürgerschaft. Wo er wieder beim Thema Bürgerbeteiligung ist.

Vize-Bürgermeister

In der Kommunalpolitik ist Götz noch ein relativer Neuling. Zwar interessierte ihn die Politik schon als Jugendlicher, doch da ging er lieber fischen und spielte Theater. Als er nach einigen Jahren in Freising nach Bruck zurückkehrte, war ihm klar, dass er sich engagieren wollte. 2013 trat er der BBV bei, ein Jahr später schaffte er den Einzug in den Stadtrat und war von 2017 bis 2020 Vize-Bürgermeister – vielleicht ein kleiner Vorteil, den er im Gegensatz zu seinen fünf Mitbewerbern hat. „Man ist ganz anders in die Verwaltungsarbeit eingebunden.“ In der Zeit habe er gemerkt, dass ihm Dinge leicht fallen: Sitzungen leiten, Redebeiträge, Kommunikation. „Ich kann mir das hauptberuflich gut vorstellen, wenn ich die Möglichkeit und Zeit habe, Ideen zu platzieren und mit Manpower aus der Verwaltung auch konkrete Projekte umzusetzen.“

Schon 2017 habe er mit dem Gedanken gespielt, zu kandidieren. Doch damals waren die beiden Töchter und der Sohn (heute 18, 15 und 10) noch zu klein. „Es muss die ganze Familie dahinter stehen“, sagt Götz. Jetzt können sie schon mal öfter auf den Papa verzichten, sollte er die Wahl tatsächlich gewinnen.

Die Serie

Am 5. März wird der neue Oberbürgermeister von Fürstenfeldbruck gewählt. Das Tagblatt stellt die Kandidaten in alphabetischer Reihenfolge vor.

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